Es ist nie ein angenehmes Gespräch, sondern eins, vor dem man sich am liebsten drückt. Die Rede ist von Gehaltsverhandlungen. Dabei können wir am Ende eigentlich nur gewinnen. Wenn es keine Gehaltserhöhung gibt, können auch andere Benefits dabei herausspringen. Einzige Voraussetzung: Eine gute Vorbereitung.

Ljubow Chaikevitch ist Verhandlungsexpertin und Gründerin von "Frau Verhandelt". Sie hilft vor allem Frauen, angemessene Gehälter zu verhandeln, und sagt, wir sollten regelmäßig aktiv werden, das Gespräch suchen und auch nach einer Gehaltserhöhung fragen.

"Wir haben einen Interessenkonflikt: Die Arbeitgeber haben die Aufgabe, das Unternehmen möglichst wirtschaftlich zu führen, gute Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen zu halten. Die wiederum haben das Ziel, ein angemessenes Gehalt dafür zu bekommen."
Ljubow Chaikevitch, Verhandlungsexpertin

Auch wenn ein Vorgesetzter oder eine Chefin sagt, wegen Corona hätten sie keinen Spielraum bei Gehaltssteigerungen, sollten wir sie dennoch fordern und mit ihnen verhandeln. "Es gibt auch viele andere Dinge, die man aushandeln kann," sagt Deutschlandfunk Nova-Reporterin Rahel Klein. Zum Beispiel mehr Urlaubstage. Die Innovationsberaterin Ljubow Chaikevitch kennt Menschen, die weit mehr als 30 Urlaubstage pro Jahr haben.

"Wer sagt denn, dass bei 30 Urlaubstagen Schluss ist? Ich kenne jemanden, der hat 52 Urlaubstage."
Ljubow Chaikevitch, Verhandlungsexpertin

Wer pendelt oder einfach gerne gelegentlich Zuhause arbeitet, kann zum Beispiel auch nach einer bestimmte Anzahl an Homeoffice-Tagen fragen. Auch über die Arbeitszeit können wir verhandeln – also zum Beispiel über eine 35- statt einer 40-Stunden-Woche. Wir könnten auch versuchen, uns das Recht auf ein Sabbatical auszuhandeln, Unterstützung durch eine Hilfskraft, wenn wir extrem viel Arbeit haben – oder regelmäßige Fortbildungen.

Kreativität bei Verhandlungen zahlt sich aus

Ljubow Chaikevitch hat auch schon mitbekommen, dass eine Mutter einen Malkurs für ihr Kind ausgehandelt hat. Immerhin nutzt das dem Betrieb, wenn die Mutter dadurch Zeit für die Arbeit – oder auch Zeit für sich – gewinnt. "Da kann man schon kreativ werden", sagt Rahel.

Egal, ob wir mit unserem Chef oder unserer Chefin über ein höheres Gehalt, mehr Urlaubstage oder Fortbildungen diskutieren wollen – wichtig ist, dass wir uns vorher gut darauf vorbereiten.

Ljubow Chaikevitch verwendet eine fünfstufige Verhandlungsformel:

  • Als erstes sollten wir uns unseren eigenen Marktwert bewusst machen und wissen, was wir verlangen können.
  • Wir müssen selbst davon überzeugt sein, dass wir das wert sind.
  • Wir sollten unsere Erfolge aus der Vergangenheit parat haben, damit wir zeigen können, wie das Unternehmen von uns profitiert.
  • Wir überlegen, was unser Hauptziel in der Verhandlung ist und wie wir dem Chef oder Chefin klar machen, dass das auch in ihrem Interesse ist.
  • Außerdem sollten wir uns vorher schon Musterantworten zurechtlegen, auch wie wir etwa auf Gegenargumente reagieren könnten.
"Wenn ich zum Beispiel eine bestimmt Weiterbildung machen will, sollte ich aufzeigen, wie diese Weiterbildung dazu beiträgt, dass das Unternehmen mehr Kunden bedienen kann – oder eine neue Dienstleistung anbieten kann."
Ljubow Chaikevitch, Verhandlungsexpertin

Ljubow Chaikevitch rät auch, das Gespräch anschließend noch einmal schriftlich zusammen zu fassen und es uns vom Chef oder der Chefin bestätigen lassen.

"Ich würde nach dem Gespräch auch wirklich konkret festhalten, ab wann es geht. Man kann auch rückwirkend solche Dinge verhandeln."
Ljubow Chaikevitch, Verhandlungsexpertin