+++ Letzte Option Israel: Warum viele Juden Frankreich verlassen +++ Pegida oder Putin-Versteher: Was wird Unwort des Jahres? +++ Schon wieder Ronaldo: Warum es keinen neuen Weltfußballer gibt +++ Alles, was heute wichtig ist! +++

Daniel Stender·

Noch ist das Licht im Studio eher gedimmt, Moderator Thilo Jahn und Reporterin Nilofar Elhami bereiten noch die Sendung vor. Liveblogger Daniel Stender sagt: Guten Morgen!

Übrigens: Auch der Prophet ist jetzt Charlie. Zumindest auf dem Cover der neuen Ausgabe von Charlie Hebdo.

Daniel Stender·

Wir haben Euch gestern auf Facebook gefragt. Und ihr? Sagt "Putin-Versteher". "Pegida". Oder "Gutmensch". Ähnliche Vorschläge zum Unwort des Jahres 2014 wurden auch der Jury gemacht, die mal wieder "den Blick auf sachlich unangemessene oder inhumane Formulierungen im öffentlichen Sprachgebrauch" lenken will. Heute um 10 Uhr wird das Unwort verkündet, wir halten Euch auf dem Laufenden... Die Unwörter der vergangenen Jahre: Sozialtourismus, Opfer-Abo, Dönermorde.

Der Dudeneintrag zum Begriff "Unwort".
© dpa
Daniel Stender·

Solidarität schreibt man im Netz zurzeit mit drei Wörtern: "Je suis Charlie". Es gibt sogar eine App, mit der man per Mausklick Teil der weltweiten Unterstützer der attackierten Zeitschrift Charlie Hebdo werden kann. Toll! Und irgendwie auch billig. Findet der US-Blogger Paper-Bird: Er schreibt von der "kostengünstigen, risikolosen, allumfassenden Solidarität", die völlig unverbindlich sei und doch oft fälschlicherweise als politischer Akt verstanden werde.

Allerdings: Mit dem Post #jenesuispascharlie ("Ich bin nicht Charlie") befindet man sich in der schlechten Gesellschaft von Jean-Marie Le Pen, dem Gründer des rechten Front National. Der will mit der ursprünglich linken Zeitschrift Charlie Hebdo nichts zu tun haben. Kritiker von der linken Seite wiederum stören sich an den "sexistischen, homophoben und rassistischen Beiträgen", die es auch bei Charlie Hebdo gab.

Gedenken an die Mordopfer von Charlie Hebdo auf dem Place de la Republique in Paris
© dpa
Andreas Noll, Netzjournalist
"Es gibt auch diejenigen, die aus "Ich bin Charlie" den Satz "Ich bin nicht Charlie" machen, weil sie sich selbst eingestehen, dass sie den Mut der französischen Zeichner nicht gehabt hätten."
Daniel Stender·

Senkrechte Wand. Blutige Finger. Gestern haben wir darüber berichtet, dass zwei kalifornische Kletterer im Yosemite-Nationalpark eine tausend Meter hohe Steilwand bezwingen wollen. Ohne Hilfsmittel! Alexander Huber von den Huberbuam hat sich an der gleichen Wand schon einmal versucht. Sein Fazit: "Das ist nicht gefährlich. Es ist nur sehr, sehr schwierig."

Alexander Huber, Kletterer
"Es geht nicht um Rekorde. Es ist einfach immer interessant, etwas Neues auszuprobieren. Dieser Pioniergeist steckt in uns Kletterern."
Daniel Stender·

Ach nee. Schon wieder Ronaldo. Und nicht Manuel Neuer ist Weltfußballer geworden. Schade, findet auch Philipp May aus der Sportredaktion. Allerdings: Die Wahl von Christiano Ronaldo ist "auch nicht unverdient. Er hat gute Quoten, man hat nicht so viel falsch gemacht mit der Wahl", findet Philipp May. Und überhaupt: Jogi Löw ist Welttrainer geworden. Nadine Keßler Weltfußballerin. Und ihr Trainer Ralf Kellermann bekam den Titel Welttrainer der Frauenmannschaften. Respekt!

