Weltraumabenteuer: Landung auf dem Kometen Tschuri +++ IS: Terrormiliz breitet sich in Libyen aus +++ +++ Binaural Beats: Kann ein Sound high machen? +++ Ebola: US-Krankenschwestern streiken für mehr Schutz +++ Katar: Amnesty kritisiert Ausbeutung der WM-Arbeiter +++ Alles, was heute wichtig ist!

Daniel Stender ·

Liebe Leute: (räusper) Wir leben in historischen Zeiten. Ganz im Ernst! Mehr als zehn Jahre lang war die Raumsonde Rosetta unterwegs. Heute wird sie, 6,4 Milliarden Kilometer von der Erde entfernt, ein Landegerät auf einem Kometen namens "67P/Tschurjumow-Gerassimenko" absetzen. Wahnsinn...

Darum und um vieles andere geht es in dieser Sendung. Guten Morgen! Sagen Till Haase am Mikrofon, Reporterin Anna Kohn und Liveblogger Daniel Stender.

Daniel Stender ·

Digitale Drogen. Das ist gerade das große Ding im Libanon und in Saudi-Arabien. So sehr, dass der libanesische Justizminister die sogenannten Binaural Beats die digitalen Drogen jetzt per Gesetz verbieten will. Ist da was dran? Reporterin Anna Kohn hat sich die umstrittenen Sounds mal angehört und findet: "Mir wird nur schlecht davon." Der Hintergrund: Binaural Beats sind so etwas wie eine optische Täuschung im Kopf. Die aber nicht von jedem gehört werden kann. Und: die nicht funktioniert. Sagt zumindest Stefan Kölsch, Musik-Psychologe an der FU Berlin: "Das ist nicht gefährlicher als ein Glas Wasser."

Eine Frau liegt auf dem Rücken. Sie trägt einen Kopfhörer und hat die Augen geschlossen. Ihr Oberkörper ist auf dem Foto zu sehen.
"Binaural Beats? Alles Mumpitz!"
Daniel Stender ·

Der IS breitet sich aus. Und zwar nicht im Irak oder in Syrien, sondern in Libyen. In der Stadt Darna haben sich die dort dominierenden Islamisten dem IS angeschlossen. Korrespondent Björn Blaschke erklärt das so: "Darna gehörte nie zur demokratischen Bewegung im Land. Hier waren die Islamisten von Anfang an stark." Im Grunde, so Blaschke, ist es relativ einfach, sich dem IS anzuschließen. "Jeder kann sagen: Ich bin IS." Man schwört einen Eid auf den Kalifen und gehört dazu.

Dieses Bild aus dem Twitter-Account der islamistischen Albaraka News zeigt angeblich Isis-Kämpfer im Irak.
© dpa
Björn Blaschke, Korrespondent
"IS breitet sich dort aus, wo der Staat nicht mehr funktioniert."
Daniel Stender ·

Im Darknet wird es gerade etwas heller. Okay, das ist ein schräges Bild. Konkret geht es darum, dass die Polizei in 17 Ländern gegen den Handel mit illegalen Gütern im Netz vorgegeben ist. Vor allem ging es dabei um Drogen. Sabine Thurau vom LKA Hessen freute sich gestern bei einer Pressekonferenz über die Operation Onymous: "Wir haben einen Fuß in der Tür. Bitcoins, Rauschgift, Gold und Silber konnten sichergestellt werden."

Wobei: Es geht nicht nur um den Handel mit Drogen. Sondern auch darum, dass die Polizei bei der Aktion sogenannte Hidden-Service-Server entdeckt hat, die nur über das Tor-Netzwerk erreichbar sind. Und das wird nicht nur für kriminelle Zwecke benutzt, sondern auch zur Anonymisierung. Die Community und sogar die Tor-Betreiber selbst sind ratlos. Und die Online-Kriminellen suchen sich gerade andere Ecken im Netz...

Michael Gessat, Netzautor
"Vielleicht sollten die Leute über legale Geldbeschaffung nachdenken. Und über legale Drogen. Wein statt Koks."
Daniel Stender ·

Zehn Jahre lang war die Raumsonde Rosetta unterwegs zum 6,4 Milliarden Kilometer entfernten Kometen Tschuri, alias 67P/Tschurjumow-Gerassimenko. Heute Nachmittag soll ein Landegerät dort Proben entnehmen.

Ab 9:30 Uhr soll die Abkopplung des Landegeräts beginnen - sieben Stunden später setzt es dann auf der Oberfläche von "Tschuri" auf. Vorausgesetzt, alles läuft nach Plan. Und dass alles nach Plan läuft, dafür sorgt Kometenforscher Ekkehard Kührt. Seit 20 Jahren arbeitet er an dem Projekt. "Das sind unglaublich viele Daten. Die Landung ist das Sahnehäubchen", sagt Kührt. Die Auswertung der Daten wird Kührt und seine Kollegen noch weitere Jahre begleiten. Immerhin: Es wird nicht wieder zehn Jahre dauern, bis die Proben wieder auf der Erde angekommen sind. Ein selbstständiges Labor an Bord der Sonde übernimmt die Auswertung und schickt nur die Daten an die ESA.

