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Donald Trump

Diplomatie oder Gleiches mit Gleichem vergelten

Es ist ein beispielloser Eklat in der Geschichte der G7: US-Präsident Donald Trump hat in der Nacht zum Sonntag überraschend seine Zustimmung zum Abschluss-Kommuniqué des Gipfeltreffens in La Malbaie zurückgezogen. Vor seinem Abflug aus Kanada hatte Trump noch erklärt, das Treffen sei "ausgesprochen erfolgreich" verlaufen. Doch keine drei Stunden nach dem offiziellen Ende des Treffens kündigte Trump den Konsens auf - mit einem Tweet aus der Air Force One. 

Bundeskanzlerin Angela Merkel äußerte sich dazu am Sonntagabend in der Talkshow bei Anne Will noch mit sehr diplomatischen Worten. Das Ganze sei "ernüchternd und ein Stück deprimierend".

Cathryn Clüver ist Politikwissenschaftlerin in Harvard. Sie sagt, es sei schwierig, mit Narzissten - wie Donald Trump - umzugehen. Im Prinzip verbreite er seit den 1980er Jahren ein sehr eingefahrenes Bild der Weltordnung. In diesem Bild seien alle anderen Schmarotzer, die sich an der durch die USA aufgebauten Weltordnung bereichern würden. Und in Trumps Weltbild leide Amerika seit Dekaden unter dieser Ordnung.

"Aus so einem Weltbild holt man einen solchen Präsidenten schlecht ab, wenn man mit einem völlig anderen Weltbild an ihn herantritt."
Cathryn Clüver, Politikwissenschaftlerin in Harvard

Angela Merkel fahre seit Trumps Wahl zum Präsidenten eine sehr klare Linie, sagt die Politikwissenschaftlerin: Sie halte sich an internationale Organisationen und an die Regeln der Diplomatie. Donald Trump hingegen schätze an Angela Merkel besonders wenig ihre belehrende Art. Und genau deswegen habe Trump auch im Laufe des Tages noch einmal betont, Deutschland sei in der ganzen Problematik der "Chef-Schmarotzer".

Trump sieht Deutschland als "Chef-Schmarotzer"

Cathryn Clüver sagt, wenn man in der internationalen Diplomatie eine Strategie entwickeln wolle, mit Trump umzugehen, dann müsse man ein gewisses Verständnis dafür mitbringen, was eigentlich die Motivation des Gegenspielers ist.

"Wir werden sehen, dass die amerikanische Regierung versuchen wird, alle Abhängigkeitsverhältnisse, die wir mit den USA haben, auszunutzen."
Cathryn Clüver, Politikwissenschaftlerin in Harvard

Cathryn Clüver glaubt, dass die amerikanische Regierung in den kommenden Wochen und Monaten versuchen wird, weiterhin alle Abhängigkeitsverhältnisse auszuspielen - unter anderem die Sanktionen im Iran.

Auf einem Bild des G7-Gipfels in Kanada stehen alle Staatschefs um den amerikanischen Präsidenten und scheinen eindringlich auf ihn einzureden, während Trump mit verschränkten Armen wie ein kleiner Junge auf einem Stuhl sitzt. Die Politikwissenschaftlerin sagt, sie glaube, Trump ist glücklich mit diesem Bild, denn er wolle damit zum Ausdruck bringen, dass er für "America first" stehe und dass er auf Teufel-komm-raus die Interessen Amerikas vertrete.

"Wenn wir auf unseren Verteidigungshaushalt schauen, wenn wir auf unsere Wirtschaftsbeziehungen schauen - die Abhängigkeiten sind da."
Cathryn Clüver, Politikwissenschaftlerin in Harvard

Clüver betont, dass es bei diesem Verhalten vor allem um Donald Trump und einen Teil der Republikaner gehe. Die Demokraten und ein anderer Teil der Republikaner hätten bereits geäußert, dass sie mit Trumps Verhalten in Bezug auf den G-7-Gipfel nicht einverstanden seien.

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