Woran merken wir, dass in Deutschland Rollstuhlfahrer und andere Menschen mit Behinderungen immer noch etwas besonderes sind? An Sätzen wie: "Du Arme, so hübsch und dann im Rollstuhl." Oder: "Will der Rollstuhl hier raus?" So etwas hört Laura Gehlhaar quasi täglich. Sie nimmt es entspannt - aber lieber wäre es ihr, wenn nicht der Rollstuhl immer der Anlass fürs Gespräch wäre.

Eine Redaktionskonferenz mit Verena von Keitz.

"Sie inspirieren mich", hat mal jemand zu Laura Gehlhaar gesagt. Die Logik dahinter ist schnell klar: Laura sitzt im Rollstuhl, hat es also verdammt schwer im Leben. Weil sie trotzdem eine fröhliche, selbstbewusste und sonst auch halt einfach eine Frau im Alter von 31 ist, die nicht jeden Tag griesgrämig den Tag verbringt, leistet sie mehr als andere. Und diese Leistung ist für manche inspirierend.

Der Denkfehler: Eine Behinderung macht ein Leben automatisch schwierig und schafft unüberwindbare Hürden.

Laura Gehlhaar, Rollstuhlfahrerin, leidet nicht, und sie findet nicht einmal, dass ihre Behinderung "korrigiert", "geheilt" oder "beseitigt" werden müsste. Ihr größter Wunsch im Leben ist es nicht, wieder laufen zu können. Das hat viel mit Selbstakzeptanz zu tun. Sie nimmt sich so, wie sie ist. Und der Rollstuhl gehört nun mal dazu.

Laura Gehlhaar
© Laura Gehlhaar
Laura Gehlhaar

Laura Gehlhaar...

  • hat Sozialpädagogik und Psychologie in Holland und Berlin studiert
  • arbeitet als Coach (univ.), Autorin und Redakteurin für Sozialhelden e.V.
  • gibt Schulungen zum Thema "Berichterstattung über behinderte Menschen" (z.B. für leidmedien.de)
  • bloggt über alltägliche Erlebnisse, Ereignisse aus ihrem Leben, über ihre Träume und Themen wie Inklusion und Gleichberechtigung
  • hat zusammen mit Lorenz Meyer das Rollstuhlfahrer-Bullshit-Bingo entworfen
  • mag Handwerken, Do-it-Yourself, spielt Theater

Staat hält Menschen mit Assistenz arm

Laura schreibt und diskutiert über Themen, die mit Behinderung zu tun haben. Zum Beispiel die Inklusion - also das Inkludieren von Schülern mit Behinderungen in Regelschulen. Laura sagt: Aber auch die Inklusion am Arbeitsplatz und im privaten Leben ist wichtig. Zum Beispiel: Menschen, die auf eine Assistenz angewiesen sind, diese aber nicht selbst bezahlen können, bekommen Unterstützung vom Staat. Allerdings dürfen sie im Gegenzug maximal 2600 Euro ansparen. Jeder Euro, der darüber hinaus geht, wird vom Staat eingezogen.

Es gibt also zwei Möglichkeiten: Entweder jeden Euro über 2600 Euro Ersparnis direkt ausgeben (ein Auto- oder Hauskauf wird so quasi unmöglich), oder so viel verdienen, dass man die Assistenz selbst bezahlen kann (die schnell ein paar Tausend Euro im Monat kostet). Laura hält das System für eine Diskriminierung.