Es ist ein Horrorszenario - ein ganzes Krankenhaus steht still - vom Zugang zu Patientenakten bis zum Computertomografen. Genau das ist jetzt in einer Klinik in Hollywood passiert, weil Hacker die IT des Krankenhauses lahmgelegt haben.

Krankenhäuser zählen zu den sensibelsten Orten für den Einsatz von IT. Computerpannen können hier lebensbedrohliche Folgen haben. Kein Wunder, dass die Aufregung groß ist, wenn Hacker Krankenhäuser attackieren. Und genau das ist jetzt in den USA der Fall, es geht dabei um 3,6 Millionen US-Dollar.

Das ist die Summe, die Kriminelle von einem Krankenhaus in Hollywood verlangen, damit die Ärzte wieder ihre Rechner nutzen können, berichtet unser Netzautor Andreas Noll. Seit gut einer Woche geht das nämlich im Presbyterian Memorial Medical Center nicht mehr. Seitdem regieren dort Bleistift und Papier.

"Im Presbyterian Memorial Medical Center regieren seit dem Hackerangriff Bleistift und Papier."
Netzautor Andreas Noll

Das Krankenhaus ist von den Hackern weitgehend lahmgelegt worden. Die Mitarbeiter haben keinen Zugang zu ihren Mails, zu den Patientenakten und sogar Computertomografien können derzeit nicht gemacht werden. Das müssen nun Kollegen in anderen Krankenhäusern übernehmen, viele Patienten wurden verlegt. Der Präsident des Krankenhauses geht davon aus, dass sein Haus zufällig zum Ziel der Hacker wurde. Die genauen Details des Angriffs sind immer noch unklar, nur die Kosten stehen bereits fest. 9000 Bitcoins oder 3,6 Millionen US-Dollar verlangen die Kriminellen für den Schlüssel, der das System wieder freigibt.

Über solche Erpressungsattacken wird zurzeit öfter berichtet, es entsteht also der Eindruck, als würde sich das derzeit häufen - auch in Deutschland. Wobei das nicht immer gezielte Angriffe waren. Eine Klinik in Neuss konnte gestern den sechsten Tag in Folge ihre Rechner nicht benutzen. In Arnsberg, wo man am Freitag eine Schadsoftware entdeckt hatte, liefen die Systeme am Sonntag allerdings wieder.

Operationsroboter gehackt

Das Faxgerät wird dann wieder aus der Ecke gekramt, Boten überbringen Patientenakten. Solche Angriffe sind allerdings nicht nur nervig, sondern auch sehr gefährlich. Von tödlichen Folgen wurde bei den Attacken bislang zwar nicht berichtet, aber theoretisch ist diese Gefahr natürlich da. Im vergangenen Jahr haben US-Behörden zum Beispiel vor der Verwendung einer bestimmten Infusionspumpe gewarnt, da sie von Hackern manipuliert werden könne. Mit fatalen Folgen.

Ebenfalls vor nicht mal einem Jahr ist es IT-Experten gelungen, einen Operationsroboter zu hacken. Zum Glück ging es hier um eine Entwicklungsplattform. Und last, but not least: Ein deutscher Sicherheitsexperte konnte im vergangenen Jahr ein Narkosegerät aus der Ferne übernehmen und die Beatmung stoppen. Das war allerdings gewollt, denn das Krankenhaus in Süddeutschland hatte extra zu diesem Sicherheitstest eingeladen.

Klar ist aber: Je starker die IT-Geräte im Krankenhaus vernetzt sind, umso größer die potenzielle Gefahr. Bislang sind die Attackierten alle mit einem blauen Auge davongekommen.