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Collage: Barack Obama vs Donald Trump
© Collage Dlf Nova | Imago Images | UPI Photo | MediaPunch
Trump vs Obama

Warum der US-Präsidenten-Beef Strategie hat

Obama und Trump attackieren sich gegenseitig. Dabei wäre es schlauer, wenn Obama sich hier zurückhalte, meint Politikwissenschaftler Thomas Jäger. Denn so könnte die Strategie von Trump aufgehen, ein neues Feindbild zu schaffen.

Seit wenigen Wochen unterstützt Ex-Präsident Barack Obama offiziell Joe Biden als Kandidat der Demokraten für die US-Präsidentschaftswahl. Und damit nehmen die öffentlichen Spannungn zwischen Donald Trump und Obama zu. Zuletzt teilte Obama in einer Highschool-Abschlussrede mit einem Seitenhieb gegen den Präsidenten aus. Trump wiederum nannte seinen Vorgänger unglaublich inkompetent. Und auch damit waren die gegenseitigen Angriffe nicht beendet.

Hinter dem verbalen Scharmützel verbirgt sich jedoch mehr, erklärt der Politikwissenschaftler Thomas Jäger. Und damit sei nicht nur eine offensichtliche Antipathie der beiden Politiker gemeint.

"Das geht Jahre zurück. 2011 hat Trump Obama bei einem Präsidentendinner lächerlich gemacht. Und behauptet, Obama sei kein Amerikaner und dürfe kein Präsident sein."
Thomas Jäger, Politikwissenschaftler Universität Köln

Thomas Jäger sieht darin einen Versuch Trumps, vom eigenen Krisenmanagement während der Corona-Pandemie abzulenken.

"Trump will für seine Anhänger ein ganz neues Thema aufmachen: Die Vorgänger hätten es nicht hingekriegt. Und nicht nur das: Es wäre die korrupteste Regierung jemals gewesen."
Thomas Jäger, Politikwissenschaftler Universität Köln

Er versuche, so Thomas Jäger, die Untersuchungen gegen ihn als Verschwörung darzustellen. Unter #obamagate kursiert beispielsweise die Theorie, dass die Verfahren rund um Trumps Russlandverbindungen eine von Obama initiierte Verschwörung gewesen seien. Trumps Taktik dahinter, so Thomas Jäger: "So versucht er als Außenseiter in den Wahlkampf einzusteigen. Das ist klug gemacht."

Suche nach einem neuen Feindbild

Aus Sicht der Republikaner biete Barack Obama die bessere Angriffsfläche als der wahrscheinliche demokratische Präsidentschaftskandidat Joe Biden. Der werde kaum ernst genommen, sagt Thomas Jäger: "Aus Sicht der Republikaner ist das eher Onkel Joe, der bei jeder Familienfeier 'nen Riemen reißt, der aber nicht gefährlich ist."

Zwar gebe es auch hier Videos vom Wahlkampf-Team Trumps, in denen Joe Bidens Versprecher und seine Ausfälle bei Reden zu sehen sind, doch eine echte Front der republikanischen Wähler gegen Biden ließe sich darauf nicht aufbauen. Der Sozialist Obama mobilisiere da schon eher die Antipathie der Republikaner.

"Joe Biden ist nicht wirklich ein Feindbild für die Amerikaner."
Thomas Jäger, Politikwissenschaftler Universität Köln

Trumps Fokussierung auf Obama sei extrem, meint Thomas Jäger. Das zeige sich auch an seiner Politik, die sich auch so lesen lasse, "als sei das Ziel, alles was Obama gemacht hat, wieder zurückzudrehen“ – von der Einwanderungspolitik, Gesundheitsreform, dem Iran-Deal bis zum Klimaabkommen.

Falscher Schachzug

Obamas aktuelle Reaktionen hält Thomas Jäger indessen für unklug. Er habe versäumt, Joe Biden richtig in Stellung zu bringen, und gleichzeitig den Republikanern einen Vorteil verschafft. Sie könnten die Demokraten nun als "Links-Außen-Sozialisten" darstellen, die sie unter Joe Biden gar nicht seien, so die Einschätzung des Politikwissenschaftlers.

„Obamas Rolle wäre eher gewesen, sich staatstragend zu geben und Joe Biden den Angriff zu überlassen, damit dieser sich in die vorderste Linie spielen kann.“
Thomas Jäger, Politikwissenschaftler Universität Köln