Apple soll dem FBI helfen, das iPhone eines der Attentäter von San Bernardino zu knacken. Das hat eine US-Richterin angeordnet. Aber Apple weigert sich die Forderungen zu erfüllen. Dem Unternehmen sei der Datenschutz seiner Kunden wichtiger.

Mit dem Betriebssystem iOS 8 hat Apple eine Technologie eingeführt, die den Handyspeicher automatisch verschlüsselt (das gleiche gilt auch für Googles Android 5). Nur mit der gültigen Pin lässt sich das iPhone entsperren. Und nur dann lassen sich auch die Daten entschlüsseln. Außerdem gibt es eine Löschfunktion: Wird der Pin für das iPhone zehn Mal hintereinander falsch eingegeben, ist der Speicher des Smartphones automatisch gelöscht. Die Daten sind dann unwiderruflich verloren.

Genau diese Technologie stellt das FBI im Falle eines der Attentäter von San Bernadino vor Probleme. Sie finden keine Möglichkeit, die Pin-Sperre zu umgehen. Deshalb hat jetzt eine US-Richterin angeordnet, dass der Apple-Konzern dem FBI helfen muss, das Handy zu knacken. Das FBI wiederum hat ganz genaue Vorstellungen davon, wie das geschehen soll.

"Jetzt will die US-Regierung etwas von uns, das wir nicht haben und dessen Herstellung für uns zu gefährlich ist. Sie wollen, dass wir ihnen eine Hintertür ins iPhone bauen."

Tim Cook wehrt sich mit offenem Brief

Das FBI hat einen Forderungskatalog an Apple formuliert, wie das Hacken des iPhone 5C funktionieren soll:

  • die automatische Löschfunktion nach 10 Pin-Fehlversuchen soll deaktiviert oder umgangen werden können
  • das Unternehmen soll eine Möglichkeit schaffen, dem iPhone Pin-Codes digital übermitteln zu können
  • die Zeitsperre nach mehreren Fehlversuchen soll ausgeschaltet werden

Damit wäre ein Brute-Force-Angriff auf das iPhone möglich, also das digitale Ausprobieren so vieler Zahlenkombinationen bis die richtige gefunden ist. Damit das möglich ist, soll Apple ein neues Betriebssystem entwickeln, das mit Hilfe der Seriennummer immer nur auf genau einem Gerät funktioniert. Und genau das will Apple nicht.

"In den falschen Händen könnte diese Software - die es bis heute nicht gibt - potenziell jedes iPhone entschlüsseln."
Aus dem offenen Brief von Tim Cook

Jedes iPhone entschlüsseln?

Um das neue Betriebssystem auf das iPhone aufspielen zu können, müssen sich die Ermittler erst einmal Zugang zu dem gesperrten Gerät verschaffen. "Das geht über die sogenannte DFU-Schnittstelle beim Starten des Gerätes", erklärt Andreas Bogk vom Chaos Computer Club, "beim Starten des Gerätes gibt es die Möglichkeit zu sagen: Liebes Telefon, boote nicht das Betriebssystem, das installiert ist, boote ein anderes Betriebssystem." Das sei in der Regel dazu gedacht, ein Firmware-Update durchzuführen. Das werde auch gebraucht, um die Geräte in der Fabrik zu initialisieren. "Da kann man aber nicht irgendein Betriebssystem aufspielen, sondern es muss von Apple signiert sein."

"Die Entwickler sagen, wenn diese Software in die falschen Hände gerät, könnte sie grundsätzlich jedes iPhone entschlüsseln. Damit würde für Apple ein sehr gewichtiges Kaufargument für ein iPhone und gegen ein Android-Smarphone wegfallen."
DRadio-Wissen-Reporter Sebastian Rams über Apples Zögern in Sachen FBI