Die Pandemie hält an. Und damit fallen wieder manche Rituale aus, die die Adventszeit schön(er) machen. Aber wir brauchen Rituale – auch diesen Winter.

Sie geben Struktur und Sicherheit, denn sie sind beständig und gleichbleibend: Rituale. Rituale folgen einer festgelegten Ordnung. Sie können religiös sein, aber müssen es nicht.

Nicht zu verwechseln sind sie allerdings mit Gewohnheiten. Zähne putzen zum Beispiel ist nicht per se ein Ritual. "Aber auf den Weihnachtsmarkt gehen mit Freunden kann eins sein, wenn man das jedes Jahr macht, um sich in Stimmung zu bringen", sagt unsere Reporterin Ilka Knigge.

"Zähne putzen ist nicht gleich ein Ritual. Rituale sind nicht zu verwechseln mit Gewohnheiten."
Ilka Knigge, Deutschlandfunk-Nova-Reporterin

Wichtig ist, dass Rituale ein Ziel haben, sagt Psychologin und Achtsamkeits-Podcasterin Main Huong Nguyen. "Das kann sein, dass man eine bestimmte Emotion bearbeiten will oder gut in den Tag starten will."

Rituale sind mehr als Gewohnheiten

Rituale macht man nicht ohne Absicht. Außerdem folgen Rituale einem festen Verlauf und sind damit konkrete Verhaltensweisen.

"Aus psychologischer Perspektive ist ein Ritual erstmal eine starre Abfolge von Handlungsschritten. Und was auch wichtig ist: Es sind Verhaltensweisen."
Main Huong Nguyen, Psychologin und Achtsamkeits-Podcasterin

Genau deshalb geben Rituale auch Struktur, die für viele wichtig ist. Doch durch die anhaltende Pandemie sind manche Rituale nicht möglich. Auch nicht in der Adventszeit.

Alte Rituale sind wieder in oder Rituale werden angepasst

Das hat zur Folge, dass manche ihre alten Rituale wiederbeleben, so die Ritualforscherin Katrin Bauer. Sie arbeitet am LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte in Bonn. Traditionelle Rituale wie Weihnachtssterne basteln oder auch Briefe schreiben seien wieder en vogue.

"Wir beobachten ganz stark, dass solche Dinge wie Basteln wieder en vogue werden. Dass solche traditionellen Dinge jetzt wieder attraktiv werden."
Katrin Bauer, LVR-Institut für Landeskunde und Regionalgeschichte Bonn

Dass manche Rituale zurzeit nicht möglich sind, lässt aber auch neue Rituale entstehen oder alte werden neu umgesetzt. Zum Beispiel digitales Wichteln, das schon im Winter 2020 einige gemacht haben. Oder statt Weihnachtsmärkten gibt es sogenannte Christmas Gardens. "Das sind aufwendige Lichtinstallationen im Freien, die als Rundgang konzipiert sind", sagt Ilka Knigge.

Neben solchen kommerziellen Angeboten gibt es viele weitere Möglichkeiten, die nichts oder wenig kosten. Wie die hässlichen Weihnachtspullis, die wir selbst stricken – das geht auch bei einem kleinen virtuellen Treffen in der Adventszeit.