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Eine Frau, die einen Kater hat, nach dem sie zu viel Alkohol getrunken hat.
© Francesca Schellhaas | photocase.de
Kater-Studie

Ob Bier auf Wein oder umgekehrt ist wurscht

Wir kennen den Spruch: "Wein auf Bier, das rat ich dir! Bier auf Wein, das lass sein!" Aber ist an dieser Sauf-Regel auch was dran? Nein, sagt eine Studie. Zu Testzwecken haben sich dafür einige Freiwillige abgefüllt.

Wissenschaftler an der Uni Witten-Herdecke wollten die Aussagekraft des Trinkspruchs "Wein auf Bier, das rat ich dir! Bier auf Wein, das lass sein!" untersuchen. Sie haben dafür auch Freiwillige gefunden - diese mussten sich für die Studie ziemlich betrinken.

Um einen Kater wissenschaftlich zu untersuchen, muss schon eine Menge Alkohol fließen: "Mit zwei, drei Bier ist da nix zu holen. Das gibt keine aussagekräftigen Ergebnisse", sagt Deutschlandfunk-Nova-Reporter Johannes Döbbelt. Eigentlich werden für solche Studien Werte von um die 1,8 Promille im Blut empfohlen.

Zu Studienzwecken besaufen

Die Wissenschaftler an der Uni Witten-Herdecke wollten es nicht übertreiben. Sie ließen die insgesamt 90 Probanden so viel trinken, dass sie bei 1,1 Promille landeten. Die Teilnehmer haben im Schnitt 1,3 Liter Bier und zusätzlich rund 0,7 Liter Wein getrunken - also ungefähr vier (kleine) Flaschen Bier und eine Flasche Wein. Es gab drei Gruppen:

  • Eine Gruppe trank zuerst Bier, dann Wein
  • Eine Gruppe trank zuerst den Wein, dann das Bier
  • Zwei Kontrollgruppen tranken nur Wein oder nur Bier - alles bis zu dem vorher festgelegten Atemalkoholpegel
"Es war gar nicht so leicht, die beisammen zu halten, dass die nicht raus gehen. Und vor allem: Dass die um ein Uhr, wenn Schluss war, ins Bett gehen."
Kai Hensel, Mediziner und Hauptautor der Studie

Eine Woche später wurde der Test noch mal durchgeführt, die Gruppen wurden aber getauscht.

Die Teilnehmer wurden jeweils direkt nach dem Trinken gefragt, wie betrunken sie sich fühlen. Am nächsten Morgen füllten sie einen Fragebogen aus, um ihren Kater zu dokumentieren.

Das Ergebnis: Weder die Reihenfolge von Bier und Wein machte einen Unterschied, noch die Frage, welchen Alkohol die Leute getrunken hatten: Alle Gruppen hatten einen vergleichbaren Kater, sagt Kai Hensel, Hauptautor der Studie.

"Der Kater war im Schnitt überall gleich: Ob man nur Bier oder nur Wein, erst Bier dann Wein oder erst Wein und dann Bier getrunken hatte."
Kai Hensel, Mediziner und Hauptautor der Studie

Auch andere Länder haben fragwürdige Trinkregeln

Übrigens gibt es diesen Spruch (der nichts taugt) in ähnlicher Form auch im Englischen: "Grape or grain but never the twain“ - heißt soviel wie: "Traube oder Getreide, aber niemals beides!". Oder analog zum Deutschen: "'Beer before wine, you'll feel fine".

Auch in Frankreich merkt man sich Unsinn: "Biere sur vin est venin, vin sur biere est belle maniere" - das bedeutet: "Bier auf Wein ist Gift, Wein auf Bier ist der richtige Weg." Alles Quatsch, wie wir jetzt wissen - zumindest aus Kater-Sicht. Vielleicht ergibt der Spruch kulinarisch ja für den ein oder anderen Sinn.

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