Noch bevor Rebecca Martin ihr Abi in der Tasche hat, erscheint ihr erstes Buch "Frühling und so". Darin schreibt sie ziemlich explizit über Sex. Die Medien stürzen sich auf die junge "Sex-Autorin". Nicht wenige mutmaßen: die junge Autorin ist ein "One-Hit-Wonder". Heute ist sie 25 - und veröffentlicht ihren dritten Roman.

Rebecca Martin ist keine klassische Autorin. Wenn sie schreibt, erzählt sie einfach ihre Geschichte. Kein Expose, kein ausgearbeiteter Plot. Trotzdem hat es schon ihr Erstlingswerk auf die Bestseller-Listen geschafft. Dafür hat sie nicht nur Applaus geerntet. Kritiker behaupteten damals, ihr Buch sei schlicht ein billiger Abklatsch von Charlotte Roches "Feuchtgebiete". Trotzdem wird der Roman "Frühling und so" ein Bestseller.

Überraschend erfolgreich

Der Erfolg ihres ersten Buchs war eine absolute Überraschung. Außer für ihren Verlag Schwarzkopf und Schwarzkopf, der der jungen Autorin einen Vertrag gab, noch bevor sie wirklich angefangen hatte, an einem Buch zu arbeiten. Einfach auf Grundlage der ersten Texte, die sie geschrieben hat. Eine Art Text-Tagebuch. Fünf Monate später war dann "Frühling und so" fertig. Danach überschlugen sich die Ereignisse. So richtig kann sich Rebecca Martin heute gar nicht mehr dran erinnern:

"Das ist ja jetzt sieben Jahre her! Sieben Jahre. Fuck. Das ist lang!"
Rebecca Martin über den Erfolg ihres ersten Buchs

Es folgen Radiointerviews, eine Lesereise, Blicke auf dem Schulhof. Rebecca Martin hatte damals gerade Abitur gemacht. Die Boulevardmedien reißen sich um die "Lolita-Literatin", die so freizügig über Sex schreibt. Irgendwann lässt der Trubel um ihre Person nach. Aber die junge Autorin kann nicht zurück an den Schreibtisch. Fast zwei Jahre lang schreibt sie nicht und stellt sich die Frage: "Will ich das überhaupt machen?"

"Es hat lange gedauert, bis ich wieder auf die Füße gekommen bin. Ich wusste nicht mal, ob ich überhaupt weiter schreibe."
Nach dem Erfolg braucht Rebecca Martin eine Pause

Sie beginnt eine Ausbildung zur Werbetexterin und bricht ab. Heute studiert sie Drehbuch an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. Und obwohl im Mai ihr dritter Roman erscheint, antwortet sie auf die Frage, was sie denn so macht, lieber mit: "Ich bin Studentin." Dass sie Autorin oder Schriftstellerin ist, daran muss sie sich selbst noch gewöhnen. Dabei fühlt sie sich inzwischen im Literaturbetrieb ganz wohl.

"Ich mag die Leute eigentlich immer ganz gerne. Es wird ja viel geschimpft über den Literaturbetrieb, ich finde es immer super und finde, dass man da sehr viel Spaß haben kann."
Rebecca Martin mag die Welt der Bücher

Bücher über das Erwachsenwerden

Rebecca Martins neuer Roman "Nacktschnecken" sollte eigentlich eine Liebesgeschichte werden, die sie von Anfang bis Ende erzählt. Aber diesen Plan hat sie verworfen. Der Roman ist zwar immer noch eine Liebesgeschichte, aber er beginnt mit dem Anfang vom Ende. Nämlich damit, dass sich die Protagonistin Nora fragt, was eigentlich wäre, wenn sie ihren Freund nicht kennengelernt hätte. Wenn sich die beiden Liebenden nicht begegnet wären - oder zumindest nicht wahrgenommen hätten.

Die Geschichte erzählt davon, wie schwierig es heute ist, eine Beziehung zu führen. Davon, dass Nora keine Lust mehr auf das Credo hat, "eine gute Beziehung bedeutet Arbeit" und wie schwer es auch heute noch vielen Frauen - Emanzipation hin, Feminismus her - fällt, sich eben nicht hauptsächlich um die Beziehung zu kümmern, sondern um andere Dinge. Themen, die auch Rebecca Martin sehr beschäftigen.

"Bis jetzt hab ich es echt nicht hinbekommen, einen Roman zu schreiben, ohne Themen zu verhandeln, die ich mit mir herumtrage. Ich glaube, das passiert auch automatisch, wenn man schreibt."
Rebecca Martin schreibt über das, was ihr am Herzen liegt