Die Zahl der Schlachttiere in Deutschland steigt, während der Pro-Kopf-Konsum von Fleisch bei uns sinkt. Das klingt widersprüchlich, lässt sich aber mit dem Fleischexport erklären.

In Deutschland wird mehr Fleisch produziert, als hier konsumiert wird. Pro Jahr gehen Agrarprodukte im Wert von 70 Milliarden Euro ins Ausland – knapp ein Drittel davon sind tierische Erzeugnisse. Der Grund? Deutschland ist ein Exportland und neben Industriegütern wird auch viel Fleisch exportiert. Sehr viel Fleisch. Deutschland zählt auf dem Weltmarkt mit zu den wichtigsten Produzenten von Schweinefleisch.

Massentierhaltung bleibt - auch wenn die Deutschen weniger Fleisch essen

Der Großteil der Tiere, die in deutschen Ställen stehen, landet also irgendwann im Ausland. Wozu? Diese Frage werden sich vor allem jene stellen, die für sich selbst beschlossen haben, aus Umwelt- und Tierschutzgründen auf Fleisch zu verzichten oder den Konsum massiv einzuschränken.

Tatsächlich ist der Fleischkonsum pro Kopf in Deutschland auch gesunken. Aber die Produktion zieht weiter an. Das bedeutet im Umkehrschluss: Ob wir auf Fleisch verzichten oder nicht, spielt keine Rolle. An Massentierhaltung und Exportzahlen wird das nichts ändern, sagt die DLF-Umweltredakteurin Jule Reimer, die schon seit vielen Jahren die "Grüne Woche" besucht und Landwirtschaftsthemen im Blick hat.

"Ob wir aufhören, Fleisch zu essen oder nicht, macht keinen Unterschied."
Jule Reimer, DLF-Umweltredakteurin

Während Konsumenten im Einzelnen also eher wenig Einfluss auf Schweinezucht und -export haben, hätte hingegen die Fridays-for-Future-Bewegung einen Effekt, sagt Jule Reimer.

Erstmals vegetarische Produkte bei der "Grünen Woche"

Die Proteste und die Diskussion um Umweltthemen hätten eine Signalwirkung erzielt, sagt sie. Jule Reimer macht das an einem Beispiel fest: Auf der Messe "Grüne Woche" sei seit Jahren die Haltung gewesen, dass Fleisch nicht in Frage gestellt werden dürfe. Dieses Jahr hat sie aber zum ersten Mal erlebt, dass vegetarische Produkte angeboten werden.

Hohe Agrarsubventionen

Warum exportiert ausgerechnet Deutschland – als vergleichsweise kleines Land – so viel Fleisch und tierischen Produkten? Jule Reimer sieht eine der Ursachen in alten Verträgen aus den Jahren nach dem Zweiten Weltkrieg.

Im Jahr 1957 gingen die sechs Gründerstaaten der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft mit einem sehr starken Agrarsubventionskonzept an den Start. Damals ging es darum, Ernährungssicherheit zu schaffen. Folglich waren die Subventionen für die Landwirtschaft hoch. Gefördert wurden vor allem landwirtschaftliche Großunternehmen.

Tierhalter beugen sich dem Druck des Weltmarktes

An der Verteilung der Agrarsubventionen hat sich bis heute wenig geändert. Kleine Bauern schaffen es schlicht nicht, ihren Betrieb gewinnbringend zu führen und die große Masse knickt ein vor dem Druck der Weltmarktpreise.

"In der Tierhaltung haben sich im Prinzip die Tierhalter dem Druck des Weltmarktes unterworfen. Das fördert die industriell geprägte Tierhaltung."
Jule Reimer, DLF-Umweltredakteurin

Die Folgen des Fleischexports bekommen wir in Deutschland deutlich zu spüren. Laut Umweltbundesamt haben wir ein Drittel zu viel Ammoniak und Nitrat auf unseren Feldern, was das Grundwasser belastet. Hauptquelle der belastenden Stoffe, ist die Tierhaltung – konkret, die Gülle, die als Dünger auf den Feldern landet.

Export: mit China soll neuer Markt erschlossen werden

Trotz Signalwirkung durch die Fridays-for-Future-Proteste und einer sich etablierenden gesamtgesellschaftlichen Sensibilität für Umweltthemen, wird die Quote der Exporte zeitnah nicht sinken. Im Gegenteil: Jule Reimer geht davon aus, dass künftig noch mehr Tiere für den Export gezüchtet werden. Zwar werden die meisten tierischen Produkte in die EU exportiert – China gilt aber als neuer erstrebenswerter Markt, den die Regierung auch erschließen will.