Sie wissen, welche Pizza ihr mögt. Oder ob ihr lieber Bratwurst oder Haxe zum Sauerkraut bestellt. Auch eure Suche nach Rezepten verrät euren Geschmack. Durch die Digitalisierung bestimmen immer mehr Künstliche Intelligenzen unser Essverhalten, sagt der Food-Blogger Hendrik Haase. Was tun?

Hendrik Haase, Jahrgang 1984, setzt sich für gute Lebensmittel und eine nachhaltige Küche ein. Doch wer entscheidet eigentlich, was wir in Zukunft essen? Der Einfluss Künstlicher Intelligenzen wird dabei immer größer, so der Food-Aktivist. Gemeinsam mit dem Wissenschaftsjournalisten Olaf Deiniger hat er drei Jahre lang zu dem Thema recherchiert. Ihre Erkenntnisse sind im Buch "Food Code. Wie wir in der digitalen Welt die Kontrolle über unser Essen behalten" nachzulesen.

Wer entscheidet, was wir in Zukunft essen?

Hendrik hat viel mit der Organisation Slow Food zu tun, erzählt er uns. Er beschreibt sie als „eine Art Amnesty International für gutes Essen“. Slow Food habe sich schon früh damit auseinandergesetzt, welche Rolle unser Essen bei der Frage spielt, wie wir den Klimawandel bekämpfen können. Wenn wir bäuerliche Landwirtschaft und Kultur erhalten, Identitäten bewahren und Nachhaltigkeit groß schreiben wollen beim Essen, dann müssten wir uns viel intensiver mit unseren Lebensmitteln beschäftigen, sagt Hendrik.

"Wenn wir Nachhaltigkeit groß schreiben wollen beim Essen, dann müssten wir uns viel intensiver mit unseren Lebensmitteln beschäftigen."
Hendrik Haase, Food-Aktivist

Studiert hat Hendrik Kommunikationsdesign. Ihm ging es darum: Wie kriegen wir die Botschaften rüber? Wie machen wir sie so attraktiv, dass sich die Leute damit beschäftigen wollen? Beim Thema Essen, hat Hendrik früh festgestellt, kommen die Botschaften eigentlich selten rüber. Das wollte er ändern.

"Es gibt so viele tolle Lebensmittel, die aber eine ganz furchtbare Kommunikation haben."
Hendrik Haase, Food-Aktivist

Heute muss er keinem mehr erzählen, dass man sein Essen auf Instagram postet, sagt der Blogger. Er war aber einer der ersten, die das gemacht haben. Vor fünf Jahren hat er eine Metzgerei mitgegründet. Seitdem wurde das Thema Digitalisierung immer wichtiger für ihn. Nicht nur Kunden, auch Aktivisten, Veganer und Vegetarier seien gekommen, um sie sich anzuschauen, erzählt er. Sie wollten wissen, ob sie dort vielleicht das bessere Fleisch für die nicht vegane Freundin finden.

Erfahrungen in den USA

Hendrik Haase flog in die USA, machte Lesungen und schrieb ein Buch über die neue Fleischbewegung, über besseres und nachhaltigeres Fleisch. In einem Bio-Supermarkt, der gerade von Amazon gekauft worden war, standen überall Alexas herum, Amazons Spracheingabe-Maschinen. Amazon-Prime-Kunden bekamen dort Rabatte. In der Google-Kantine, wo die Mitarbeitenden aus einem kostenlosen Überangebot an Essen auswählen können, war er auch.

Viele Startups im Food-Bereich hätten ihre Zentralen ebenfalls irgendwo in San Francisco und Umgebung. Auf Bühnenveranstaltungen sah er, wie junge Gründer Millionen Dollar eingesammelt hatten für Agrarroboter, neue Müsliriegel oder eine proteinreiche Milch. All diese Eindrücke haben ihn geprägt. Er fragte sich: Was passiert hier eigentlich Deutschland? Hat Technologie nicht doch ein bisschen mehr mit Essen zu tun?

"Wir müssen die künstliche Intelligenz verstehen, die auf dem Traktor mitfährt."
Hendrik Haase, Food-Aktivist

Insbesondere in Deutschland würden wir momentan Trends verschlafen, sagt Hendrik Haase. Da gehe mehr. In China etwa könnten Verbraucherinnen und Verbraucher per Smartphone im Supermarkt feststellen, wann und wie lange das Schwein auf die Schlachtung gewartet hat.

Es gehe ihm nicht um Techno-Food. Digitalisierung heiße nicht, dass unser Essen zukünftig bitte nur noch aus dem 3D-Drucker kommt. Digitalisierung heiße aber eben auch nicht, auf dem Bauernhof nur das Faxgerät abzuschaffen. Vielmehr müssten wir die künstliche Intelligenz verstehen, die auf dem Traktor mitfährt.

Vernetzung der Lieferkette

Hendrik schwebt eine Vernetzung der gesamten Lieferkette vor – vom Acker bis zum Teller. Sein Zukunftsbild: Die Bio-Kartoffeln vom Acker kommen bedarfsgerecht zu mir nach Hause, weil der Bauer ganz genau weiß, wann sie fertig sind. Und ich erfahre per Smartphone wirklich alles über die Kartoffel, die auf meinem Teller landet. So dass ich mich nicht auf schwammige Angaben im Supermarkt verlassen muss.

Im Gespräch mit Sebastian Sonntag erzählt Hendrik Haase noch viel mehr – unter anderem über Ernteroboter, den Nutri-Score auf Smartphones und Rezepte-Apps.