Sie haben eigene Sportvereine, sie trauen Russia Today mehr als ARD und ZDF. Und sie wählen die AfD. Wie viel stimmt von den Klischees? In Russland waren sie die ungeliebten Deutschen, in Deutschland nennen sie sich manchmal selbst die Russen. In dieser Einhundert: Vier Geschichten über Russlanddeutsche und ihre schwierige Suche nach ihrer Identität zwischen Ost und West.

Mensch, der ein dunkles Brot teilt.
Alexander Kurella

Deutsches Brot für Moskau

Vor zwei Jahren auf der Jagd mit einem russischen Geschäftsmann und einem bayerischen Bekannten spricht Alexaner Kurella darüber, wie man am besten jene Wildschweine, die gerade nicht vorbeikommen, zubereiten würde. Der Russe denkt an einen Römertopf. Der Bayer - großspurig wie er ist - erzählt von seinem Holzbackofen, in den er das Schwein komplett reinschiebt und dann fünf Stunden durchbacken lässt. Der Russe ist begeistert will auch so einen Ofen. Alexander Kurella entdeckt in dieser Unterhaltung eine geniale Geschäftsidee. Aber bevor er Öfen nach Russland importieren kann, stehen ihm einige Hürden im Weg.

"Das ist der typische russische Ofen. Und das kann doch nicht sein, dass der Deutsche einen hat und ich habe keinen."
Alexander Kurella zitiert einen russischen Freund, der ihn auf die Idee brachte Holzöfen nach Russland zu importieren.

Alexander Kurella, Jahrgang 68, ist Physiker aus Ostberlin. In den 90er Jahren kam er nach Russland. Er ist verheiratet mit einer russischen Schriftstellerin und sein Schwager war in den 90er Jahren Landwirtschaftsminister. Für ihn und dessen Firmengruppe entwickelt Alexander Kurella immer wieder große Projekte. Salat oder Frischfleisch in großem Maßstab. Zur Zeit hat ein verhältnismäßig kleines Projekt: eine deutsche Bäckerei in Moskau.