Vorurteile - haben immer die anderen. Denn die Auseinandersetzung damit, das wird aufreibend. Etwa wenn Isaiah bemerkt, dass er im entspannten Kreuzberg für einen Dealer gehalten wird - weil er schwarz ist. Oder wenn Ludovic erkennt: Ich bin schwul, aber ich will Imam werden. Außerdem graben wir an unseren Vorurteilen: Was wenn der Spinner gar nicht so anders ist?

Ludovic Mohamed Zahed
© Julia Möckl | DRadio Wissen
Ludovic Mohamed Zahed

Der schwule Imam

Schon als er klein ist, denkt Ludovic: Irgendetwas stimmt mit dir nicht. Schwul - das sei wider die Natur, sagen seine Glaubensbrüder. Er kämpft mit sich und dem, was nicht sein darf, bis er merkt: Es geht nicht anders. Als er sich schließlich outet, entdeckt er überraschende Reaktionen. Eine davon betrifft ihn selbst: Er merkt, was der Glaube ihm bedeutet.

"Ich habe mich gefragt: Warum empfinde ich das? Ich gehe in die Koranschule, bete fünfmal am Tag: Wenn man alles so macht, wie es die Lehre verlangt, dann dürfte man doch gar nicht das fühlen, was sie als „gegen die Natur“ bezeichnen...?"
Ludovic Mohamed Zahed

Nach dem Interview trifft DRadio-Wissen-Autorin Julia Möckl Ludovic Mohamed Zahed noch zweimal. Zum Fastenbrechen im Ramadan und am Strand von Marseille. Immer ohne Mikro. Diese Gespräche waren für Ludovic wichtig, um erneut zu reflektieren: Welche Entscheidung habe ich warum getroffen? Sie sagt, sie habe einen Menschen kennengelernt, der in seinem Leben sehr viel durchgemacht hat. Und der anderen zeigen will: Es lohnt sich dafür einzustehen, wer ihr seid.