Manuel Möglich ist freier Journalist und lebt in Berlin. Für ZDFneo hat er sich auf die Suche gemacht nach dem, was typisch Deutsch ist. Dazu trifft er Deutsche im Ausland - auf allen fünf Kontinenten, also weit jenseits des Weißwurstäquators. Für sein Buch "Überall Deutsch" hat er die Reise einfach noch mal gemacht.

Pünktlichkeit, Effizienz, Genauigkeit. Alles Eigenschaften, die gerne als typisch Deutsch bezeichnet werden. Was anderen ein wenig steif und verkrampft vorkommt, finden wir Deutschen angeblich ziemlich töfte. Und ja, wir sind auch ein bisschen stolz drauf, wenn wir mal ganz ehrlich sind. Aber ist das alles wirklich typisch Deutsch? Und wie verändert sich der Blick auf Deutschland, wenn man das Ganze mal von Außen betrachtet - aus dem Ausland also.

"Dieses Bild von Deutschland, was die meisten dort haben, ist noch ein altes Deutschland."
Manuel Möglich über seine Erfahrungen in Blumenau

Genau dieser Frage ist Manuel Möglich nachgegangen und hat ganz schön viel Deutschland außerhalb seiner Heimat entdeckt. In Blumenau in Brasilien zum Beispiel. Da gibt es nicht nur ein Oktoberfest mit Blasmusik, Lederhosen, Dirndl und Weißwurst. Da gibt es auch ganze Straßenzüge, die aussehen, als hätte man ein deutsches Dorf in den brasilianischen Urwald gebeamt. Und die Bewohner dort schwärmen von der deutschen Gemütlichkeit, die der Brasilianer nicht kenne.

Wer wir sind

Vier Folgen der Reihe "Deutschland von außen" gibt es in der ZDF Mediathek. Manuel Möglich war nicht nur in Brasilien. Auch in Lettland, Namibia und Rumänien findet er Menschen mit deutschen Wurzeln oder einer deutschen Vergangenheit. Und die entwickeln ein ganz anderes Bild von Deutschland. Ein exotischeres, ein extremeres und manchmal auch ein verzerrteres Bild.

Aus dem, was er auf seiner Reise entdeckt hat, ist inzwischen ein Buch entstanden: "Deutschland überall". Allerdings ist das Buch mehr als nur eine Adaption der TV-Reihe. Für seine Recherchen hat Manuel Möglich nämlich die Reise einfach noch mal gemacht - und noch ein bisschen mehr recherchiert. Die Frage ist nur: Was treibt den Journalisten? Warum ist die Frage nach dem typisch Deutschen für ihn so wichtig?

Hitlergeburtstag in Lüderitz?

Eine Frage, die Manuel Möglich - Klischee hin oder her - mit einem Schlüsselmoment beantwortet. Er hat einen alten Text gefunden über Lüderitz, eine deutsche Kolonie in Namibia. Dort solle, laut Text, immer noch der Geburtstag von Adolf Hitler gefeiert werden. Kann nicht sein, dachte sich Manuel Möglich und fuhr hin, um sich selbst ein Bild zu machen. Und genau bei diesen Recherchen ist er darauf gestoßen, dass an der Geschichte vom Deutsch sein im Ausland noch mehr dran ist.

"Es ist mir zu leicht, wenn man sich komplett über seinen Nationalstolz definiert. Ich glaube, dann hat man nicht wahnsinnig viel, auf was man wirklich stolz sein kann."
Manuel Möglich kann gut damit leben, in Deutschland geboren zu sein

Für ihn selbst ist das so eine Sache mit dem Nationalstolz. Schließlich, so sagt er, kann er ja nichts dafür, dass er ausgerechnet in Deutschland geboren ist. Genau so wenig wie er was dafür könne, als Mann auf die Welt gekommen zu sein. Aber durch seine Reisen kann er inzwischen gelassen damit umgehen. Denn selbst in Israel hat niemand ihm seine deutsche Herkunft übel genommen. Deutsch sein ist also ganz ok, ein bisschen Demut zeigen, sagt er, schade aber auch nicht.

Im Ausland ist Deutsch sein individuell

Bei seinen Recherchen ist Manuel Möglich auf 15 verschiedene Länder gestoßen, in denen Fragmente deutscher Kultur erhalten werden. Am Ende sind sieben Länder übrig geblieben, die er für sein Buch noch einmal besucht hat. Dabei war er manchmal ganz froh darüber, mit einem Auftrag unterwegs zu sein.

Wie zum Beispiel in Namibia, wo er in einer Kneipe gestrandet ist, in der auf einer Seite eine riesige Deutschlandflagge hing, auf der anderen Seite die Reichskriegsflagge. Wäre er im Urlaub gewesen, dann wäre er gegangen. Für das Buch ist er geblieben und hat versucht, die Situation auszuhalten, obwohl er sich unfassbar unwillkommen gefühlt hat.

Aber natürlich hat Manuel Möglich auch viele positive Erfahrungen gemacht. Einen roten Faden oder eine Gemeinsamkeit, was Deutsch sein im Ausland ausmacht, hat er nicht gefunden. Den Auswanderern, die er getroffen hat, ist allerdings eins gemein: Sie alle mögen ihre deutsche Heimat. Aber zurück will keiner von ihnen.