Ein Atelier am nordöstlichsten Punkt Deutschlands. Eine Sauna im See mit malerischer Aussicht. Taunus und Schwarzwald als bezaubernde Wanderlandschaften. Deutschland bietet ganz besondere Orte, die wir unbedingt besuchen sollten. Auch und gerade im Winter. Unsere Deutschlandreise in der Winteredition.

Mit Verena von Keitz.

Im Sommer haben wir uns schon auf eine Reise durch ganz Deutschland gemacht und kamen zum Fazit: Geil hier! Jetzt ist es kälter geworden, und der Winter bietet ebenfalls ganz besondere Orte, die wir mal besuchen sollten. Hier die Übersicht unserer aktuellen Deutschlandreise in der Winteredition:

Am Ende Deutschlands

Unsere winterliche Deutschlandreise beginnt auf Deutschlands größter Insel Rügen. Am Kap Arkona - dem nordöstlichsten Punkt Deutschlands - hat Nils Peters sein Atelier im Peilturm. Ganz oben, in der Glaskuppel fertigt er seinen Schmuck an. Er sagt: Im Winter ist die Atmosphäre hier manchmal mystisch, gespenstisch. Und wenn der Nebel sich dann lichtet, blickt man fast über die ganze Ostsee.

Nils Peters, der im Peilturm lebt und arbeitet.
"Ich mag die Stürme."
Der Peilturm am Kap Arkona, Rügen.
© dpa
Der Peilturm am Kap Arkona, Rügen.

Platz für Gedanken

Der Lieblingswinterplatz von Almuth Knigge ist der Schweriner See. Der liegt ziemlich mitten in der Stadt, und doch sind so wenig Menschen da, dass die Besucher dort Ruhe finden können. Almuth Knigge sagt: "Die Gedanken können so weit fliegen, wie man gucken kann. Und du kannst richtig weit gucken."

Hoffen auf Eis

Wir bleiben im Norden und lernen das Café Barca in Hamburg an der Außenalster kennen. Das hat zwar eigentlich im Winter geschlossen - nicht jedoch, wenn die Alster zufriert. Darauf hofft Mike Glindemann jedes Jahr. Denn dann kommen Hamburger und Touristen, um auf der Alster zu laufen und Schlittschuh zu fahren. Und in seinem Café, an dem man direkt "anlegen" kann, gibt es dann Glühwein und Waffeln.

Der Teufelsberg

…heißt wirklich so und ist in Berlin. Er erzählt viele Epochen der Berliner Stadtgeschichte. Im Dritten Reich sollte dort die Wehrtechnische Fakultät entstehen, ein wichtiger Teil von Hitlers und Speers Germania-Plänen. Die Bauten wurden nach dem Zweiten Weltkrieg mit Trümmern zugeschüttet. Dann kamen die USA und Großbritannien, die dort eine Abhöranlage errichteten. Der Teufelsberg war aber auch schon immer ein beliebtes Ausflugsziel zum Rodeln und Skifahren. Es gab sogar mal einen Skilift und Beleuchtung. Außerdem: Naturkunde- und Graffiti-Führungen, weil die Abhöranlage bei den Sprayern beliebt war.

Martin Schaffert, Historiker
"Da liegt einem Berlin zu Füßen."
Menschen auf dem Teufelsberg in Berlin im Winter bei Schnee.
© dpa
Der Teufelsberg mit alter Abhöranlage.

In den See bei fünf Grad unter Null

In Markkleeberg bei Leipzig betreibt Susanne Rudolph eine ganz besondere Sauna: Sie liegt mitten im See. Das Gebäude steht auf Pfählen, die direkt im Wasser stehen. Die Saunierer können sich nach dem Schwitzen also im See abkühlen. Eine Treppe führt von der Sauna direkt ins Wasser.

Susanne Rudolph, Sauna im See
"Es ist ein wunderschönes Gefühl, mit der Natur eins zu sein."

Die Schönheit einer alten Zeche

Diesmal nicht der Charme der Natur, sondern der eines alten Industriegeländes ist in Essen zu finden. Auf dem Gelände der Zeche Zollverein ist im Winter eine Schlittschuhbahn aufgebaut, die tagsüber schon schön ist, aber erst in der Dunkelheit die wahre Atmosphäre entfaltet. Und wo wir gerade in Essen sind: Kristina Kiauka empfiehlt nicht nur Zeche Zollverein, sondern auch das kleine Kino Galerie Cinema. In dem läuft seit Juni 1975 jeden Sonntag der Film "Harold & Maude".

