"Nur weil ich alles habe, was ich brauche, muss es mir nicht gut gehen" - hat Jana Seelig, 27, über ihre Depression getwittert. Unter #notjustsad tauschten sich Twitter-User anschließend über Depressionen aus. Denn depressiv sein, hat wenig mit Traurigkeit oder schlechter Laune zu tun - es ist viel schlimmer: Die totale Leere und Abwesenheit von Gefühlen.

Los ging das alles im November 2014. So schreibt Jana Seeliger es in ihrem Buch "Minusgefühle", das am 5. Oktober erscheint. Damals diskutiert sie mit ihrem Freund Sven. Der ist genervt und schiebt Janas Depressionen auf die Tatsache, dass sie zu viel vorm Rechner sitzen würde. Jana verlässt genervt ihre Wohnung und twittert: "Mein Leben ist mehr als okay und ich bin trotzdem depressiv. Nur, weil ich alles hab, was ich brauche, muss es mit nicht gutgehen."

Ein paar Tweets und dann ein Hashtag

Janas Tweet wird favorisiert und retweetet. Sie twittert weiter über die Geschichte ihrer Depressionen: Jahrelang wusste sie gar nicht, was mit ihr los war. Dann kamen Medikamente ins Spiel, zwei Selbstmordversuche. Schließlich bring eine ihrer Followerinnen den Hashtag #notjustsad ins Spiel, um Janas Geschichte und die ganzen Tweets drum herum zu bündeln. Den Hashtag gab es schon bevor Jana ihre Geschichte getwittert hat - allerdings nicht so erfolgreich.

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Dann passiert etwas, womit Jana, die als @isayshotgun twittert, nicht gerechnet hat: hunderte E-Mails und Nachrichten bei Facebook - von Freunden, Familienmitgliedern, Fremden. Fernsehsender rufen an und wollen Jana in Talkshows einladen. Jana ist überwältigt und fühlt erstmal: gar nichts.

Ich fühle: nichts

Elf Monate ist das jetzt her - und fast ein Jahr nachdem Jana ihre Geschichte bei Twitter erzählt hat, erscheint ihr Buch zum Thema. Es heißt "Minusgefühle" und darin geht es um Janas Depression, ihre Geschichte, ihre Familie und all die Dinge, die seit letztem November passiert sind. Mit dem Buch will Jana anderen zeigen, was es bedeutet Depressionen zu haben. Es ist persönlich, intim und manchmal hart. Darin wird geschrien, geheult, gefickt und Drogen genommen.

"Ich halte nicht so viel von Metaphern und Vergleichen. Eine Depression ist kein Beinbruch."
Jana Seelig spricht aus was eine Depression ist. Eine Depression und nichts anderes.
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Jana Seelig nimmt Antidepressiva, um ihren Alltag zu bewältigen. Ihr helfen die Medikamente, erzählt sie im Gespräch, um morgens aus dem Bett zu kommen und ihren Alltag zu leben. Gegen Suizidgedanken helfen die Antidepressiva allerdings nicht. Am schwierigsten sei die erste Phase, in der sich der Körper an die Medikamente gewöhnen muss: Jana Seelig hatte stark abgenommen, sie hatte Haarausfall. Doch heute geht es ihr mit den Antidepressiva besser. Das muss aber längst nicht für alle Menschen mit Depressionen gelten.

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