Er ist Lebenskünstler - und ein ziemlich rastloser dazu. Deshalb reist Mitch Miller gerne und viel. Am liebsten zu Fuß. Zuletzt lief der 23-jährigen Poetry Slammer zu Fuß von Osnabrück ins türkische Canakkale. Am liebsten ist er dabei allein. Mit einer Ausnahme: seiner Hündin Bella.

Viel besitzt Mitch Miller nicht. Wozu auch? Denn schließlich müsste er alles mit sich herumschleppen. Wer zu Fuß unterwegs ist, bevorzugt leichtes Gepäck. Seine Reiseziele sind wenig hipsterverdächtig. Statt in sonnenverwöhnte Länder wie Australien oder Thailand zu reisen, schleppt er seine Siebensachen über die Alpen in die Türkei.

90 Tage hat er für diese Reise gebraucht. Allein der Weg über die Alpen hat ihm einiges abverlangt. Denn statt sommerlichem Alpenpanorama gab's Dauerregen. Zelt nass, Klamotten nass, Schuhe nass, Hund nass - tagelang. Klar, er hätte auch in einer Hütte oder Jugendherberge übernachten können. Aber genau das liegt ihm nicht. Mitch Miller liebt die Herausforderung - Mensch gegen Natur.

Auf der Suche nach Stille

Der Fußmarsch in die Türkei ist allerdings nicht die erste abenteuerliche Reise von Mitch Miller. Von 194 vollständig anerkannten Staaten dieser Erde hat Mitch Miller mit seinen 23 Jahren bereits fast 100 bereist. Einen richtigen Favoriten will er nicht ausmachen, denn für ihn hat jede Reise etwas ganz Besonderes - egal ob in den Anden in Chile oder in der afrikanischen Wildnis.

"Alle Reisen haben was ganz Eigenes und haben 'nen ganz eigenen Charme und 'nen ganz eigenen Zauber.“
Mitch Miller hat schon fast die halbe Welt bereist

Trotzdem war sein Trip zu Fuß in die Türkei dann doch noch mal etwas ganz anderes als die Reisen, die er zuvor gemacht hat. Nicht nur, weil er am Ende ein Buch darüber geschrieben hat. Es ist einfach etwas ganz anderes, 90 Tage lang bei Wind und Wetter durch die Natur zu wandern. Und weder Wind noch Wetter haben es mit Mitch Miller gut gemeint auf den 2500 Kilometern zwischen Osnabrück und Canakkale.

"Ich liebe meine Freunde, aber wenn ich hier raus will, wenn ich auf meinen Reisen die Flucht antrete vor diesem ganzen Lärm hier, dann such ich schon bewusst nach der Stille. Und ich kann das nicht ab, wenn ich dann jemanden dabei habe, der mich die ganze Zeit zublabbert."
Mitch Miller reist am liebsten allein und manchmal nervt ihn selbst Hündin Bella

Kein Trip ins Blaue

Bei aller Leichtigkeit, die Mitch Miller ausstrahlt - so ganz unvorbereitet macht er sich nicht auf seine Reisen. Denn schließlich ist er darauf angewiesen, nicht irgendwo im Nirgendwo schlappzumachen. Doch statt Lauf- oder besser gesagt Wandertraining musste er sich auch wegen einer Knieverletzung auf sein Abhärtungstraining beschränken:

"Ich mach so kleine Tricks: vor der Reise hab ich ganz lange mit kaltem Wasser geduscht. Ich hab mit offenem Fenster geschlafen, einfach um die Kälte zuzulassen und den Körper darauf vorzubereiten und ich hab viel entbehrt - also ich hab weniger gegessen. Halt den Körper auf das vorbereitet, was kommt."
So ganz ohne Vorbereitung startet Mitch Miller nicht auf seine Reisen

Was Mitch Miller bei seinem Fußmarsch auch gelernt hat: weniger ist mehr. Klingt logisch, wird aber essenziell, wenn es heißt, knapp 25 Kilo Gepäck mit sich rumzuschleppen. So schwer war nämlich der Rucksack bei Reiseantritt. Gegen Ende war er dann nur noch knapp halb so schwer. Schon nach einer Woche ist das Laptop aus dem Gepäck eliminiert worden. Und in den letzten drei Wochen ging es sogar ohne Zelt.

Füße wie aufgeplatzte Ravioli

Doch auch mit leichterem Gepäck hat der lange Fußmarsch deutliche Spuren an Mitch Millers Körper hinterlassen. Die Haut an den Füßen war rissig und blutig und auch die Innenseiten der Oberschenkel hat sich Mitch bei den langen Märschen regelmäßig wund gescheuert. Von seinen beiden Gesäßhälften weiß er Ähnliches zu berichten: "Das ist schon echt eklig". Wie man sich da motiviert weiter zu laufen?

"Ich hab mir die kleinen Dinge gesucht, also das, was nah war. Also nicht sowas wie: 'Du bist in zwei Wochen über den Alpen', sondern eher so: 'Guck mal diesen Berg, wenn du noch zwei Tage läufst, dann bist du rüber'. Also immer in kleinen Schritten."

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