Eine Hackergruppe hat nach den Terroranschlägen in Paris dem Islamischen Staat in einer Videobotschaft den Krieg erklärt. Im Namen von Anonymous.

Es erinnert an eine ganz normale Nachrichtensendung: In der Videobotschaft der Hacktivisten ist eine Person mit einer Guy-Fawkes-Maske zu sehen, die einen Zettel in der Hand hält. Eine Computerstimme erklärt, dass die Attentate nicht ungestraft bleiben könnten und dass man die Hintermänner finden werde. Außerdem werden "massive Cyberattacken" angekündigt.

Wichtig: Die Hackergruppe besteht aus einigen Anonymous-Mitgliedern, gehört aber nicht zu Anomymous selbst. Diese Gruppe kämpft schon seit einem Jahr im Netz gegen den IS. Und sie haben die Cyberaktivitäten des Islamisten auch schon ein paar Mal empfindlich gestört. Wir wissen, dass diese Hacker-Gruppe vom 25-jährigen Webdesigner und Hacker John Chase gegründet wurde - als Reaktion auf die Anschläge gegen Charlie Hebdo. Er war auch daran beteiligt, eine Datenbank mit 26.000 Twitter-Accounts zu erstellen, die in Verbindung mit dem IS stehen sollen und sie auf einer Website zugänglich zu machen, schreibt der Standard.

Wettlauf zwischen Hase und Igel

Der IS sollte diese Kriegserklärung sehr ernst nehmen, sagt DRadio-Wissen-Reporterin Martina Schulte: Das Blog Gulli berichtete, schon im Februar Hacker hätten die Hunderte von Social-Media-Konten des IS angegriffen, von denen der IS viele komplett offline nehmen musste. Nach eigenen Angaben hat die Gruppe außerdem dieses Jahr knapp 150 IS-Webseiten zerstört, mehr als 100.000 IS-Twitter-Accounts identifiziert und fast 6000 Propagandavideos des IS gemeldet. Allerdings kommen aufseiten des IS natürlich ständig neue Accounts hinzu - es ist also ein bisschen so wie beim Wettlauf zwischen Hase und Igel.

"Ich gehe schon davon aus, dass der IS die Drohungen ernst nimmt."
Netzautorin Martina Schulte

Und dann ist da noch der elaboriertere Teil der Hacker-Gruppe, der sich GhostSec nennt, die Senior-Hacker sozusagen. Sie forschen im Deep Web nach IS-Kommunikation und startet auch Denial-Of-Service-Angriffe gegen IS-Präsenzen. Das heißt: Die Seiten werden von so vielen User-Anfragen bestürmt, dass sie zusammenbrechen. Unter dem hashtag #OpParis will die Gruppe ihren Cyberkrieg nun ordentlich ausbauen. Das erklärte Ziel: ein Informations- und Propaganda-Blackout für die Terroristen. Es gehe darum, so ein Text auf "Anon HQ", die "Idee der IS" zu zerstören.

Anders als Anonymous arbeitet die Gruppe eng mit den US-Behörden zusammen, allerdings nicht direkt. Es gibt auch eine Art Mittelsmann, Michael Smith, den Chef der Sicherheitsberatungsfirma Kronos Advisory. Er kämmt sich durch die Hinweise der Hacker und reicht sie an die Geheimdienst-Community weiter. Smith sagt im Online Magazin Foreign Policy, Infos des Hacker-Kollektivs hätten zum Beispiel dabei geholfen, eine Zelle des IS in Tunesien unschädlich zu machen, die das Massaker von Sousse an anderer Stelle wiederholen wollte.

Und auch David Petraeus, einst Chef des US-Geheimdienstes CIA, sagte "Foreign Policy", die Daten hätten beträchtlichen Wert für die Beamten. Die Zusammenarbeit der Gruppe mit den Amerikanern ist übrigens auch der Grund, warum Teile von Anonymous die Arbeit der Hackergruppe ablehnen. Denn Anonymous tritt traditionell für ein Recht auf die uneingeschränkte Nutzung des Internets ein - und die müsse man dann auch dem IS zugestehen.