Tolkiens Vermächtnis +++ Sicherheit in Israel +++ Anti-russische Tendenzen in den Medien +++ Libyen - ein gescheiterter Staat +++ Identifizierung der MH17-Opfer +++ Ist Weitsprung mit Prothese Wettbewerbsverzerrung? +++ Ist Nagellack schädlich?

Niko Fischer·

An alle Tolkien-Fans und die, die es noch werden wollen: Heute vor genau 60 Jahren ist in London der erste Teil des "Herrn der Ringe" von J.R.R. Tolkien erschienen. Wir sprechen heute darüber, wie dieses literarische Werk das Fantasy-Genre beeinflusst hat. Außerdem schauen wir in den Nahen Osten, nach Libyen und in die Ukraine, beobachten eine anti-russische Medienberichterstattung im Netz und fachsimpeln über Weitsprung und Nagellack. Kurzum: alles, was heute wichtig ist. Bei, von und mit DRadio Wissen - hochmotiviert vorbereitet und präsentiert heute wieder von Marlis Schaum und Sebastian Sonntag im Studio und Niko Fischer an den Tasten, die das Netz bedeuten. Guten Morgen, Mittelerde! Die Reise beginnt...

Niko Fischer·

Heute vor 60 Jahren ist "Der Herr der Ringe" erschienen. Bis heute beeinflusst er das Genre wie kein anderes Werk. Deshalb steht auf jedem dritten Fantasy-Buchrücken: "Beeinflusst von J.R.R. Tolkien".

So wie Tolkien erschafft zum Beispiel auch Michael Ende in seiner "Unendlichen Geschichte" eine komplexe Welt. Man lernt nur einen kleinen Teil von Fantasien kennen und viele Geschichten werden nur kurz angeschnitten, aber nicht zu Ende erzählt. Oder die etwas schwächliche oder kindliche Hauptfigur, die das Böse besiegen muss und erst im Laufe der Geschichte an der Aufgabe wächst. Im "Herrn der Ringe" ist es Frodo, in der "Unendlichen Geschichte" Bastian Baltasar Bux. Ähnliche Modelle finden sich bei "Harry Potter" oder den "Chroniken von Narnia" und vielen mehr.

Ring auf glühenden Steinen
Ein Ring, sie zu knechten...
Sebastian Sonntag, Tolkien-Fan
"Noch bis zu seinem Tod hat Tolkien am 'Silmarillion' gearbeitet, einer kompletten Mythologie der Welt, die mehrere Tausend Jahre zurückreicht. Tolkien war kein klassischer Romanschreiber."
Niko Fischer·

Unser Studiotechniker hat sich übrigens gerade "Herr der Augenringe" getauft. Wahrscheinlich hat er heute Nacht versucht, "Die Rückkehr des Königs" komplett durchzulesen. Wir werden ihn gleich mal aufwecken - und zwar mit dem neuen Trailer zum dritten Teil des "Hobbit"...

Niko Fischer·

Israel fühlt sich bedroht - durch die Hamas, die Hisbollah, aber auch durch den Iran zum Beispiel. Daher sichert der Staat sein Territorium, mit vielen Soldaten und Reservisten - und mit einem der modernsten Raketenschutzschilder der Welt. Und das ist seit fast zwei Wochen im Dauereinsatz. Über die Sicherheitspolitik des Landes haben wir mit dem Politikwissenschaftler und Historiker Marcus Mohr gesprochen.

Israelische Abwehrrakete
© dpa
Kein Raketenabwehrsystem der Welt ist so flächendeckend wie das des Staates Israel.
​Marcus Mohr bei DRadio Wissen
"Das Wort 'Schutzschild' ist natürlich ein sehr malerischer Begriff für die Raketenabwehr 'Irondome'. Es heißt offiziell, dass die Abschussrate bei bis zu 90 Prozent liegt."
Niko Fischer·

"Staatsfeind Nr. 1" nennt die Newsweek den russischen Präsidenten. "Stoppt Putin! Jetzt!" ist der aktuelle Titel des Spiegel. Dazu gibt es dann noch ein umstrittenes Umfrageergebnis bei Spiegel Online. In dem Artikel "Deutsche befürworten härtere Sanktionen gegen Putin" wurde am Sonntag erklärt, dass angeblich "52 Prozent für einen Handelskrieg gegen Russland sind". Im Netz gab es eine Menge Protest - so viel, dass zwei Stunden nach der Veröffentlichung die Kommentarfunktion deaktiviert werden musste.

DRadio Wissen Netzreporterin Martina Schulte berichtet über den verschärften Ton, den einige Medien mittlerweile gegenüber Putin wählen.

Wladimir Putin
© dpa
Kennt man auch: Provokationen funktionieren einfach besser mit Sonnenbrille.
Martina Schulte, Netzreporterin bei DRadio Wissen
"Der Spiegel ist leider nicht das einzige Medium, das sich journalistische Fehlgriffe leistet in diesen Tagen - es ist in sehr vielen Mainstream-Medien zu beobachten."
Niko Fischer·

Es ist schon ein bisschen her: Im Jahr 2011 wurde Muammar al-Gaddafi gestürzt. Seitdem herrscht in Libyen Chaos: Auf der einen Seite kämpfen die Misrata-Milizen auf der Seite der Islamisten. Auf der anderen Seite sind die Zintan-Milizen, die für ein liberaleres Libyen kämpfen und den Flughafen in Tripolis besetzt haben. Zum 1. August soll das Parlament von Tripolis nach Bengasi verlegt werden. Das hat das Parlament selbst so beschlossen. Dadurch soll es dem Einfluss der Islamisten entzogen werden, die Tripolis kontrollieren.

