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Junge mit Fußball
© dpa
Aufarbeitung sexueller Gewalt

Sexueller Missbrauch im Sport: verdrängt und vertuscht

Sexueller Missbrauch im Sport ist besonders stark tabuisiert. Wir wissen wenig darüber, welche Strukturen solchen Missbrauch in der Vergangenheit ermöglicht haben - und warum sich viele Kinder niemandem anvertraut haben. Sabine Andresen will das ändern.

Sabine Andresen leitet die Kommission zur Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch. Betroffene sollen sich dort melden, wenn sie etwa im Vereinssport Übergriffe erlebt haben. Jede Geschichte sei grausam in ihren Details, sagt Sabine Andresen. Doch sie ist dankbar für jeden, der offen spricht - denn noch wisse man zu wenig über dieses Thema. Aus diesem Grund hat die Kommission zur Aufarbeitung von sexuellem Missbrauch nun diejenigen ausdrücklich dazu aufgerufen, sich zu melden, die Opfer eines sexuellen Übergriffs geworden sind.

"Jede einzelne Geschichte überrascht einen erst einmal, weil so viele grausame Details deutlich werden."
Sabine Andresen, Vorsitzende der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs

Nadine, das ist nicht ihr richtiger Name, hat eine solche Erfahrung gemacht. Sie erzählt im Deutschlandfunk davon, was ihr vor 27 Jahren passiert ist: Sie war damals 10 Jahre alt und im Fußballverein. Nach einer kleinen Verletzung habe sich ihr ein Betreuer mehr genähert, als es richtig war. Nadine erzählt, dass der Betreuer immer aufdringlicher wurde - und sie schließlich bei einer Ferienfahrt, als sie krank wurde, vergewaltigte.

"Da war dann nichts mehr nur mit Anfassen, das war dann mit Vergewaltigung und Übergriffen jeder Art, die man sich vorstellen kann."

Diesen Missbrauch hat der Täter über Jahre fortgesetzt, ohne dass Nadine sich dagegen wehren konnte. Sie wurde krank, auch psychisch, musste viele Ausbildungen abbrechen und war arbeitsunfähig. Nach einigen Therapien kann sie heute zwar über den Missbrauch sprechen, doch was passiert ist, verfolgt sie immer noch.

"Nach allem, was wir bisher wissen, hat es auch im Sport Verdrängung, Vertuschung, Verleugnung, Tabuisierung generell gegeben."
Sabine Andresen, Vorsitzende der Unabhängigen Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs

Sabine Andresen sagt, für Betroffene sei es eine Art Anerkennung, wenn sie vertraulich berichten können, was passiert ist. Gleichwohl sei es eine Belastung, "jedes Mal über die eigene Geschichte zu erzählen". Ihre Botschaft ist deshalb: "Ihr bestimmt, was ihr berichten wollt!"

Mehr öffentliche Aufmerksamkeit

Die Erziehungswissenschaftlerin ist dankbar für jeden, der sich an die Kommission wendet, denn in den vergangenen Jahren sei die öffentliche Aufmerksamkeit für das Thema "Sexueller Missbrauch" stark gestiegen. "Das ist den Stimmen der Betroffenen zu verdanken", sagt sie.

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Die Unabhängige Kommission zur Aufarbeitung sexuellen Kindesmissbrauchs untersucht sämtliche Formen von sexuellem Kindesmissbrauch in Deutschland. Darunter fällt zum Beispiel Missbrauch in Institutionen, in Familien, im sozialen Umfeld oder im Rahmen von organisierter sexueller Ausbeutung.

Warum es gerade im Sport so viele Gelegenheiten für Täter gibt, Vertrauen zu gewinnen und zu missbrauchen, möchte Sabine Andresen herausfinden. Sie vermutet, dass viele Sportarten an sich eine besondere körperliche Nähe erfordern - und dass Sportlerinnen und Sportler, aber auch Trainerinnen und Trainer viel zu wenig reflektieren und offen sprechen.