In der 200. Einhundertausgabe erzählen wir die Geschichten von Menschen weiter, die uns hier schon einmal begegnet sind. Was wurde aus dem Doppelmörder Jens Söring? Was wurde aus Konstanze und ihrem Freund François-Louis, der sich für den rechtspopulistischen Rassemblement National engagiert? Was wurde aus Dieter, der mit 60 in Thailand Tukta, 32, kennenlernt - eine Frau, die genauso alt ist wie seine Tochter? Und was wurde aus Astha, der Inderin, deren Eltern einfach nicht akzeptieren wollten, dass sie keine arrangierte Ehe eingehen möchte?

Hier geht es zur 1. "Was wurde aus...?"-Ausgabe der Einhundert.

Eine Frau in der Abendsonne
© ibrahim rifrath | unsplash
Was wurde aus...

Astha und ihren Eltern, die sie unbedingt verheiraten wollen?

Astha* kommt aus Indien, dort wächst sie sehr offen und liberal auf. Als sie erwachsen wird, mischen ihre Eltern sich mehr in ihr Leben ein. Sie wollen unbedingt einen Mann für ihre Tochter finden. Doch Astha möchte keine arrangierte Ehe, die Geschichte haben wir in Einhundertausgabe #184 erzählt. Asthas Eltern akzeptieren das einfach nicht. Bis sie Klartext spricht.

Eigentlich wollte Astha*, die seit einigen Jahren in Deutschland lebt, ihre Eltern mit einem Brief darüber aufklären, dass sie sich keine Sorgen machen sollen und vor allem, dass sie keinen Mann mehr für sie suchen sollen. Denn Astha will selbst einen Ehemann finden und sie will aus Liebe heiraten nicht aus Pflicht. Als ihr Eltern den Brief gelesen haben, denkt Astha, jetzt müsste alles geklärt sein. Ist es aber nicht. Denn ihr Vater will weiter Fotos von seiner Tochter haben, um sie zu Heiratsagenturen zu schicken. Die Idee mit dem Brief ist nicht aufgegangen.

Als Astha 2019 wieder nach Indien fahren will, weiß sie: Sie muss handeln - und zwar schnell. Denn sie hat keine Lust, wieder zu arrangierten Dates gezwungen zu werden. Sie sagt also zu ihren Eltern am Telefon: "No arranged date." Und dann fährt sie nach Indien und kann es gar nicht fassen: Ihre Eltern halten sich tatsächlich daran!

Heiratsbüros ins Indien

Doch irgendwann kommt es dann doch dazu, dass ihre Eltern in ihrer Gegenwart von einem neuen Heiratsbüro sprechen. Und in dem Moment muss Astha sehr stark sein: Sie sagt ihren Eltern, dass sie kein Geld mehr für diese Büros ausgeben sollen. Und sie sagt ihnen, dass sie ihren zukünftigen Partner selbst finden möchte.

"I will find my partner by myself."
Astha spricht Klartext

Astha konfrontiert ihre Eltern

Dann kommt es zu der Auseinandersetzung mit ihren Eltern, die sie eigentlich mit dem Brief vermeiden wollte. Ihr Vater macht sich Sorgen, weil Astha mit 32 noch nicht verheiratet ist und Astha erwidert nur: "Es ist mir egal, dass ich mit 32 nicht verheiratet bin!" Danach ist Asthas Vater enttäuscht aber die Sache ist endlich vom Tisch. Ihre Eltern müssen akzeptieren, dass die Tochter eine andere Vorstellung von ihrem Leben als sie.

"He was like: Indian women by the age of 30 they get married and they have kids and you are now 32. You are going to turn 33. You have nothing. I am: So? I asked: So what?"
Astha über das Gespräch mit ihrem Vater

Wie der Rest von Asthas Verwandtschaft auf diese Ansage reagiert hat, hört ihr hier in Einhundertausgabe #200.

* Name von der Redaktion geändert