Auf Advents- und Weihnachtsmärkten prasseln unzählige Eindrücke auf uns ein. Hochsensible Menschen sind davon schnell überfordert. Obwohl Simone Heinz alles viel intensiver wahrnimmt, verkauft sie dort Puppen.

Es ist die pure Reizüberflutung: Menschengedränge, Gemurmel, der Duft nach Glühwein, Waffeln, Eintopf und Wurst. Inmitten dieses Getümmels steht Simone Heinz in ihrer Bude und verkauft Handpuppen. Die Reize nimmt sie besonders intensiv wahr, denn Simone ist hochsensibel - das heißt, ihr Geruchssinn und ihr Gehör sind besonders fein ausgeprägt. Außerdem spürt sie die Stimmungen anderer Menschen sehr stark. Wenn es ihr zu viel wird, macht sich ihr Körper bemerkbar.

"Mein Körper ist am Vibrieren, ich fühle im Bauch sowas wie Schaumgummi, die Beine werden gummiartig, Ameisenkrieg permanent rauf und runter."
Simone Heinz, Puppenverkäuferin auf dem Weihnachtsmarkt

Simone muss regelmäßig Pause machen, um den Trubel auf dem Weihnachtsmarkt auszuhalten. Seit Wochen tut sie sich diesen Stress an, denn sie liebt das Puppenspiel.

Regelmäßige Pausen nötig

Früher hat sie nicht auf dem Weihnachtsmarkt gearbeitet, sondern im Arbeitsamt. Die vielen intensiven Gespräche hätten sie allerdings irgendwann in den Burnout getrieben, erzählt sie. Ihr schießen dann unzählige Gedanken in den Kopf, welche Wege und Lösungen für die Klientinnen und Klienten möglich sein könnten.

"Bei mir ist dann noch eine Spur mehr Präsenz, mehr Mitgehen, mehr Euphorie als bei Normalsensiblen."
Simone Heinz, Puppenverkäuferin auf dem Weihnachtsmarkt

Erst vor rund zehn Jahren hat Simone herausgefunden, dass sie hochsensibel ist. Für sie hat es eine Weile gedauert, sich mit ihrer besonderen Sensibilität zu akzeptieren. Oft habe sie Dinge gehört wie: "Bist du nicht belastbar? Stell dich nicht so an." Mittlerweile versucht sie, auf ihre Grenzen zu achten. Um sich zu erholen, hilft ihr zum Beispiel ein Strandspaziergang oder einfach, sich hinzusetzen und auf eine brennende Kerze zu schauen.