Raphael Eckert erlebt als Polizeiobermeister krasse Dinge: Ermordete, Unglücksopfer und Selbstmörder. Um solche traumatischen Erlebnisse zu verarbeiten, schreiben er und andere Kollegen sie auf. "Polizeipoeten" heißt das Blogprojekt.

Volker Uhl hatte die Idee für den Blog "Polizeipoeten". 2002 ging er an den Start. Die Resonanz war sehr groß - viele seiner Kollegen hatten Dinge erlebt, die sie schon seit Jahren mit sich herumtrugen. Sachen, die sie sich in Gedichten und Prosatexten nun endlich von der Seele schreiben konnten. Einer von ihnen ist Polizeiobermeister Raphael Eckert, der über einen Dienst an einem Silversterabend schreibt:

"Man stellt sich seinen Silvester-Countdown in allen erdenklichen Weisen vor. Aber so nicht. Man guckt auf die Uhr, es wird langsam null Uhr und man weiß nicht, was kommt."
Polizeiobermeister Raphael Eckert über seinen Einsatz nach einer Bombendrohung.
Polizeiobermeister Raphael Eckert.
© Nail Al Saidi | DRadio Wissen
Polizeiobermeister Raphael Eckert schreibt auf "Polizeipoeten" über seine Erlebnisse im Dienst.

Bereits 200 Polizisten haben ihre Geschichten hier veröffentlicht. Aber nicht nur Angst einflößende und erschreckende Erlebnisse finden ihren Platz - auch lustige Storys aus dem Polizeialltag sind willkommen. 

Die erste Leiche vergisst man nicht

Volker Uhl hat seine erste Leiche nie vergessen. Es war der Kaufmann, den er schon aus seiner Kindheit kannte. Der, der ihm immer die Bonbons aus dem großen Glas gegeben hat. Er hat über diesen Mann geschrieben, der sich in der eigenen Garage mit Autoabgasen vergiftet. 

Kollegen helfen, die mit niemandem reden können 

Zusammen mit anderen Geschichten hat er diesen Text schon vor 12 Jahren in dem Buch "Die erste Leiche vergisst man nicht" veröffentlicht. Mittlerweile sind drei weitere Bücher erschienen. Volker und seinem Kollegen Raphael ist es dabei nicht nur wichtig, sich selbst Dinge von der Seele zu schreiben. Sie wollen auch anderen Beamten helfen, die schon mal etwas Schlimmes miterlebt haben, worüber sie mit Freunden oder der Familie nicht reden können.