Hacktivisten sind Hacker, die mit ihren Attacken Ziele verfolgen, die aus ihrer Sicht legitim und moralisch gerechtfertigt sind. Dabei stehen sie oft mit einem Bein im Gefängnis. Und das Abwägen von Chancen und Risiko ist nicht gerade ihre Stärke.

Hacktivisten handeln für die gute Sache - aus ihrer Sicht. Da sie meistens trotzdem eine Straftat begehen, etwa einen Server lahmlegen, drohen ihnen Strafen.

Psychologen von der Arizona State University wollten in einer Studie untersuchen: Wie sehr berücksichtigen Hacktivisten bei ihrem Engagement eigentlich auch die konkreten Gefahren - zum Beispiel im Gefängnis zu landen? (Hier geht’s zum kürzeren Abstract.)

Das Ergebnis:

"Die Studenten haben praktisch nur den möglichen Erfolg bewertet, also etwa das erfolgreiche Druckausüben gegen etwas, was aus ihrer Sicht ungerecht war."
Michael Gessat, Deutschlandfunk Nova

...und die Gefahren wurden mehr oder weniger komplett außer Acht gelassen.

An der Studie haben Informatik-Studenten und Computerwissenschaftler teilgenommen, die sich mit dem Thema auskennen. Die Teilnehmer brauchten sich nicht zu outen, wenn sie tatsächlich als Hacktivist tätig gewesen sein sollten.

Szenario kreiert

Die Forscher haben ein fiktives Szenario konstruiert: Die Teilnehmer sollten sich in eine/n Nutzer/in namens "Jordan" hineinversetzen, der oder die die Netzneutralität bedroht sieht.

"Die Teilnehmer sollten dann überlegen, wie sie selbst - als 'Jordan' - Hacking-Aktionen begehen oder eben nicht begehen würden."
Michael Gessat, Deutschlandfunk Nova

Ergebnisse:

  • Hacktivisten-Aktionen werden in der Regel nicht rational geplant
  • Die Zahl solcher Aktionen könnte deutlich reduziert werden, wenn den "üblichen Verdächtigen" die Risiken und drohenden Konsequenzen klarer gemacht würden

"Selbsternannte-Rächer-Gestus"

Erwischten Hacktivisten drohen Strafen – für zum Beispiel Studenten kann das das Ende ihrer wissenschaftlichen Karriere bedeuten.

Deutschlandfunk-Nova-Reporter Michael Gessat hält die Strafen zwar teilweise für völlig überzogen. Den "Rächer-Gestus" von Anonymous und Konsorten hält er aber gleichzeitig auch für "naiv, peinlich und anmaßend". 

"Wer meint, dass irgendetwas ungerecht ist oder politisch falsch, der sollte offen aktiv werden."
Michael Gessat, Deutschlandfunk Nova