Deutschland hat alle deutschen Bürger in Libyen aufgefordert hat, das Land zu verlassen. Wegen der unübersichtlichen und gefährlichen Lage. Ein bisschen Ordnung ins Chaos hat für uns Professor Günter Meyer gebracht. Er ist Leiter des Zentrums zur Erforschung der arabischen Welt an der Uni Mainz.

Ein Mann schaut durch ein Loch in der Hauswand nach einem Anschlag in der Nähe des Flughafens von Tripolis/Libyen.
© dpa
Ende Juli 2014: Nach einem Anschlag in der Nähe des Flughafens von Tripolis.
​Günter Meyer, Professor am Geographischen Institut der Uni Mainz
"Staatliche Strukturen existieren in Libyen gar nicht mehr. Die Armee ist machtlos."
Niko Fischer·

Am Samstag (26.7.) ist Markus Rehm 8 Meter und 24 Zentimeter weit gesprungen - und damit Deutscher Meister im Weitspringen geworden. Das Besondere daran: Rehm, der auch Orthopädie-Techniker ist, trägt eine Prothese. Die Diskussion ist in vollem Gange: Ist das Wettbewerbsverzerrung?

Am Mittwoch (30.7.) will der DLV entscheiden, ob Rehm bei der EM im August in Zürich antreten darf. Wir haben mit Markus Rehm gesprochen und ihn gefragt, ob er die Diskussion verstehen kann.

Markus Rehm, Deutscher Meister im Weitspringen, in Aktion
© dpa
Markus Rehm in Aktion
Markus Rehm, Deutscher Meister im Weitspringen
"Ich kann die Diskussion definitiv verstehen. Aber ich selber fühle mich nicht bevorteilt. Wenn ich mich so fühlen würde, würde ich gar nicht erst starten."
Niko Fischer·

Weibliche Füße ohne Nagellack gehen im Sommer eigentlich gar nicht. Sagt unsere Moderatorin - und geht mit gutem Beispiel voran. Allerdings gibt es auch immer wieder Berichte, welche schädlichen Inhaltsstoffe in den Lacken so drinstecken und was man seinen Fuß- oder Fingernägeln damit antut (und beim Auftragen auch seiner Nase...): gesundheitsschädliche Weichmacher, bedenkliche Lichtschutzfilter, die hormonell wirksam sind, oder sogar Phenol, ein nerven- und erbgutschädigender antibakterieller Wirkstoff.

All das hat das Magazin Ökotest in Nagellacken gefunden. Das Magazin hat nämlich im April erst die Inhalte von Nagellacken untersucht. Wir haben mit Jürgen Stellpflug gesprochen, dem Öko-Test-Chefredakteur.

Nagellackfläschen
Sommer und Nagellack - das gehört einfach zusammen
Jürgen Stellpflug, Chefredakteur Öko-Test-Magazin
"Sie können sich auch 365-mal im Jahr die Nägel lackieren, davon wird noch keine Frau krank. Aber wir haben täglich mit einer Vielzahl von Schadstoffen zu tun - irgendwann läuft das Fass über."
Niko Fischer·

Beim Absturz des Malaysia-Airlines-Flugzeugs in der Ostukraine kamen am 17. Juli 298 Menschen ums Leben, 194 von ihnen kamen aus den Niederlanden. Die meisten Opfer wurden dorthin zur Identifizierung ausgeflogen. Mehr als 200 Experten untersuchen nun die menschlichen Überreste in einer Kaserne in Hilversum. Der erste Leichnam soll bereits identifiziert worden sein.

Rüdiger Lessig ist Professor für Rechtsmedizin am Institut für Rechtsmedizin am Universitätsklinikum Halle/Saale. Er geht davon aus, dass die Identifizierung der Leichen unter Umständen "sehr lange" dauern wird. Wir haben mit ihm darüber gesprochen, wie die Identifizierung abläuft.

Hilfskräfte befördern an der Absturzstelle von Flug MH17 Leichensäcke auf einen LKW.
© dpa
Von der Absturzstelle in der Ukraine wurden viele Leichen mittlerweile in die Niederlande transportiert.
​Rüdiger Lessig, Professor für Rechtsmedizin in Halle/Saale
"Man muss sich an Standards halten. Es gibt primäre Identifizierungs-Merkmale wie Fingerabdrücke, DNA oder Zähne. Und sekundäre Merkmale wie gerichtsmedizinische Befunde, Bekleidung oder Schmuck."
Niko Fischer·

Das war's für heute - danke fürs Zuhören und Mitlesen. Hier übernimmt jetzt Till Opitz und führt euch durch den Grünstreifen. Wir hören und sehen und lesen und und und... uns morgen wieder. Tschüss! sagen Marlis, Sebastian und Niko.