Eisbahn auf dem Gelände der Zeche Zollverein
© dpa
Eisbahn der Zeche Zollverein

Nach dem Schock ist es schön

Als Stephan Beuting aus winterlichen Temperaturen ins Tropenhaus des Kölner Zoos kam, traf ihn erst mal der Schlag: 22 Grad bei 80 Prozent Luftfeuchtigkeit. Doch man gewöhnt sich dran, und der Besucher kann wunderschöne Tiere entdecken, zum Beispiel eine gebackene Kastaniendrossel. OK, sie heißt nur im Englischen so: Chestnut-backed thrush. Die korrekte deutsche Bezeichnung: Sumbawadrossel. Es gibt viel zu entdecken in einem Tropenhaus. Und im Winter kann man sich darin auch noch schön wärmen.

Thomas Breuer, Revierleiter im Tropenhaus
"Hier gibt es keine giftigen Tiere. Sie brauchen keine Impfung."

Eintauchen in Karamel

Tina Kießling hat in Köln einen besonderen Ort für sich entdeckt: Das Kunstmuseum des Erzbistums Köln Kolumba, das schon wegen der Architektur unbedingt einen Besuch verdient. Zur Ruhe kommt man dann im Lesesaal der Bibliothek, der komplett mit dunklem, warmem Holz verkleidet ist. Und scheint die Sonne herein, wird daraus ein wohliger Karamel-Ton. Ein gemütlicher Sessel, etwas Schönes zum Lesen – und man versinkt im Moment.

Winterwandern mit heißem Apfelwein

…und den gibt es im Taunus, die Heimat von Markus Frania. Im Winter besteigt er mit Familie und Freunden den Altkönig, ein Berg von 800 Metern. Dort steht eine Festung, die wahrscheinlich die Kelten erschaffen haben. Und auf dem Rückweg bieten Restaurants am Pass "Fuchstanz" heißen Apfelwein. Markus Frania sagt: Unbedingt mal im Winter im Taunus wandern gehen.

So schwarz wie er heißt

Der Lieblingsort von Ralph Günther findet sich ebenfalls in der Natur: im Schwarzwald in der Nähe von Baden-Baden. Der Wald, sagt er, ist so schwarz, wie er heißt. Und wenn die Quellen vereisen und die Wanderwege mit zehn Zentimetern Schnee bedeckt sind, dann ist das "eine unfassbare Landschaft".

Ein Mann geht in einer Winterlandschaft im Schwarzwald spazieren.
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Im Schwarzwald findet sich der Lieblingswinterort von Ralph Günther.

Eine Stadt voller Kunst

Sankt Georgen ist ein kleiner Ort im Schwarzwald, allerdings keiner, der besonders schön oder romantisch daher kommt. Vielmehr war dort viel Industrie angesiedelt, die es heute nicht mehr gibt. Doch das Geld, das die Familie Grässlin mit eben dieser verdient hat, ist in Sankt Georgen geblieben. Vor allem investiert die Familie es in moderne Kunst, die in der ganzen Stadt verteilt ausgestellt wird. Vera Pache war im Winter dort und sagt: Unbedingt hinfahren!

Oben kalt, unten warm

Tiefster Winter, Eis, Schnee, draußen. Wassertemperatur: 32 Grad Celsius. Wie bitte? Genau so ist es im Dante-Freibad in München, dessen zentralen Schwimmbecken im Winter auf diese Temperatur aufgeheizt wird. Wolfgang Schiller mag diesen Ort, vor allem, wenn er im warmen Wasser seine Bahnen zieht und es von oben ein wenig schneit.

Guckt mal nach oben!

Ein Blick in den Himmel lohnt sich bei sternenklarer Nacht immer. Doch gerade im Winter sind Himmelskörper zu sehen, die im Sommer eher verborgen bleiben, der Jupiter zum Beispiel. Es gibt vier Lichtpunkte um ihn herum, die man jetzt besonders gut sehen kann. Dazu reicht ein einfaches Fernglas. Und auch der Orion ist sehenswert. Astronom Andreas Hänel, Leiter des Planetariums Osnabrück, empfiehlt die Sternenparks, um besonders gut Sterne zu gucken. Davon gibt es drei: Naturpark Eifel, Biosphärenpark Rhön, Naturpark West-Havelland.