Täglich werden hunderte Fahrräder geklaut. Ärgerlich. Noch ärgerlicher ist, dass wir es den Dieben oft zu leicht machen. Deshalb liefern wir hier Fakten zum Thema Fahrraddiebstahl und Tipps, wie man ihn verhindern kann.

Pro Tag werden in Deutschland etwa 900 Fahrräder geklaut und polizeilich erfasst. Die Dunkelziffer ist vermutlich mindestens doppelt so hoch. Die wenigsten Fahrraddiebstähle werden angezeigt, nur wenige Fälle werden aufgeklärt.

Die Polizei klärt weniger als 10 Prozent der Fahrraddiebstähle auf.
Roland Huhn, ADFC

Bei den Fahrrädern, die versichert waren, entsteht rund 100 Millionen Euro Schaden, sagt der Versicherungsverband. Etwa so viel mussten die Versicherer für diese Schäden pro Jahr ausschütten, erzählt Roland Huhn vom Allgemeinen Deutschen Fahrradclub (ADFC).

Das ist ja schon ein erheblicher Brocken. Also Deutschlands Bankräuber schleppen nicht so viel Beute nach Hause.
Roland Huhn, ADFC

Fahrrad geklaut? Selbst schuld!?

Leider waren viele der geklauten Fahrräder gar nicht angeschlossen. Oder nur an sich selbst. Roland Huhn rät, das Fahrrad immer an einen externen Gegenstand anzuschließen. Außerdem sollte man gute Schlösser verwenden, Ketten- oder Bügelschlösser, die selbst noch mal ummantelt sind. Und der Expertentipp: das Fahrradschloss nicht in Bodennähe anbringen.

Dann kann der Dieb sein Werkzeug besser ansetzen. Dann stützt er es auf dem Boden ab, legt sich vielleicht noch mit dem Körper drauf und das Schloss ist durch.
Roland Huhn, ADFC

Was auch helfen kann: Ein zweites Schloss kaufen. Das Zweit-Schloss muss nicht teuer oder dick sein. Trotzdem muss der Dieb nochmal neu ansetzen und mehr Zeit aufwenden. Vielleicht fängt er dann erst gar nicht an, das Rad zu klauen.

Wo wird geklaut?

In Deutschland werden im Verhältnis zur Einwohnerzahl besonders viele Fahrräder in Leipzig, Halle, Münster, Göttingen, Magdeburg und Cottbus geklaut. Das geht aus der aktuellen Polizeilichen Kriminalstatistik von 2017 hervor. Was die reinen Zahlen angeht, ist natürlich Berlin einsamer Spitzenreiter im Fahrradklau. Tendenziell werden im Osten mehr Fahrräder geklaut als im Westen, im Norden mehr als im Süden.

Probleme, Probleme, Probleme

Die Polizei hat zwar in einigen Städten Ermittler, die zum Thema Fahrraddiebstahl arbeiten. Aber das sind oft noch viel zu wenige, um wirklich viele geklaute Räder wiederzufinden. Ein weiteres Problem: Viele Fahrräder haben keine individuelle Nummer.

Fahrradhersteller lassen oft gar keine individuelle Rahmennummer einstanzen. Da werden 5000 Rahmen hergestellt. Und dann ist da auf allen Rahmen die gleiche Nummer drauf. Also gefühlt eigentlich eine Seriennummer.
Frank Fürst, Polizist

Das heißt, selbst wenn ein geklautes Fahrrad auftaucht, kann es schwierig sein, es zum Besitzer zurückzubringen.

Bitte lasst euer Rad codieren, so individuell wie es geht!
Frank Fürst, Polizist

Die Codierung kostet bis zu 15 Euro und wird von Fahrradhändlern, Fahrradclub oder der Polizei durchgeführt. In einigen Städten und Regionen gibt es einen kostenlosen Codierservice. Für die Codierung ist allerdings ein Eigentumsnachweis nötig, damit klar ist, dass kein gestohlenes Rad codiert wird.


In Köln hat die Polizei eine Seite eingerichtet, auf der sie Fotos von sichergestellten, mutmaßlich gestohlenen Fahrrädern präsentiert. Dort können auch Menschen, die ihr Fahrrad nicht codiert haben, nach ihrem geklauten Fahrrad suchen.

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Wer klaut die Räder?

Die Polizeiliche Kriminalstatistik sagt dazu nur, dass eher Männer Fahrraddiebstahl begehen und dass rund ein Drittel der Täter nicht aus Deutschland kommt. Laut einer Polizistin, die in Cottbus ermittelt hat, werden Räder zum Teil von Drogenabhängigen geklaut, die schnell Geld brauchen. Andererseits gibt es in Cottbus organisierte Banden, die Fahrräder klauen und ins Ausland bringen. Wegen der geringen Aufklärungsquote ist es aber schwer, dazu etwas Allgemeingültiges zu sagen. Einige Fahrräder werden von Menschen geklaut, die sie selbst benutzen, erzählt die Pressesprecherin der Polizei München.

Wo landen die Fahrräder?

Es ist schwer, das genau nachzuverfolgen. Manche Fahrräder bleiben in der Stadt, in der sie geklaut wurden. So wurden zum Beispiel in München Fahrräder gefunden, die dort auch gestohlen wurden. Andere verschwinden in andere Städte oder ins Ausland. Ab der deutschen Grenze endet die Arbeit der deutschen Polizei meistens. Das ist auch der Grund, weshalb es für Täter attraktiv ist, die Fahrräder ins Ausland zu bringen. Denn selbst, wenn ein Fahrrad in Deutschland registriert ist, bringt diese Nummer im Ausland nichts, da es keine internationale Erfassung von geklauten Rädern gibt, auf die die Polizei aus verschiedenen Ländern zugreifen kann.

Die polnische und die deutsche Polizei kooperieren eigentlich sehr gut. Es gibt aber noch zu wenig Personal und Ressourcen für die Polizei.
Klaus Lampe, Kriminologe, forscht zu internationaler Polizeikooperation

Fahrräder, die in Westdeutschland gestohlen werden, landen vermutlich eher in Westeuropa. Fahrräder, die in Ostdeutschland gestohlen wurden, wahrscheinlich oft in Polen und der Ukraine. So war es zumindest in Cottbus. Ein beliebter Absatzmarkt scheint auch Litauen zu sein.

Gibt es Hoffnung?

Im Vergleich zum Jahr 2016 ist der Fahrraddiebstahl 2017 leicht zurückgegangen, zumindest der polizeilich erfasste. In verschiedenen Städten gab es immer wieder erfolgreiche Ermittlungsgruppen zu Fahrraddiebstahl. Zum Beispiel in Hamburg und Cottbus. Wenn einmal ein größeres Netzwerk von Fahrraddieben gefasst wurde, zeigte sich das dort auch in den Zahlen zum Fahrraddiebstahl. In Kiel ist der Fahrraddiebstahl von 2016 auf 2017 um immerhin 36 Prozent zurückgegangen. Auch dort führt die Polizei den Erfolg auf die neue Ermittlungsgruppe "Speiche" zurück.