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Berlin, Fahrradfahrer am Abend auf der Karl-Marx-Allee
© dpa
Langzeitstudie zu Einstellungen und Verhalten

Unterschiede zwischen Ost und West werden kleiner

Politik, Freizeit oder die Einstellung zu Ausländern: Auch 28 Jahre nach der Wiedervereinigung klaffen Unterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland. Aber sie sind kleiner geworden, das zeigen mehrere jetzt veröffentlichte Statistikauswertungen. Ein Ergebnis des Kölner Instituts Yougov: Im Osten wollen 40 Prozent der Befragten am Tag der Deutschen Einheit ausgehen und feiern. Im Westen planen das hingegen nur 28 Prozent.

Bei der Zufriedenheit mit der Freizeit liegen Ost- und Westdeutsche ziemlich auf einer Linie. Außerdem ist das Interesse an Politik ähnlich hoch. Ossis und Wessis machen sich auch in gleichem Maße Sorgen um Geld und um den Arbeitsplatz – in den Zeiten der Wende war das im Osten ein noch viel größeres Problem. Vor allem mit Blick auf jüngere Menschen wird deutlich, dass sie in Sachen Ehe, Familie und Rollenbilder sehr ähnliche Vorstellungen haben. Diese Ergebnisse stammen zum Beispiel vom Ifo-Institut für Arbeitsmarkt und Bevölkerungsökonomik. Das Bundeswirtschaftsministerium hatte dort eine "Studie zu den Einstellungen und Verhaltensweisen der Bürgerinnen und Bürger in Deutschland" in Auftrag gegeben.

Unterschiede beim Thema Einwanderung und Asyl

Es gibt aber auch nach wie vor Unterschiede, etwa beim Thema Einwanderung: Ostdeutsche stellen öfter einen Zusammenhang zwischen Ausländern und Kriminalität her. Auch sind es eher Ostdeutsche, die Ausländer als eine Belastung für die Sozialsysteme sehen und die Religionsfreiheit einschränken möchten – vor allem in Bezug auf den Islam.

"Wir haben im Osten einen niedrigeren Ausländeranteil als im Westen. Das bedeutet, dass die Menschen weniger Möglichkeiten für persönliche Erfahrungen mit Ausländern haben. Diese Erfahrungen sind aber zentral dafür, dass mögliche Vorurteile abgebaut werden können.“

Während im Westen 45 Prozent der Befragten dafür sind, Asylsuchende und Kriegsflüchtlinge aufzunehmen, sind es im Osten nur um die 30 Prozent. Helmut Rainer, Wirtschaftswissenschaftler am Ifo-Institut, vermutet, dass dieser Unterschied damit zu begründen ist, dass im Westen weniger Ausländer leben als im Westen. Die Menschen dort hätten einfach weniger Gelegenheiten, persönliche Kontakte zu knüpfen und dadurch Vorurteile abzubauen.

"Die Bereitschaft zum ehrenamtlichen Engagement und die Bereitschaft zu wählen sind niedriger als im Westen. Das ist bedenklich, da nachgewiesen ist, dass diese Faktoren eine wichtige Rolle für die zukünftige Entwicklung einer Gesellschaft spielen."

Auch der Blick auf die Politik zeigt Unterschiede zwischen den Befragten in Ost und West: Die Ostdeutschen vertrauen ihren Mitmenschen und den politischen Institutionen weniger. Wessis sind zu 70 Prozent zufrieden mit der Demokratie, Ossis nur zu 54 Prozent. Helmut Rainer sagt auch, dass die Bereitschaft zu ehrenamtlichem Engagement und die Beteiligung an Wahlen im Osten niedriger ist. Die Ostdeutschen sind aber wiederum stolzer auf unseren Sozialstaat. Helmut Rainer gibt zu bedenken, dass die Unterschiede besonders stark sind, wenn wir auf die 65-Jähren blicken. Bei den Jüngeren werden sie deutlich schwächer. 

"In vielen Fällen werden sich diese Unterschiede demographisch auswachsen.“

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