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Bei der Räumung:  Polizisten und RWE-Mitarbeiter am 5. September 20118 im Hambacher Forst
© dpa
Eskalation im Hambacher Forst

Waldbesetzer gegen Waldbesitzer

Der Streit um die deutsche Klimapolitik hat ein Symbol: den Hambacher Forst. In dem Waldstück werden Wege geräumt. Bald darf wieder gefällt werden.

Der Hambacher Forst liegt in direkter Nähe des gleichnamigen Braunkohletagebaus. Das ist deutschlandweit das größte Braunkohleabbaugebiet. Der Energieversorger RWE betreibt den Tagebau und die dazugehörigen Kraftwerke. Das Unternehmen möchte den Wald weiter roden, um die darunter liegende Kohle abzubauen.

Seit Jahren schwelt ein Konflikt um das Waldgebiet, der immer wieder offen und gewalttätig eskaliert. Umweltschützer protestieren gegen die geplante Rodung und für den Kohleausstieg. Sie haben in dem Wald Camps errichtet – überwiegend aus Baumhäusern. In den Jahren 2012 und 2014 wurden die Camps jeweils von der Polizei geräumt. Die Aktivisten versuchen die Wege durch den Wald möglichst dauerhaft zu blockieren – teilweise mit Erfolg. Manche Wege sind seit Jahren nicht befahrbar.

Ende der Schonzeit für Bäume

RWE möchte, dass die Wege durch das Waldgebiet befahrbar sind – offiziell als Rettungswege. Auch für Rodungsarbeiten sind Fahrwege allerdings eine Voraussetzung. Am 1. Oktober endet die Baumschonzeit und RWE hat angekündigt, dann roden zu wollen.

Die Räumung der Wege, mit der am 5. September rund 200 Mitarbeiter der RWE begonnen haben, verstehen die Protestierenden als Vorbereitung der Fällarbeiten. Durch sie ist der Hambacher Forst zu einem Symbol des Protests geworden – vielleicht am ehesten vergleichbar mit dem bayerischen Wackersdorf.

"Einerseits ist das Naturschutz, andererseits ist der Wald für die Besetzer ein Zeichen: Gewinnt der Kapitalismus die Oberhand, oder schaffen wir es, ein Zeichen zu setzen."
Vivien Leue, Reporterin, Deutschlandfunk Nova

Politischer Hintergrund des Konflikts um den Hambacher Forst ist der Kohleausstieg. Um das Zwei-Grad Ziel des Pariser Klimaschutzabkommens zu erreichen, ist weltweit ein Ende der Kohleverstromung bis 2030 notwendig. Die Betriebsgenehmigung für den Tagebau Hambach läuft bis 2040.

Von politischer Seite aus ist die Rodung des Hambacher Forsts bereits beschlossene Sache. Die damals noch rot-grüne Landesregierung traf 2016 eine Leitentscheidung. Darin steht, dass die Abbaugrenzen der Tagebaue unverändert bleiben.

"RWE ist juristisch auf der sicheren und auf der richtigen Seite. Wie das moralisch aussieht, muss jeder für sich entscheiden."
Vivien Leue, Reporterin, Deutschlandfunk Nova

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