Perspektivwechsel: Mitten in der Krim-Krise entdecken Russlands Medien westliche Freiheitsbewegungen +++ Todesstrafe: Den USA geht das Gift für die Todesspritze aus +++ Korruption bei der FIFA? Korruption als Schmiermittel im Alltag +++ Tuberkulose: Die Rückkehr einer Krankheit

Daniel Stender·

Guten Morgen! Dieser Mittwoch bei "Schaum oder Haase" beginnt mit Marlis Schaum am Mikrofon, Sebastian Sonntag als Reporter, Daniel Stender am Liveblog

Daniel Stender·

Kurzes News-Update: In der Krim-Krise überschlagen sich die Ereignisse: Die USA haben weitere Sanktionen gegen Russland angekündigt. Und: Die Ukraine spricht von "militärischer Phase" des Konflikts. Nach Angaben der Polizei wurden ein ukrainischer und ein pro-russischer Soldat getötet worden sein. Mehr Nachrichten findet Ihr hier.

In der Krim-Hauptstadt Simferopol feiern Menschen Wladimir Putin.
© dpa
Der Präsident der Herzen? In der Krim-Hauptstadt Simferopol feiern Menschen Wladimir Putin.
Daniel Stender·

Während sich Wladimir Putin gestern für eine Rede mit markigen Worten feiern lässt, stehe die Ukraine vor einer existenzgefährdenden Situation, sagt Korrespondent Markus Sambale. Denn auch in anderen Teilen des Landes fordern manche Russen ein ähnliches Referendum wie auf der Krim. Und wegen des russischen Drucks bekommen die Rechtsextremen in der ukrainischen Übergangsregierung Zulauf.

In dieser Situation werden auch die Wahlen, die im Mai in der Ukraine stattfinden, kaum helfen. Denn - so Sambale - auch wenn Putin in seiner Rede gestern betonte, dass niemand vor Russland Angst haben müsse, habe er doch klar gemacht, dass die Ukraine zum russischen Einflussgebiet gehöre. "Das sind Worte, die man so in den vergangenen 20 Jahren nicht gehört hat", sagt Markus Sambale.

Markus Sambale, Korrespondent
​"Alle reden über die Ukraine – aber niemand redet mit den Ukrainern."
Daniel Stender·

Yes, we can: Die NSA macht einfach alles. Wie die Washington Post berichtet, hat der US-Geheimdienst mit dem Programm "Mystic" die komplette Telefon-Kommunikation eines Landes gespeichert.

Bisher ging es bei der NSA-Spionage um die Metadaten der Kommunikation - also darum, wer mit wem wie lange gesprochen hat. Nun ist es also auch möglich, jedes einzelne Telefonat mitzuschneiden und für einen Monat zu speichern. Teile der Gespräche können noch länger archiviert werden.

Welches Land so überwacht wurde, weiß zurzeit niemand. Außer der NSA – wo bleibt eigentlich der nächste Snowden? Könnte man sich fragen.

Daniel Stender·

Yes, we can, Teil II: Facebook kennt nicht nur deine Freunde, Facebook erkennt dich auch besser als Deine Freunde – via "Deepface". So heißt der neue Algorithmus, den Facebook-Forscher der "Artificial Intelligence Research Group" zur Gesichtserkennung entwickelt haben. Deepface hat angeblich eine Trefferquote von 97,25 Prozent - auch, wenn der Aufnahmewinkel ziemlich schief oder das Bild schlecht beleuchtet ist.(Mehr Infos hier.)

Vorerst soll Deepface aber nicht angewendet werden. Allerdings kann Facebook bereits seit 2010 Gesichter erkennen In Deutschland führte Facebook die Gesichtserkennung 2011 ein, was zu einer Beschwerde der damaligen Verbraucherministerin Aigner an die US-Handelsaufsicht und zu einem Verfahren gegen Facebook führte. Später lenkte Facebook ein und stoppte die Gesichtserkennung in Europa.

Daniel Stender·

Yes, we can, Teil III: Manche Leute bauen sich ihre Möbel selbst. Zum Beispiel der Architekt Van Bo Le-Mentzel. 24 Euro soll ein von ihm entworfener Sessel kosten. Unser Netzreporter Sebastian Sonntag findet, auf dieses Möbel würde er sich setzen. Wie genau Van Bo Le-Mentzel seine Sachen bastelt, erklärt er hier und in diesem Video:

"Wir leben in einer Gesellschaft, in der der Ehrliche der Dumme ist. Langsam merken die Leute aber, dass es nicht angenehm ist, in so einer Gesellschaft zu leben."
Daniel Stender·

Am 2. Dezember 2010 verkündete die FIFA verkündet, dass die Fußball-WM 2022 in Katar stattfinden soll. Wie nun herauskam, hat einen Monat später ein ehemaliger Fußballfunktionär aus Katar rund zwei Millionen Dollar auf das Konto des damaligen Vizepräsidenten der FIFA Jack Warner überwiesen.

