Überwiegend jüngere Thai demonstrieren gegen den König und die Militärregierung. In Thailand könnte ein Machtwechsel bevorstehen.

Zehntausende haben in der thailändischen Hauptstadt Bangkok gegen die politische Führung des Landes demonstriert. Das ist die zweite Welle von Protesten in diesem Jahr, die seit Juli anhält. Die Demonstrierenden fordern demokratische Reformen und Neuwahlen.

Die meisten Demonstranten sind junge Menschen, berichtet Holger Senzel, ARD-Korrespondent für Südostasien. Die Erziehungskultur ist stark auf Gehorsam ausgerichtet gewesen, weswegen viele Ältere in der Bevölkerung gegenüber den Protesten zurückhaltend sind.

Haftstrafe für Kritik am König

Die überwiegend jüngeren Thai wenden sich nun konkret gegen die Lèse majesté-Gesetze, die Majestätsbeleidigung ahnden. Sie werden jedoch auch verwendet, um Kritiker und Oppositionelle zum Schweigen und für Jahre ins Gefängnis zu bringen. Dafür reichen Nichtigkeiten aus, sagt Holger Senzel: "Leute sind für einen Facebook-Post, der sich irgendwie kritisch zum Königshaus äußerte, für zehn Jahre hinter Gitter gegangen."

"Es war eine Mischung aus Wut und Aufbruch. Zehntausende junge Leute, die gefordert haben, dass der Premierminister zurücktreten muss."
Holger Senzel, ARD-Korrespondent für Südostasien

Die Regierung halte sich erstaunlicherweise zurück. Der Zeitpunkt sei bereits überschritten, in dem sie hätte einschreiten können. Der thailändische König habe wohl auch keinen Plan. Er hält sich überwiegend am Starnberger See auf, eine Tatsache, die auch die Bevölkerung kritisiert.

Thailändische Regierung zögert

Die Regierung bemühe sich momentan die Pandemiebekämpfung in den Vordergrund zu stellen. Erst nach dem Ende der Pandemie wolle sie mit den Demonstrierenden verhandeln.

"Die Leute sagen: Wir leben in einem Land mit einer Regierung, die die Demokratie verachtet, und einem Wahnsinnigen als König."
Holger Senzel, ARD-Korrespondent für Thailand

Der ehemalige Armeegeneral Prayut Chan-o-cha hat sich 2014 an die Macht geputscht. Nach den Parlamentswahlen im März 2019 bestätigte eine hauchdünne Mehrheit in Repräsentantenhaus und Senat den Ex-General als Ministerpräsident. Insgesamt hat das Königreich Thailand rund 69 Millionen Bewohnerinnen und Bewohner. Für Oktober haben die Demonstrierenden inzwischen zu einem Generalstreik aufgerufen.