Bei Völkermorden oder Bürgerkriegen sind es oft die Nachbarn, die plötzlich zu Mördern werden. Hinterher stellt sich die Frage: Wie sollen Täter und Opfer mit Verrat, Tod und den unvorstellbaren Grausamkeiten umgehen? Kann es Versöhnung geben? In dieser Einhundert erzählen wir drei Geschichten von Menschen, die mit Vergebung und Reue zu kämpfen haben. Wir blicken nach Ruanda, ins ehemalige Jugoslawien und nach Indonesien.

Claudine und Ananias in einer Hütte in Ruanda
Völkermord in Ruanda

"Ich bitte dich, vergib mir"

Ananias ist 13 Jahre alt, als er die beiden jüngeren Brüder von Claudine ermordet. Nach Jahren im Gefängnis zieht er zurück in sein altes Dorf - in Claudines unmittelbare Nachbarschaft. Ananias will Versöhnung. So wie viele andere Täter und Überlebende, die nach dem Völkermord in Ruanda oft Haus an Haus wohnen. Durch "restorative justice" sollen Täter und Opfer zusammengeführt werden.

Die Geschichte um Ananias und Claudine basiert auf dem mehrfach prämierten Dokumentarfilm "Unversöhnt", den Lukas Augustin in Kooperation mit dem NDR gedreht hat. Für die Produktion des Radiobeitrags hatte Lukas Unterstützung von Philipp Mangold.

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Als DRadio-Wissen-Autor Lukas Augustin die erste Begegnung zwischen Claudine und Ananias miterlebt, bläut er seinem Übersetzer ein, zu schweigen. Er will die Situation in diesem wichtigen ersten Treffen so wenig wie möglich beeinflussen. Lukas fürchtet, dass Claudine Ananias nur wegen der Anwesenheit der Reporter vergibt, oder dass sich einer der beiden gedrängt fühlt, etwas vorzuspielen. Beide wissen, dass sie beobachtet werden und Lukas hofft, dass sie genügend Vertrauen haben, um sich auch in ihrer Gegenwart zu öffnen.