"Die Wahl von Ronaldo zum Weltfußballer mag verdient sein. Aber seine Reaktion auf die Auszeichnung...Das ist schon zum Fremdschämen."
Daniel Stender·

"Man hasst uns, wir sind Freiwild", so zitiert die Süddeutsche Zeitung einen jüdischen Pariser. Nicht erst seit den Attentaten der vergangenen Woche sitzen viele Juden in Frankreich auf gepackten Koffern: 2014 sind rund 7000 nach Israel ausgewandert. Nun hat der israelische Ministerpräsident Netanjahu die französischen Juden aufgefordert, nach Israel zu kommen. "Das ist keine Überraschung", erklärt Michael Groys vom jüdischen Studentenzentrum Berlin. Für Juden auf der ganzen Welt sei es entscheidend, dass sie immer die Option haben, nach Israel auszuwandern. "Für mich ist das sekundär, ich könnte nicht sagen, dass ich morgen die Koffer packe und nach Tel Aviv fliege. Aber es gibt mir Sicherheit, dass es möglich ist."

Eine Studie hat vor Kurzem herausgefunden, dass Deutschland zu den beliebtesten Ländern in Israel gehört. Trotzdem, auch hier spürt Michael Groys Antisemitismus. Der zeige sich mal öffentlich, wie bei den Demonstrationen im vergangenen Sommer, bliebe aber oft eher verborgen, im Zentrum der Gesellschaft: "Das brodelt vor sich hin, das ist vielleicht gefährlicher."

Michael Groys, Jüdisches Studentenzentrum Berlin
"Französische Freunde sehen es zurzeit so: Lieber im Bunker in Tel Aviv als im Café auf den Champs Elysees."
Daniel Stender·

Übrigens: Frankreichs Ex-Präsident Sarkozy hat sich offenbar bei den Trauerfeiern für die Pariser Attentate einfach in die erste Reihe gedrängelt. Nach dem Motto: #JeSuisNico!

Daniel Stender·

Nicht mehr U-Bahn fahren. Nicht mehr zum Fußball. Nicht mehr tanzen. Denn in Zeiten des alltäglichen Terrors ist das viel zu gefährlich. Eigentlich. Trotzdem machen wir all das. Und das ist gut so. So sieht es auch der Politikwissenschaftler Herfried Münkler. Denn "unsere Art zu leben", unser Alltag hilft dabei, die Angst zu vergessen. Münkler bringt das auf den Begriff der "mürrischen Indifferenz". Anders gesagt: Ruhig bleiben und weitermachen. Schließlich sei es relativ unwahrscheinlich, durch ein Attentat zu sterben: "Wir fahren auch Auto. Wir hantieren mit elektrischen Geräten. Obwohl dabei etwas passieren kann."

Münkler zufolge leben wir in einer postheroischen Gesellschaft. Anders als zum Beispiel die Generationen, die den Zweiten Weltkrieg noch erlebt haben, sei "uns die Zumutung des Heldenhaften fremd. Darin sind wir in unseren Gesellschaften verwundbar."

Polizisten in Paris
© dpa
"Wir führen ein ungemein sicheres Leben. Genau deshalb fühlen wir uns unsicher. Das ist die Dialektik der Sicherheit."
Daniel Stender·

Zurück in die 90er! Darum geht es heute Abend in der Redaktionskonferenz. Dieses Jahrzehnt war nicht nur die Bühne für Grunge, Techno und Fruit-of-the-Loom-T-Shirts, sondern auch für Models wie Kate Moss und Mode-Designer wie John Galliano. Der feiert gerade ein kleines Comeback nachdem er wegen antisemitischer Äußerungen im Mode-Aus gelandet war... Hier der Zeitreise-Tweet zum Thema:

Daniel Stender·

Gestern war wieder mal Zeit für die obligatorische Pegida-Montagsdemo in Dresden. Und für den No-Pegida-Protest. Diese Grafik der Kollegen vom ARD Morgenmagazin zeigt, wie groß die Demonstrationen der beiden Gruppen wirklich waren.

Daniel Stender·

Und das war Schaum oder Haase an diesem Dienstagmorgen. Im Studio verabschieden sich Thilo Jahn, Nilofar Elhami und Daniel Stender. Bis morgen!

DRadio Wissen
Das Beste aus mehr als drei Stunden Schaum oder Haase in weniger als drei Minuten.