Aus manchen Ländern sollen nur vom Staat gesteuerte Informationen nach außen kommen – so ist es seit dem Militärputsch auch in Myanmar. Sogenannte Stringer liefern Auslandskorrespondentinnen und -korrespondenten trotzdem Informationen, damit sie berichten, was wirklich passiert. Stringer riskieren dafür manchmal ihr Leben.

Seitdem sich das Militär in Myanmar Anfang Februar an die Macht geputscht hat, gehen nahezu täglich Bilder um die Welt, die zeigen, was in dem Land gerade passiert: Wir sehen zum Beispiel Videoaufnahmen von Menschen, die friedlich mit Kerzen in der Hand demonstrieren und die brutale Antwort des Militärs.

Es sind Bilder, die – wenn es nach dem Militär in Myanmar gehe – nicht an die Öffentlichkeit kommen sollten. Um daher mögliche Informationsketten zu unterbrechen, schalten sie beispielsweise regelmäßig das Internet ab, erklärt ARD-Korrespondentin Lena Bodewein. Oft stehen Personen, die auf der Straße ihr Handy hochhalten und eine Kamera oder ein Mikrofon haben, unter Generalverdacht, ungewollte Berichte nach außen zu tragen.

Informationen nach außen "schmuggeln"

Trotzdem schaffen es die Aufnahmen und Nachrichten zu uns. Das passiert durch einzelne Menschen, sogenannte Stringer, die im Ausland sitzende Medien mit Informationen versorgen. Asien-Korrespondentin Lena Bodewein zum Beispiel berichtet über Myanmar und arbeitet in Singapur. Ihre Informationen aus Myanmar bekommt sie von einer Journalistin, die vor Ort ist. Ihren Namen nennen wir nicht, denn das könnte die Frau in Lebensgefahr bringen.

Lena Bodewein und ihre Kollegen arbeiten seit mehreren Jahren mit der Journalistin aus Myanmar zusammen. Sie wissen, dass ihre Informationen vertrauenswürdig sind und können diese über weitere Kontaktpersonen im Land überprüfen.

"Sie schickt uns etwas, wenn sie kann. Das Militär will genau diese Sachen verhindern, will dafür sorgen, dass keine Bilder mehr rauskommen, dass nichts mehr von diesem brutalen Niederschlagen gezeigt wird."
Lena Bodewein, ARD-Korrespondentin in Asien

Zum Schutz der Journalistin weiß das Korrespondenten-Team auch nicht, zu welchem Zeitpunkt sie sich an welchem Ort in Myanmar aufhält. Wenn sie Kontakt mit ihnen aufnehmen möchte, meldet sich die Frau über einigermaßen verschlüsselte Messanger-Dienste. Nie aber über einen direkten Anruf. Weil das Militär den nachverfolgen könnte, wäre das zu gefährlich, erklärt Lena Bodewein.

Dann fährt sie dort hin, wo es gerade eine Internetverbindung gibt oder kontaktiert Personen, die eine Sim-Karte aus Thailand haben, mit der sie ins mobile Internet können. Grundsätzlich würden sie versuchen, den Kontakt mit ihr so gering wie möglich zu halten, um sie zu schützen.

"Wenn sie Interviews mit irgendwelchen Menschen für uns macht, sagen wir ihr: Sprich nur mit dem oder der, wenn du dich sicher dabei fühlst."
Lena Bodewein, ARD-Korrespondentin in Asien

Auch Geld können sie der Frau für ihre Arbeit nicht überweisen, weil das Militär die Geldflüsse nachverfolgt. Für die Journalistin aus Myanmar ist ihre Berichterstattung ein lebensgefährlicher Job, vor einiger Zeit sei sie deswegen nur knapp einer Festnahme entkommen. Ihr Schutz steht für das Korrespondenten-Team an oberster Stelle, trotzdem können sie der Journalistin nur begrenzt vor Ort helfen.

Alles tun gegen eine Militärdiktatur

Die Kontaktfrau macht ungeachtet dessen weiter mit ihrer Arbeit, damit die Welt auf Myanmar schaut und sieht, was in dem Land jeden Tag durch das Militär passiert, sagt die Korrespondentin. Dafür riskieren viele Menschen dort gerade ihr Leben. Sie seien so stark von der Zeit der vorherigen Militärdiktatur (bis 2011) traumatisiert, dass sie alles dafür tun würden, um nie wieder eine solche Zeit mitzuerleben.

"Die Menschen in Myanmar sagen: Nein, das machen wir nicht mit. Wir stehen auf, wir riskieren unser Leben und versuchen, dafür zu sorgen, dass die Weltöffentlichkeit weiter auf dieses Land und auf den Kampf dieser tapferen Menschen schaut."
Lena Bodewein, ARD-Korrespondentin in Asien