Zohre Esmaeli ist 13 Jahre alt, als sie mit ihren Eltern und Brüdern aus Afghanistan flieht. So kommt sie nach Deutschland und wird dort später per Zufall beim Shoppen auf ihr Aussehen angesprochen - mit dem Hinweis, dass sie damit Geld verdienen könne. Heute ist sie als Model in New York, Paris und Mailand unterwegs. In dieser Redaktionskonferenz sprechen wir mit Zohre Esmaeli über ihr Leben, dass genug Stoff für einen ordentlichen Hollywoodstreifen hergibt.

Afghanistan im Jahr 1998 ist ein Land, in dem die Taliban die Macht haben und die Scharia das Leben bestimmt. Musik, Sport, Bilder und Fernseher sind verboten. Die meisten Schulen und Universitäten sind geschlossen. Frauen dürfen sich nur mit Ganzkörperverschleierung und in Begleitung eines männlichen Familienmitglieds auf der Straße bewegen. Zohre Esmaeli lebt in diesem Land. Sie ist 13 Jahre alt, als ihr Vater beschließt, dass es in diesem Land keine Zukunft gibt. Er verkauft alles, was die Familie besitzt und bezahlt damit russische Schlepper.

Der Willkür von Schleppern ausgeliefert

Es ist der Beginn einer anstrengenden, sechs Monate dauernden Reise - von Afghanistan über den Iran, Kasachstan, Russland, die Ukraine und Tschechien bis nach Deutschland. Sechs Monate, in denen die Familie immer wieder der Willkür von Schleppern ausgeliefert ist, sich auf vollkommen fremde Menschen verlassen müssen, unter katastrophalen Bedingungen leben. Einmal müssen sie in einer kalten Nacht einen Fluss durchqueren und anschließend - nass, wie sie sind - im Wald ausharren, bis sie für die nächste Etappe abgeholt werden.

"Leider musste ich schon nach ein paar Wochen feststellen, dass es in Deutschland gar nicht leicht ist, eine Freundin zu haben, wenn der Vater Afghane ist."
Zohre Esmaeli in ihrem Buch "Meine neue Freiheit. Von Kabul über den Laufsteg zu mir selbst."

Doch irgendwann, nach dieser langen, beschwerlichen Reise erreichen sie schließlich Deutschland. Zohre ist diejenige in der Familie, die schnell deutsch lernt, anfängt, Freundschaften zu schließen und sich in der neuen Kultur zurechtfindet. Ihr Vater hingegen kommt mit den neuen Umständen nicht gut zurecht. Er sitzt viel vor dem Fernseher. Und: Er wird immer strenger, beginnt immer mehr die Regeln anzuwenden, die er in Afghanistan selber abgelehnt hat.

"Die Rollen haben sich vertauscht. Bei Flüchtlingen übernehmen häufig Kinder die Verantwortung, weil sie schneller Deutsch lernen als die Eltern."
Zohre Esmaeli hat das Buch geschrieben "Meine neue Freiheit. Von Kabul über den Laufsteg zu mir selbst."

Flucht für ein freies Leben

Als Zohre 16 Jahre alt ist, hat sie ein einschneidendes Erlebnis. Beim Einkaufen wird sie von der damaligen Miss Hessen auf ihr Aussehen angesprochen. Dass sie hübsch sei und dass sie mit ihrem Aussehen Geld verdienen könne. Es dauert noch eine Weile, bis es dazu kommt. Vorher flüchtet Zohre von Zuhause, zieht in ein Mädchenwohnheim und lässt irgendwann von einem Fotografen Bilder von sich machen.

Portrait von Zohre Esmaeli
© Hannes Casper
Zohre Esmaeli ist heute ein gefragtes Model.

Diese Bilder sind schließlich der Startschuss für ihre Karriere als Model. Heute ist Zohre Esmaeli ein gefragtes Mannequin, hat sich für Modestrecken in Magazinen wie Elle, Marie Claire, Madame oder Vogue fotografieren lassen, hat Mode von internationalen Designern über Laufstege getragen und lebt ein Leben zwischen New York, Mailand und Paris. Und für sie vielleicht das Allerwichtigste: Sie hat sich wieder mit ihrem Vater versöhnt. Der akzeptiert es mittlerweile, dass sie sich manchmal mit äußerst wenig Stoff bekleidet in der Öffentlichkeit zeigt.

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