Klar ist, dass massenweise private Daten von Politikern und Prominenten geklaut und veröffentlicht wurden. Nun gibt es Kritik am Bundesamt für Sicherheit und Informationstechnik sowie an Innenminister Horst Seehofer. Ist das gerechtfertigt? Teils ja, sagt Dlf-Hauptstadt-Korrespondentin Gudula Geuther.

Am Donnerstag (03.01.2019) wurde bekannt, dass im Laufe des Dezembers über ein Twitter-Konto massenweise persönliche Daten veröffentlicht wurden. Darunter Handynummern, Kontoauszüge, private Chat-Protokolle und anderes. Von dem Datendiebstahl sind hunderte Politiker betroffen, ebenso Schauspieler und Journalisten. Wer genau hinter dem Hackerangriff steckt und mit welcher Absicht, ist noch unklar.

Am Wochenende wurde ein 19-Jähriger aus Heilbronn mehrere Stunden verhört. Er wurde anscheinend als Zeuge befragt, sagt Dlf-Hauptstadt-Korrespondentin Gudula Geuther. Der 19-Jährige steht seit Jahren mit dem Hacker Orbit in Verbindung, der die Daten veröffentlicht haben soll.

Das BSI musste sich korrigieren

Viel Kritik gab es am Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) – vor allem für seine Informationspolitik. BSI-Präsident Arne Schönbohm hatte am Freitag gesagt, einzelne Fälle seien dem Amt schon lange bekannt. Das wiederum führte zu der Vermutung, dass das BSI früh von dem Datenklau wusste und der Veröffentlichung quasi zugeschaut hatte. Ohne einzugreifen.

"Das BSI hat mittlerweile seine Angaben korrigiert", sagt Gudula Geuther. Ein Bundestagsabgeordneter habe das Amt über Auffälligkeiten informiert. Dem sei man nachgegangen, so das BSI. Man sei zu dem Schluss gekommen, es handele sich um einen Einzelfall. Das war wohl falsch.

Das BSI ist für die Regierungsnetze zuständig

Zugleich wusste das BSI aber noch von vier anderen Abgeordneten, die sich gemeldet hatten. "Das brachte man aber nicht miteinander in Verbindung", sagt Gudula Geuther. Die Frage ist also, ob das BSI nicht einen Zusammenhang hätte sehen können und müssen.

Aber das BSI machte auch deutlich, dass es für den Schutz der Regierungsnetze zuständig ist. "Zu Recht", sagt Gudula Geuther. Der aktuelle Datendiebstahl bezieht sich vor allem auf private Accounts von Politikern und Prominenten. Nicht aber auf Regierungsstellen.

Kritik vom Koalitionspartner

Der SPD-Politiker Thomas Oppermann wiederum kritisierte Innenminister Horst Seehofer. Der setze bei der politischen Arbeit die falschen Schwerpunkte.

"Herr Seehofer muss begreifen, dass die innere Sicherheit nicht nur durch Terroranschläge und Wohnungseinbrüche, sondern auch durch massiven Datendiebstahl maßgeblich in Schwierigkeiten gebracht werden kann."
Thomas Oppermann, SPD-Politiker und Vizepräsident des Deutschen Bundestages

Auch die Informationspolitik von Seehofer wird bemängelt, so Gudula Geuther. Der Innenminister habe nicht rasch genug und deutlich reagiert. Seehofer weist solche Vorwürfe zurück. Er wolle nicht nur Vermutungen veröffentlichen, sondern belastbare Fakten. Seehofer hat angekündigt bis Mitte der Woche an die Öffentlichkeit zu treten. Die erneute Kritik am Innenminister wird ihm aber wohl kaum gefährlich werden, so Gudula Geuther.

"Die Frage der Datensicherheit ist wahnsinnig wichtig. Ist aber auch ein dickes Brett, das auch viele Vorgänger von Seehofer zu verantworten haben."
Gudula Geuther, Dlf-Hauptstadtstudio

Auch die Kompetenzen der verschiedenen Ämter und Behörden hat eine Vorgeschichte. Das BSI ist nicht allein für den Datenschutz zuständig. Auch hier wird Seehofer wohl prüfen, wer welche Verantwortlichkeiten erfüllen muss.

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