Eigentlich gibt es keine Handlung, bei der es keine Rolle spielt: Unser Gewissen ist immer mit dabei. Die innere Stimme, die uns quält, an uns zerrt oder uns in Bewegung bringt - auf der Suche nach dem guten Gewissen. In der Einhundert erzählen drei Menschen ihre Geschichten von Gewissenskonflikten. Was sie alle gemeinsam haben: Eine leichte Entscheidung war das nicht.

Jan Robert von Renesse
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Richter auf der Anklagebank

"Ich würde es trotzdem wieder so machen"

Jahrelang hat der Richter Jan Robert Renesse dafür gekämpft, dass Holocaustüberlebende eine Ghettorente bekommen. Ein schwieriger Kampf, für den er seine Karriere riskiert. Er kritisiert, es habe kein gerechtes Verfahren für Rentenkläger gegeben. Damit habe er das Ansehen der Justiz beschädigt, lautet der Vorwurf des NRW-Justizministerium. Renesse landet selbst vor Gericht - als Angeklagter.

"Ich habe immer getan, was ich nach meinem Gewissen tun musste. Dass es manchmal so schwierig ist, dem zu folgen - das habe ich mir vorher nicht vorgestellt."
Jan Robert Renesse

Kurt Einhorn hat als Junge das Ghetto in Mogilev überlebt, erzählt DRadio-Wissen-Reporterin Julia Smilga. Sie hat den Holocaustüberlebenden 2011 kennengelernt. Ein smarter, einsamer älterer Herr. Als sie später erfährt, dass er gestorben ist, will sie sein Grab besuchen. Doch das ist nicht so einfach. Sie muss sich die Frage stellen: Was ist seine Heimat? Der Ort, von dem er vertrieben wurde? Wo er zuletzt lebte? Am Ende erfährt sie: er wollte auf dem Meer bestatten werden.