Wer unschuldig ist, hat nichts zu befürchten. Eigentlich. Außer man gerät doch in Verdacht. Und dann findet man sich eingekesselt in einer Demonstration wieder. Oder mitten in der Nacht vor Maschinenpistolen im Anschlag. Oder im Verhör beim Geheimdienst. Und hofft, dass sich am Ende alles als das herausstellt, was es eigentlich ist: ein großes Missverständnis.

Vier Geschichten über Erlebnisse mit der Polizei.

Eine Einhundert mit Paulus Müller.

Überfall mit Pistole
Terrorverdacht

Ein Bankvorfall

Es ist Juli 1977. Ein warmer Sommertag. Die Mitarbeiter der Sparkassen-Filiale in Angelmodde freuen sich auf den Feierabend. Ein kleines Versehen und der Umstand, dass das Ganze 1977 passiert, sorgen aber dafür, dass dieser Abend allen in Erinnerung bleibt.

Rudi Pache ist Anfang 30, verheiratet. Er ist Bankkaufmann, Angestellter bei der Stadtsparkasse Münster und stellvertretender Leiter in der Filiale Angelmodde-Heidestraße. Am 13. Juli 1977 schließt die Filiale um 16:30 Uhr. Aber auf den letzten Drücker kommt noch ein Kunde und bringt eine größere Menge Bargeld auf die Bank. Eigentlich nicht ungewöhnlich - damals gab es noch mehr Bargeld-Verkehr.

Mann an einem Auto und im Portrait
© Karin Pache
Rudi Pache ist 1977 bei der Sparkasse angestellt.

Doch mitten in der Nacht wird Rudi Pache aus dem Schlaf geklingelt. Ein Kollege steht vor der Tür. Er sagt, dass etwas in der Sparkasse nicht in Ordnung sei. Er solle sich anziehen und mitkommen.

"Es klingelte anschließend nochmal. Und im Laufschritt kamen zwei Polizisten die Treppe rauf. Und als ich die Tür öffnete sah ich, wie sie mit Maschinenpistolen im Anschlag vor mir standen und fragten, ob ich Opfer eines Erpressungsversuchs sei."
Rudi Pache, Bankangestellter

Rudi Pache ist fassungslos. Doch eine Folge vieler kleiner Ausnahmesituationen hatte dazu geführt, dass die Polizei alarmiert wurde. Denn es war 1977 - und die Angst vor Terror oder Überfällen der Roten Armee Fraktion ständig präsent.