1991 löst sich die Sowjetunion auf, die Republiken wollen mehr Unabhängigkeit. Es kommt zu einer Nachfolge-Gemeinschaft – allerdings ist der Weg dorthin schwierig.

Begonnen hat der Auflösungsprozess der Union der sozialistischen Sowjetrepubliken spätestens am 17. März 1991. Staatschef Michail Gorbatschow hatte an diesem Tag zu einer Volksabstimmung aufgerufen mit der Frage:

"Halten Sie den Erhalt der Union der Sozialistischen Sowjetrepubliken als erneuerte Föderation gleichberechtigter souveräner Republiken, in der die Rechte und Freiheiten des Menschen jeglicher Nationalität in vollem Umfang garantiert werden, für notwendig?“

Die Antwort war eindeutig: 75 Prozent der Wahlberechtigten stimmten mit ja.

Sechs Sowjetrepubliken steigen aus

Gorbatschow reagiert auf dieses Votum, in dem er das Verhältnis zwischen der allmächtigen Zentrale in Moskau und den einzelnen Unionsrepubliken reformieren will. Die Republiken sollen mehr Autonomie bekommen, die Union in eine funktionierende Föderation umgebaut werden.

Aber der Versuch scheitert, denn mit Armenien, Estland, Georgien, Lettland, Litauen und Moldawien steigen sechs der 15 Sowjetrepubliken aus den Beratungen aus und erklären, ihre völlige Unabhängigkeit anzustreben. So einigen sich am 17. Juni 1991 die verbliebenen neun Sowjetrepubliken auf einen neuen Unionsvertrag, der in einer großen Zeremonie am 20. August in Moskau unterzeichnet werden soll.

Einen Tag vorher aber putscht das sogenannte Staatskomitee für den Ausnahmezustand, eine Gruppe konservativer und reaktionärer sowjetischer Funktionäre.

Gorbatschow wird festgesetzt, Militärs übernehmen das Kommando – allerdings nur für drei Tage. Denn dann bricht der Putsch am Widerstand der Moskauer Bevölkerung zusammen – und Boris Jelzin erscheint auf der politischen Bühne der UdSSR.

Neue Gemeinschaft kann Probleme nicht lösen

Im Dezember 1991 organisiert Boris Jelzin zusammen mit Leonid Krawtschuk und Stanislau Schuschkewitsch, den Chefs der Teilrepubliken Ukraine und Belarus, die Gemeinschaft Unabhängiger Staaten, kurz GUS. Zwei Wochen später treten Aserbaidschan, Armenien, Kasachstan, Kirgisistan, Moldau, Tadschikistan, Turkmenistan und Usbekistan der GUS bei.

Als am 25. Dezember 1991 die rote Fahne über dem Kreml eingeholt und durch die russische Flagge ersetzt wird, soll das den Aufbruch in eine neue und vor allem bessere Zeit signalisieren. Aber das Gegenteil ist der Fall, denn die GUS kann zu keiner Zeit die inneren und die bilateralen Probleme der Nachfolgestaaten der UdSSR lösen.

Ihr hört in Eine Stunde History:

  • Der Historiker Dietmar Neutatz von der Universität Freiburg erklärt die Bedeutung der GUS für die russische Geschichte.
  • Der Berliner Osteuropa-Experte Stefan Meister von der Deutsche Gesellschaft für Auswärtige Politik beschreibt den späteren russischen Präsidenten Boris Jelzin als treibende Kraft bei der Gründung der GUS.
  • Der Dlf-Russlandkorrespondent Florian Kellermann erläutert die heutige Bedeutung der GUS in Russland.
  • Deutschlandfunk-Nova-Geschichtsexperte Matthias von Hellfeld blickt zurück auf die Anfänge der Ära Michail Gorbatschows und seiner Politik von Glasnost und Perestroika.
  • Deutschlandfunk-Nova-Reporterin Veronika von Borries schildert, was in den letzten Monaten der Sowjetunion geschehen ist.