Jörg Böckem und Henrik Jungaberle haben ein Buch übers High Sein geschrieben und erklären uns, wie wir Substanzen richtig nehmen und den Rausch genießen können. Die beiden wollen mit ihrem Buch aufklären, möglichst vorurteilsfrei. Darum sprechen wir über Negativ-Beispiele genauso wie über die vielen Beispiele, in denen ein Rausch wunderbar gelaufen ist und vielleicht auch dazu beiträgt, dass Menschen einen anderen Blick auf ihr Leben bekommen oder selbstbewusster werden.

Jörg Böckem und Henrik Jungaberle haben zusammen das Buch geschrieben "High Sein - ein Aufklärungsbuch". Ihre Grundhaltung: Drogenkonsum kann man lernen. Genauso wie wir lernen, Kondome zu benutzen oder Spaß beim Sex zu haben. Es ist relativ einfach und eine Sache der Übung. Ihre wichtigsten Ratschläge sind: Bereite Dich vor. Such Dir einen günstigen Zeitpunkt aus, fang mit niedrigen Dosierungen an und leg Pausen ein.

"Drogen nehmen kann großartig sein: überwältigend, aufregend, inspirierend, lustig, euphorisierend, sinnlich, identitätsstiftend, entspannend oder entlastend. Berauschend eben."

In dem Buch stehen Alkohol, Zigaretten und Medikamente gleichberechtigt neben Pilzen, Ecstasy, LSD und Heroin. Über jede Substanz gibt es detaillierte Informationen. Zum Beispiel, dass LSD als perforiertes Löschpapier angeboten wird, dass es stark wahrnehmungsverändernd wirkt und dass das auf dem Schwarzmarkt verkaufte LSD gefährliche Beimischungen enthalten kann. Aber das Buch ist alles andere als ein trockenes Informationsheft, weil die beiden Autoren viele Leute über ihren Drogenkonsum befragt haben.

"Wegen der Hitze haben wir tagsüber keine Drogen genommen. Das war immer das Highlight am Abend."
Erfahrungsbericht von Linda in "High Sein"

Linda, Studentin aus Frankfurt beschreibt zum Beispiel, wie sie zusammen mit Freunden im Sommer auf ein Festival nach Portugal fährt, bei dem alle davon profitieren, LSD und andere Substanzen in angenehmer Feieratmosphäre zu nehmen. Linda und ihre Freunde haben das alles ziemlich genau vorbereitet: "Das LSD hatten wir schon zu Hause vorbereitet und dosiert, das war auch gut so. Dann ist man vor Ort nicht so abhängig vom Angebot und man weiß ja auch nie, was da so im Umlauf ist."

"Unglücklich verliebt war ich auch noch, den Frust und den Liebeskummer habe ich dann mit Cannabis therapiert."
Erfahrungsbericht von Martin in "High Sein"

Drogen machen nicht unbedingt sofort süchtig, nicht mal Heroin, sagt Jörg Böckem. Darüber hinaus sind es nicht die Drogen, die unseren Körper in die Sucht treiben, sondern wir selbst. Es gibt Substanzen mit einer hohen Suchtgefahr, aber sie machen nicht automatisch süchtig. Viel entscheidender ist das Konsummuster. Das beschreibt zum Beispiel der Erfahrungsbericht von Martin, Student aus Freiburg, in dessen Leben einige Dinge schief gelaufen sind und Martin hat dann versucht diese Probleme mit Cannabis zu lösen: "Es wurde immer krasser. Irgendwann habe ich morgens auf dem Weg zur Uni den ersten Joint geraucht und dann den ganzen Tag versucht, den Pegel zu halten.

Portrait von Jörg Böckem
© Alexander Straulino | Bearbeitung DRadio Wissen
Jörg Böckem war selber Heroin-abhängig, seit 2001 ist er clean.

Die Autoren Jörg Böckem und Henrik Jungaberle

Jörg Böckem ist Journalist und Ex-Junkie, hat unter anderem für die Zeit und den Spiegel geschrieben, hat Berühmtheiten wie Annie Lennox, Karolina Kurkova oder Brad Pitt interviewt. Eine Zeit, über die er sagt: "Es kommt einfach niemand auf die Idee, dass sich jemand im Nachbarbüro einen Schuss setzt. Das passt einfach nicht in den Kontext."

Jörg hat selbst schon vier Bücher geschrieben, in zweien davon geht es um sein Leben mit der Sucht. Er liest auch an Schulen aus diesen Büchern und merkt dort immer wieder, wie sehr sich junge Leute für das Thema interessieren. Mit dem aktuellen Buch "High Sein" will er dagegen halten, dass Drogen immer in die Schmuddelecke gerückt werden. Seine Haltung ist: Ein bewusster, kontrollierter Umgang mit Drogen ist der beste Schutz vor Sucht.

Henrik Jungaberle ist Wissenschaftler, Präventionspraktiker und forscht seit Langem zum Umgang mit und zur Wirkung von Drogen. Für das Projekt "RISA" an der Uniklinik Heidelberg hat zehn Jahre lang Jugendliche und Erwachsene begleitet und ihre Erfahrungen mit den unterschiedlichsten Substanzen untersucht.