Heute heißen die Städte Bagdad, Donezk oder Homs. Vor 70 Jahren waren es Köln, Dresden und Nürnberg, fast alle größeren deutschen Städte. Nach dem 2. Weltkrieg waren diese Städte nur noch Ruinen. Mit den Flächenbombardements wollten die Alliierten den Widerstand der Bevölkerung brechen. Tausende Menschen kamen bei dabei ums Leben - auch bei dem Bombenangriff auf Dresden am 13. Februar 1945 vor 70 Jahren.

Die rekonstruierte Rathausfassade steht in Wesel auf dem Marktplatz neben dem Willibrordi-Dom
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Wesel

Exakt neutral

Wesel am Niederrhein hat 60.000 Einwohner - aber kein Gesicht. Die Stadt wurde im 2. Weltkrieg zerstört und dann lieblos wieder aufgebaut. Stephan Beuting erzählt die Geschichte seiner Stadt.

Stephan Beuting kommt aus Wesel, hat 24 Jahre hier gelebt. Wesel liegt am Niederrhein am nördlichen Rand des Ruhrgebietes und hat 60.000 Einwohner. Wesel ist weder idyllisch noch schön noch hat die Stadt einen besonderen Charakter, das alles sind Tatsachen mit denen die Weseler sich längst abgefunden haben.

97 Prozent der Innenstadt werden zerstört

Der Grund für Wesels Charakterlosigkeit ist der 2. Weltkrieg: An drei Tagen im Februar 1945 ist die Stadt zu großen Teilen zerstört worden . 97 Prozent der Innenstadt sind dahin. Wesel lag strategisch praktisch am Rhein, mit den Bombardements sollte der Vormarsch der Alliierten beschleunigt werden.

"Das war das Übergangsgebiet, da haben die Alliierten erstmal Tabula Rasa gemacht, um möglichst wenig Widerstand zu haben."
Martin Roelen, Stadtarchivar in Wesel

Bonjour Tristesse

Nach dem Krieg wird Wesel lieblos wieder aufgebaut. Beim Wiederaufbau ging es vor allem darum, neuen Wohnraum zu schaffen. Was dabei rauskam: angegraute Fassaden, kleine Fenster, vergessene Vorgärten

"Dabei wäre doch Identität gerade wichtig. Verpasst."
Stephan Beuting kommt aus Wesel und sagt das über Wesel