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Ein mit Fingerabdrücken in roter Farbe unterzeichnetes Dokument des Reichsbürgers Wolfgang P., genannt "Lebenderklärung".
© dpa
Rechte Bewegung

Die Zahl der Reichsbürger nimmt zu

Die Zahl der Reichsbürger in Deutschland steigt an. Das liegt auch an einer besseren Erfassung durch die Behörden. In Bayern gibt es besonders viele Anhänger dieser Bewegung.

Rund 15.600 Menschen gehören - laut eines Berichts des Nachrichtenmagazins "Focus" - inzwischen der Reichsbürgerbewegung an. Die größte Anhängerschaft gibt es dem Bericht zufolge in Bayern, wo die Behörden rund 3500 Reichsbürger zählen. Der "Focus" bezieht sich in seinem Bericht auf die Verfassungsschutzämter der Länder. Anfang 2017 gingen die Sicherheitsbehörden demnach noch von rund 10.000 Reichsbürgern und sogenannten Selbstverwaltern aus. 

Reichsbürger erkennen die Bundesrepublik nicht als Staat an. Sie sprechen dem Grundgesetz, Behörden und Gerichten die Legitimität ab und akzeptieren keine amtlichen Bescheide. Die gesamte Bewegung gilt als sicherheitsgefährdend und wird seit Herbst 2016 vom Verfassungsschutz beobachtet.

"Der Verfassungsschutz hat die Reichsbürger in der Vergangenheit nicht ernst genommen, hat sie für Spinner gehalten. Das hat sich radikal geändert."
Olaf Sundermeyer, Journalist und Experte für innere Sicherheit

Die Bewegung wurde zunächst lange nicht ernst genommen. Das änderte sich dann mit dem Fall des Reichsbürgers Wolfgang P., der im Oktober 2016 einen Polizisten im mittelfränkischen Georgensgmünd erschossen hatte. Der Beamte sollte dabei helfen, rund 30 Waffen im Haus des Reichsbürgers zu beschlagnahmen.

Seitdem werden die Reichsbürger in sämtlichen Ländern stärker unter die Lupe genommen und sie werden auch besser gezählt - was unter anderem den rasanten Anstieg der Zahlen erklärt.

"Die Reichsbürgerbewegung ist eine bundesweite Bewegung. Sie ist nicht nur im Osten stark, wo der Rechtsextremismus noch etwas stärker ist."
Olaf Sundermeyer, Journalist und Experte für innere Sicherheit

Die Zahl könnte noch größer sein

Olaf Sundermeyer glaubt, dass die Zahl noch größer ist, vor allem wenn man noch andere Gruppen dazurechnet, die sich im Widerstand zum deutschen Staat sehen, zum Beispiel die sogenannten Prepper, sagt Sundermeyer: "Also Leute, die sich auf ein Szenario vorbereiten, dass sich Deutschland irgendwann in einem bürgerkriegsähnlichen Zustand befindet." Diese Szene habe durch die AfD großen Aufwind bekommen, sagt der Journalist. 

"Man hat Angst, dass bei der Wegnahme dieser Waffen irgendwann mal jemand tatsächlich durchdreht."
Olaf Sundermeyer, Journalist und Experte für innere Sicherheit

Nach Angaben des Bundesinnenministeriums sollen bundesweit etwa 700 Reichsbürger über Waffen verfügen. Und es sind gerade diese bewaffneten Anhänger der Bewegung, die den Behörden Sorgen machen. Im Sommer 2017 hat die Innenministerkonferenz beschlossen diesen Reichsbürgern ihre Waffen abzunehmen, weil sie nach dem Waffenrecht nicht mehr als zuverlässig gelten. 

Darüber hinaus gehen die Behörden allerdings auch davon aus, dass weitere Reichsbürger im Besitz illegaler Waffen sind. Olaf Sundermeyer sagt: "Außerdem gibt es noch Reichsbürger, die sich fleißig - das ergeben auch unsere Recherchen - Waffen im Darknet kaufen, ohne dass sie einen Waffenschein besitzen."

"Insgesamt sehen wir, dass die rechte Szene aufrüstet, auch die Reichsbürgerszene. Insofern haben wir es hier mit Leuten zu tun, die im Prinzip tickende Zeitbomben sind."
Olaf Sundermeyer, Journalist und Experte für innere Sicherheit

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