Eigentlich wollte sie Rechtsmedizinerin werden. Dann stieg sie in die familieneigene Brauerei in Köln ein. Und mit 25 Jahren musste Anna Heller als jüngste Brauerei-Chefin Deutschlands den Laden übernehmen. Damit begann für sie auch eine Zeit von Experimenten mit Bier.

Eine Redaktionskonferenz über Bier mit Kaline Thyroff.

Das Abi war zu schlecht und eröffnete ihr die Welt des Bieres. Mit einer besseren Note wäre Anna Heller an die Uni gegangen und hätte etwas studiert, was so gar nichts mit Alkohol zu tun gehabt hätte. So aber blieb sie in Köln, in der Hellers Brauerei ihrer Eltern, die sich auf Bio-Bier spezialisiert hat. Durchlief die Ausbildung, wurde von Kollegen und Vorgesetzten nicht geschont, im Gegenteil: Als Tochter des Chefs, sagt Anna, habe sie mehr Drecksarbeit als die anderen machen müssen: "Die Jungs wollten gucken, ob ich irgendwann einknicke, wenn ich immer die schweren Malz-Säcke und Fässer schleppen muss." Sie knickte nicht ein.

Anna schmeißt die Brauerei

Mit 25 Jahren dann der Schock: Ihr Vater stirbt unerwartet, sie muss die Brauerei und die Gastronomie übernehmen und sich gegen die älteren Mitarbeiter durchsetzen. Sie schafft es. Und sie bringt neue Energie in die Brauerei mit: Anna wagt Experimente, oft gegen die skeptischen Einwände ihres Braumeisters. Experimente mit Bier, versteht sich. Aber: "Bier" darf sie das Ergebnis dann nicht mehr nennen: Das deutsche Reinheitsgebot lässt grüßen.

Die Braumeisterin und Hellers-Chefin Anna Heller im DRadio-Wissen-Studio am 23.03.2015.
© DRadio Wissen | Thomas Ruscher
Anna Heller besucht DRadio Wissen. Die Test-Biere für die Redaktion hat sie leider vergessen.

Sie testet gerade ein Bier aus, das ohne Hopfen gebraut wird, um ein Bier aus nur regionalen Zutaten brauen zu können. Der schmackhafte Erfolg blieb bisher auf, aber die Braumeisterin bastelt weiter an ihrem Rezept. Sogar Alt-Bier gibt's im Heller-Brauhaus. Eigentlich eine mittlere Frechheit für den Kölner Lokalpatriotismus, der sich so viel auf Kölsch und seine Feindschaft zu Düsseldorf einbildet. Für Anna eine bewusste kleine Provokation.

"Vor 30 Jahren war es üblich, dass es in Köln auch Alt-Bier zu trinken gab. Ich habe noch die alten Getränkekarten aus den alten Brauhäusern und Gastronomien meines Vaters, da stand immer Altbier mit auf der Karte."
Anna Heller über heute verpönte Trinkgewohnheiten

Die Reaktionen auf das dunkle Alt-Bier war übrigens durchgehend positiv, sagt Anna. Außer bei Kölnern und Düsseldorfern.

Die Experimente gehen weiter. Thymnian und Rosmarin stehen auf Annas Zutatenliste für die nächsten Kreationen. Auch Minze könne sie sich gut für ein süßliches Bier vorstellen, sagt sie. "Waldmeister wäre auch ein Kraut, das man mal ausprobieren könnte."

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