Korruption? Vielleicht, bisher ist nichts bewiesen - und daher haben wir uns in der Redaktion an die eigenen Nasen gefasst. Schließlich nehmen auch manche Journalisten jeden Presse-Rabatt mit. Und Ärzte werden gern von Pharma-Vertretern zum Essen eingeladen. Aber wo verläuft die Grenze zwischen Korruption und Gefälligkeit? Christian Humborg von Transparency schlägt vor, dass sich Organisationen von unten her eigene moralisch-verbindliche Regeln geben sollten.

Daniel Stender·

Venedig ist das neue Simferopol. Hä? Zumindest könnte man einen solchen Eindruck bekommen, wenn man zurzeit russische Medien verfolgt. Denn während die ganze Welt auf die Krim schaut, schauen die russischen Kollegen auf den Rest der Welt. Genauer gesagt: Sie schauen auf Unabhängigkeitsbewegungen im Westen.

Zum Beispiel eben in Venedig. Dort soll es ein Referendum über die Abspaltung der Region Venetien von Italien geben. Solche Bestrebungen gibt es schon lang - allerdings werden sie in italienischen Medien kaum berücksichtigt. Auch nicht die von Privatleuten gestartete Abstimmung zum Thema, die kein Referendum und laut italienischer Verfassung nicht rechtlich verbindlich ist. (Mehr Infos hier.)

Der Journalist Vassili Golod erklärt den "medialen Kalten Krieg" so: Immer, wenn die Argumente ausgehen, werden schiefe Vergleiche mit westlichen Ländern bemüht. So habe Putin nach der Verhaftung der Mitglieder von Pussy Riot gesagt, dass nach einem deutschen Gesetz die Bandmitglieder länger ins Gefängnis gemusst hätten. Verschwiegen wurde, dass die Band in Deutschland nicht belangt worden wäre. (Mehr Infos hier.)

Hier ein Video aus dem russischen Fernsehen.

Vassili Golod
"In Russland erreichen oppositionelle Medien die Masse der Menschen nicht."
Daniel Stender·

In den USA wird Thiopental, eines der Gifte für die Todesspritze, knapp, seit der einzige amerikanische Hersteller die Produktion eingestellt hat. Für den Forensiker Mark Benecke ist das auch ein Beleg dafür, dass die Proteste gegen die Todesstrafe nicht ohne Wirkung bleiben.

Importe aus der EU scheitern an europäischen Exportbeschränkungen. Abgeschafft wird die Todesstrafe in den USA daher aber nicht. Stattdessen wurden andere Präparate ausprobiert - die für die Verurteilten wesentlich qualvoller waren.

In der Todeszelle (Archivfoto von 2000) des berüchtigten Huntsville-Gefängnisses in Texas zählt der in Nürnberg geborene Raubmörder Troy Albert Kunkle die Stunden bis zu seiner Hinrichtung.
© dpa
Blick in die Todeszelle in Texas. (Bild aus dem Jahr 2000)
Mark Benecke, Forensiker
"Immer mehr Menschen in den USA wollen nicht, dass andere Menschen totgespritzt werden."
Daniel Stender·

Tuberkulose ist zurück - auch in Deutschland. Schuld sind multiresistente Erreger. Karsten Schulze, Chefarzt in der Karl- Hansen Klinik in Bad Lippspringe behandelt Tuberkulose-Kranke. "Weltweit sind zehn Millionen Menschen davon betroffen", sagt er. Die Erreger werden per Tröpfcheninfektion von Mensch zu Mensch weitergegeben. Betroffen sind vor allem Menschen, deren Immunsystem geschädigt sind. Die Behandlung erfolge auch dadurch, dass die Patienten von der Umwelt isoliert werden.

Blick in eine TBC-Station in Bayern.
© dpa
Blick in eine TBC-Station in Bayern.
Karsten Schulze, Chefarzt in der Karl- Hansen Klinik in Bad Lippspringe
"Es gibt 4000 neue Tuberkulose-Erkrankungen in Deutschland im Jahr."
Daniel Stender·

Das war Schaum oder Haase an diesem Mittwochmorgen. Moderatorin Marlis Schaum und Reporter Sebastian Sonntag sagen: "Bis morgen!". Auch Daniel Stender verabschiedet sich. PS: Unsere Studio-Primel verabschiedet sich auch bald...

Und wie wird der Frühling jetzt? Hoffentlich besser als dieser Primel.
© DRadio Wissen
Und wie wird der Frühling jetzt? Hoffentlich besser als dieser Primel.
DRadio Wissen
Und hier das Beste aus mehr als drei Stunden Schaum oder Haase in drei Minuten.