In der 200. Einhundertausgabe erzählen wir die Geschichten von Menschen weiter, die uns hier schon einmal begegnet sind. Was wurde aus dem Doppelmörder Jens Söring? Was wurde aus Konstanze und ihrem Freund François-Louis, der sich für den rechtspopulistischen Rassemblement National engagiert? Was wurde aus Dieter, der mit 60 in Thailand Tukta, 32, kennenlernt - eine Frau, die genauso alt ist wie seine Tochter? Und was wurde aus Astha, der Inderin, deren Eltern einfach nicht akzeptieren wollten, dass sie keine arrangierte Ehe eingehen möchte?

Hier geht es zur 1. "Was wurde aus...?"-Ausgabe der Einhundert.

Jens Söring bei seiner Ankunft in Deutschland
© imago images | Nordphoto
Was wurde aus...

Jens Söring, der wegen Doppelmordes 33 Jahre in den USA im Knast saß?

Der Deutsche Jens Söring wurde 1990 wegen des Doppelmordes an den Eltern seiner damaligen Freundin Elizabeth Haysom zu zweimal lebenslänglich verurteilt. Er hatte die Tat zuerst gestanden, sein Geständnis dann aber zurückgezogen. Karin Steinberger hat die Geschichte in Einhundertausgabe #140 erzählt: "Für seine Schuld sprach sein Geständnis - sonst nichts." Bis heute beteuert er, unschuldig im Gefängnis gesessen zu haben. Nach 33 Jahren Haft wurde er auf Bewährung entlassen und ist nach Deutschland zurückgekehrt.

Karin Steinberger ist Redakteurin bei der Süddeutschen Zeitung. Seit 2005 recherchiert sie zum Fall Jens Söring. In der Einhundert hat sie August 2017 über den Fall Söring gesprochen. Damals schien es ziemlich aussichtslos, dass Jens Söring jemals das Gefängnis im US-Bundesstaat Virginia verlassen würde können.

14 Mal lehnt der Bewährungsausschuss (Parole Board) Jens Sörings Anträge auf Bewährung ab

Ein paar Monate vor dem Interview, im März 2017, hat Karin Steinberger Jens Söring im Gefängnis besucht und da musste er gerade mit einer großen Enttäuschung klar kommen: Der jährlich tagende Bewährungsausschuss hatte entschieden, dass er nicht freikommen würde: "Also dieser Bewährungsausschuss, der ihn jährlich befragt, die haben sich mehr, vielmehr, Unterlagen als jemals zuvor zuschicken lassen. Und er hatte das Gefühl, dass jetzt auch diese neue DNA Geschichte, dass Blut von zwei anderen Männern am Tatort ist, und jetzt hinten und vorne nichts mehr stimmt. Dass das dazu führen könnte, dass er auf Bewährung freikommt. Ich habe ihn getroffen, und er hat das erste Mal in 31 Jahren eine echte Levi's-Jeans gekauft. Er hatte sich ein Säckchen für die Freiheit gemacht, dass er im Gefängnis nicht anfasst. Zwei Tage danach hat das Parole Bord gesagt, dass er nicht rauskommt."

Jens Söring landet nach 33 Jahren in Frankfurt

"Die ganzen Recherchen zu den Parole Board Entscheidungen dieses Jahr (2019) war anders: Dieses Jahr haben die wirklich recherchiert, die haben nachgefragt, es war eine Frau, die die Fragen gestellt hat. Da hat sich schon abgezeichnet, dass 2019 irgendwas anders läuft."
Karin Steinberger über die Bewährung für Jens Söring

2019 ändert sich die Situation. Am 25. November 2019 wird bekannt, dass Jens Söring auf Bewährung das Gefängnis in Virginia verlassen kann und nach Deutschland abgeschoben wird. Am 17.12. ist er in Frankfurt gelandet. Für ihn sei das der schönste Tag in seinem Leben gewesen, sagt er. "Ich freu mich so, ich freu mich so sehr nach 33 Jahren, sechs Monaten und 25 Tagen endlich endlich hier in Deutschland zu sein. Das ist so toll. Ich bin so froh." Karin Steinberger war am Flughafen, als er angekommen ist und sie sagt, dass die Geschichte jetzt erst anfängt: "Wie kommt ein Mensch nach 33 Jahren zurück ins Leben?" Jens Söring muss einen normalen Lebensalltag kennenlernen und das in einem Land, dass er zuletzt betreten hat, als es die Mauer in Berlin noch gab.

In Einhundertausgabe #200 hört ihr, was genau seit 2017 passiert ist und warum das Parole Board dieses Jahr entschieden hat, Jens Söring auf Bewährung freizulassen.