Jeder Mensch in Deutschland hat Hunderte Chemikalien im Körper, die dort nicht hingehören. Unter anderem Phthalate. Das sind Stoffe, die vor allem als Weichmacher für Kunststoffe eingesetzt werden. Zum Beispiel in Bodenbelägen, aber auch in Lebensmittelverpackungen und Kosmetika. In der zweiten Folge ihres neuen Podcasts "Gefährlich praktisch" beschäftigt sich Kerstin Ruskowski mit Plastik-Rückständen in unserem Körper.

Phthalate nehmen wir vor allem über die Nahrung, aber auch über Kosmetika, Körperpflegeprodukte oder über den Hausstaub auf. Marike Kolossa-Gehring ist Toxikologin im Umweltbundesamt. Sie und ihre Kollegen und Kolleginnen haben festgestellt, dass Leute, die mehr Fast Food und Süßigkeiten essen, höher belastet sind. Denn Lebensmittel, die stark verarbeitet sind, haben einen längeren Produktionsweg. Deshalb ist die Gefahr größer, dass sie mit Phthalaten oder anderen Weichmachern in Berührung kommen und diese womöglich absorbieren.

Urinprobe von Kerstin Ruskowski
© Kerstin Ruskowski | Deutschlandfunk NOva
Urinprobe unserer Autorin

Marike Kolossa-Gehring und ihre Kolleginnen und Kollegen führen regelmäßig die Deutsche Umweltstudie zur Gesundheit durch. Für die Studie wird eine repräsentative Gruppe von zwei- bis fünftausend Menschen aus ganz Deutschland auf Schadstoffe untersucht. Und da kommt eine ganze Menge zusammen.

"Ich würde mal sagen, im Durchschnittsdeutschen werden wir so ungefähr zwei- bis dreihundert verschiedene Umweltschadstoffe finden."
Marike Kolossa-Gehring, Biologin und Toxikologin im Umweltbundesamt

Viele kritische Chemikalien, die es noch vor zehn oder zwanzig Jahren gab, sind mittlerweile in Deutschland verboten. Dafür sind andere dazugekommen. Wie gefährlich diese neuen Chemikalien sind, können Marike Kolossa-Gehring und ihr Team oft nicht sagen, weil sie noch nicht ausreichend untersucht sind. Die Toxikologin kann aber beruhigen. Bei ihren Studien der vergangenen Jahre habe sie keine einzige Belastung in Deutschland gefunden, bei der sie gesundheitliche Effekte erwarte.

Trotzdem rät Marike Kolossa-Gehring regional, saisonal und nach Möglichkeit auch biologisch zu kochen. Und so wenig wie möglich Körperpflege-Produkte und Kosmetika zu verwenden.

Phthalate sind allerdings nicht das einzige Problem, das unser Leben in der Plastikwelt mit sich bringt. Denn wir alle haben nicht nur Phthalate im Körper, sondern auch Plastik selbst - und zwar in Form von Mikroplastik. Wie viel es ist und woher es kommt, ist das Thema der nächsten Folge.