Zum Hintergrund: Kometen wie Tschuri sind gewissermaßen Zeitzeugen der Entstehung des Sonnensystems. Genau darüber wollen Forscher nun mehr erfahren. "Kometen haben die Vergangenheit in gefrorenem Zustand konserviert", sagte Ekkehard Kührt der Nachrichtenagentur epd.

"Es gibt eine Billion Kometen im Sonnensystem und wir wissen nicht viel über sie."
Daniel Stender ·

In den USA ist Ebola besiegt: Der US-Arzt Craig Spencer, der sich in Guinea infiziert hatte, ist in New York aus dem Krankenhaus entlassen worden. Trotzdem streiken heute die US-Krankenschwestern. "Vermutlich 100.000 Pfleger und Pflegerinnen werden sich beteiligen", sagt Korrespondent Martin Ganslmeier. Warum? Weil sie ihrer Meinung nach nur schlecht gegen Ebola geschützt sind. Außerdem seien sie gar nicht für den Umgang mit der Seuche ausgebildet. Ihre Forderungen: Mehr Training, mehr Schutzkleidung. "Nicht jedes US-Krankenhaus ist medizinisch Weltklasse. Aber das haben Regierung und Gesundheitsbehörden behauptet", so Ganslmeier.

Martin Ganslmeier, Korrespondent
"85 Prozent der Krankenpfleger- und pflegerinnen in den USA sagen, dass ihre Krankenhäuser nicht auf Seuchen wie Ebola vorbereitet sind."
Daniel Stender ·

Faszie. Ich wusste ja gar nicht, dass ich so was habe. Aber: Es gibt sie. In unseren Körpern. Sie ist ein "Secret Organ", das weiß nicht nur Gwyneth Paltrow.

Die Faszie stabilisiert uns. Sie funktioniert wie ein Spinnengewebe - "alles hängt mit allem zusammen". Sagt der Sportwissenschaftler Oliver Tomic. Und: Man sollte die Faszie trainieren. Wie? "So wie Kinder: Rumspringen, klettern, rollen."

Okay, ich rolle den Stuhl zur Seite, klettere runter und springe mal kurz in die Kantine.

Oliver Tomic, Sportwissenschaftler
"Faszien sind dafür da, uns Menschen eine Form zu geben."
Daniel Stender ·

Funktioniert Spotify auch ohne Taylor Swift? Seit letzter Woche darf der Streamingdienst keine Songs von Swift mehr spielen. Weil sie bei Spotify nichts verdient. Daniel Ek, Chef bei Spotify, hat ihr nun teilweise zugestimmt: Ja, Künstler haben ein Recht auf angemessene Bezahlung. Trotzdem, findet Ek: Auch beim Gratisstreaming verdienen die Musiker Geld. Bei Taylor Swift wären das sechs Millionen Dollar pro Jahr gewesen. Vielleicht hat Taylor Swift es auch einfach nicht nötig, bei Spotify zu sein - sie verdient auch ohne Streaming genug.

Daniel Ek, Spotify
"The more we grow, the more we'll pay you."
Daniel Stender ·

Eine Fußball-Weltmeisterschaft im Wüstenstaat Katar. Das ist schon lang umstritten. Umso mehr, weil nun die Menschenrechtsorganisation Amnesty International wieder auf die sehr schlechten Arbeitsbedingungen der Arbeiter hingewiesen hat, die die Stadien und Hotels bauen. Eigentlich hatte die Regierung in Katar angekündigt, Gesetze zu erlassen, damit sich diese Bedingungen verbessern. Aber nichts ist passiert, sagt Amnesty. Bis jetzt sind deswegen schon 1200 Menschen gestorben, sagen internationale Gewerkschaftsorganisationen.

Archivbild von 2012: Ein Wanderarbeiter sitzt auf einem Etagenbett in seiner Unterkunft in Katar.
© dpa | amnesty international
Anne Tepper, Nachrichtenredaktion
"Viele Arbeiter kommen auch aus Nordkorea, sie werden doppelt ausgenutzt. Dem Guardian zufolge bleiben ihnen weniger als zehn Prozent vom Lohn."
Daniel Stender ·

Kurz noch mal zu Rosetta: Das Landegerät "Philae" wurde vermutlich abgekoppelt und bewegt sich auf den Kometen zu. Ganz genau kann man nicht sagen, ob es geklappt hat. Denn das Signal braucht 28 Minuten von 67P/Tschurjumow-Gerassimenko bis zur Erde.

Daniel Stender ·

Das war Schaum oder Haase, an diesem Mittwochmorgen mit Moderator Till Haase, Reporterin Anna Kohn und Liveblogger Daniel Stender. Bis Donnerstag!

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