Die Übergriffe und Anschläge auf Flüchtlingsunterkünfte nehmen zu. Seit 1990 hat es 75 Morde mit rechtsextremem Hintergrund gegeben, sagt das Innenministerium. Während die Rechtsextremen mit ihrem geschlossenen Weltbild eine kleine stabile Gruppe sind, haben Rechtspopulismus und Ausländerfeindlichkeit offenbar zugenommen – und die Menschen fühlen sich ermutigt, diese Meinung auch zu äußern. Gruppierungen wie Pegida und AfD gab es in der Form früher nicht. Hat es einen Rechtsruck gegeben in Deutschland?

Mann läuft an Mauer mit Aufschrift FASCISMO vorbei
Politische Orientierung

Wo fängt "rechts" an?

Auf der einen Seite sei eine Öffnung der Gesellschaft zu beobachten, sagt der Erziehungswissenschaftler Benno Hafeneger. Etwa die Bereitschaft, Flüchtlinge aufzunehmen. Auf der anderen Seite nehme aber - gleichzeitig - auch die Sehnsucht nach autoritären, eindeutigen Lösungen zu.

Rechtsextreme haben laut Hafeneger ein geschlossenes und chauvinistisches Weltbild. Eine gefestigte rechtsextreme Ideologie hätten etwa 6 Prozent der deutschen Bevölkerung. Offenere Formen des rechtsextremen Denkens - also etwa die Zustimmung zu einzelnen Fragen - reichten dagegen weit in die
Gesellschaft hinein.

"Auf die Frage 'Möchtest du einen Sinti als Nachbar haben' antworten 50 Prozent der Deutschen: 'Nein'."
Benno Hafeneger, Erziehungswissenschaftler an der Uni Marburg

Wenn Pegida aufruft, in Dresden zu demonstrieren, dann kämen nicht nur die organisierten Rechtsextremen, sondern auch Bürger mit Ressentiments, die sich in solchen Prozessen dann möglicherweise weiter radikalisieren.

"Der Weg in den Rechtsextremismus beginnt, indem man sich aus anderen sozialen Beziehungen herausorganisiert."
Benno Hafeneger, Erziehungswissenschaftler an der Uni Marburg

Man habe zum Beispiel Probleme mit den Eltern, mit den Freunden oder im Sportverein. Rechtsextreme Gruppierungen nutzten diese Situation dann aus.