Immer für ein paar Tage verwandelt sich eine Villa vor den Toren Prags in ein Schlachtfeld: Denn hier trainieren IT-Experten streng abgeschirmt von der Welt für den Cyber-War. Die Bösen kämpfen hier gegen die Guten – Erpresser gegen Kraftwerksbetreiber, Spione gegen Maschinenbaufirmen, Anarchisten gegen Serveranbieter. 

Eine Firma aus Israel bereitet anderen Firmen aus ganz Europa in Prag auf digitale Angriffe vor. Und diese Firma ist nach eigenen Angaben die einzige, die in Europa ein tatsächliches Training mit echten Hacker-Angriffen anbietet. Informatiker bauen vor einem solchen Training akribisch die IT-Systeme der trainierenden Firmen nach. 

Üben für den Hack

Die Teilnehmer üben dann tagelang, wie sie sich verhalten, wenn Hacker das System entern, wenn Daten gestohlen werden oder auch, wenn jemand von außen die Kontrolle über ein Atomkraftwerk übernimmt. In großen Szenario-Übungen sind zusätzlich ganze Vorstände dabei, die den digitalen Ernstfall durchspielen. Zu den Trainings kommen Firmen, die wie Banken mit sensiblen Daten umgehen müssen. Und Unternehmen wie Energieversorger und Kraftwerksbetreiber, die über eine kritische Infrastruktur wachen.

Ein typischer Fall

Digitale Eindringlinge haben die Maschinensteuerung übernommen, und die Spezialisten aus der Firma kriegen davon erst etwas mit, wenn schon alles zu spät ist. Milan Balazik - der Chef der ungewöhnlichen Hackertruppe - drückt einen Knopf, die Sirene schaltet sich ab. Es ist ein Übungsszenario, der Qualm kommt aus Rauchmaschinen. 

"Es ist typisch, dass sich die meisten gar nicht vorstellen können, wie es aussieht, wenn man angegriffen wird und schon gar nicht, was man tun kann."
Milan Balazik über die Ausgangssituation vieler Firmen

Man stehe im Krieg, im Cyber-War sagt Balazik. Schon längst gebe es ein ununterbrochenes Kräftemessen zwischen Hackern und Unternehmen, zwischen Angreifern und Verteidigern. Das Training gibt es in dieser Form bislang nur in Prag – und in Israel. Dort entstand das Konzept eines Truppenübungsplatzes für den Cyber-War. Die Tschechen haben es an europäische Bedürfnisse angepasst. Der Bedarf scheint riesig: Aus ganz Europa melden Firmen ihre IT-Teams zum Training an. 

Fast alles läßt sich hacken

Daher lernen die Teilnehmer, dass sie für alle Eventualitäten besser einen Plan B in der Schublade haben sollten. Die Cyber-Arena, wie die Tschechen ihren Übungsraum nennen, ist in einer imposanten Villa untergebracht, die sie in einen Hochsicherheitstrakt umgewandelt haben: von außen abgeschirmt mit zwei Reihen von Zäunen, zwischen denen Hunde patrouillieren. Innen lassen sich alle Türen nur mit einer Spezialkarte öffnen – denn oft geht es in den Trainings um intimste Firmengeheimnisse.