Alarmstufe Rot heißt es für viele Facebook-User immer dann, wenn das Unternehmen seine Nutzungsbedingungen aktualisiert. Das passiert in regelmäßigen Abständen und führt doch immer wieder zur gleichen Frage: Ist Facebook nun noch schärfer auf meine persönlichen Daten? Und was kann ich dagegen tun? Seit gestern nun sollten neue Facebook-Nutzungsbedingungen auf der ganzen Welt gelten. So war zumindest der Plan.

Ziemlich überraschend hat Facebook jetzt einen Rückzieher gemacht. Alle User in Europa haben nun 30 Tage mehr Zeit bekommen, um die Änderungen bei den Nutzungsbedingungen zu prüfen. Sie treten erst am 30. Januar 2015 in Kraft.

Was geprüft werden muss? Facebook will seine Nutzungsbedingungen ändern, genauer die Datenschutzrichtlinie und die sogenannte Cookie-Richtlinie. Einige Neuerungen, wie die Verwendung von Bezahlsystemen sind eher unproblematisch, andere haben es in sich. Das sagen zumindest Datenschützer, die, wie im Falle der niederländischen Datenschutzbehörde im Dezember, sogar eine Prüfung dieser Richtlinien eingeleitet haben. Den Datenschützern gefällt nicht, dass Facebook künftig seine Nutzer auch außerhalb der Website verfolgt. In Zukunft fließt in das persönliche Werbeprofil des Users ein, welche Apps er nutzt oder welche Seiten er außerhalb von Facebook besucht. Der Grund für die Neuerung: Werbung soll für die Nutzer "relevant und interessant" bleiben - so Facebook.

Ganz hilflos sind die User aber nicht - natürlich können sie den neuen Bedingungen widersprechen. Aber dann ist Schluss mit Facebook und sie müssen sich aus dem Netzwerk verabschieden. Was definitiv nichts bringt - auf der eigenen Timeline Protestfotos oder Protestschreiben veröffentlichen. Das war vor gut zwei Jahren schon mal in Mode, hat aber juristisch keine Folgen. Allerdings halten Experten auch das Vorgehen von Facebook für bedenklich - also ohne Befragung der Nutzer diese Änderungen einzuführen. IT-Anwalt Christian Solmecke nennt es "juristisch fragwürdig."

"Der Grund für die Verschiebung: der Druck der europäischen Regulierer."
Netzautor Andreas Noll

Es gibt also keine Möglichkeit, dem neuen System zu entkommen, ohne sich endgültig von Facebook zu verabschieden. Allerdings können User die Einstellungen bearbeiten. Facebook führt neue Funktionen ein, mit denen man erfahren kann, warum diese Anzeige ausgewählt wurde und zu welcher Zielgruppe man gehört. Facebook verweist bei Änderungen auf zwei Plattformen. Dort kann man nutzerbasierte Werbung für verschiedene Websites wie Amazon, Google oder Yahoo abschalten. Werbung kriegt man dann trotzdem noch, aber eben nicht mehr personalisiert. Ein bisschen Zeit, sich das alles zu überlegen, hat man ja noch. Am 30. Januar treten die neuen Bedingungen in Kraft. Grund für die Verschiebung ist übrigens der Druck der europäischen Regulierer.