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Ein Berggorilla, umgeben von Farn und Büschen
© dpa | Collage: Deutschlandfunk Nova
Biobanken

Bedrohte Tiere: DNA auf Reserve

Die International Union for Conservation of Nature (IUCN) hat ihren Jahresbericht vorgelegt. Die Weltnaturschutz-Organisation kommt zu dem Schluss, dass etwa 27.000 Arten gefährdet sind. Was machen wir, wenn ein Tier nach dem nächste ausstirbt? Es gibt die Idee, die DNA bedrohter Arten zu sammeln und aufzubewahren – für den Fall, dass wir irgendwann in der Lage sind, die Tiere zu klonen. Unser Reporter Pascal Fischer hat sich das mal angeschaut.

Wir erinnern uns an die Anfangsszene von Jurassic Park. Ein Bernstein, in dem ein Moskito eingeschlossen ist. Im Rüssel des Moskitos sind noch Spuren vom Blut der Lebewesen, die es einst gestochen hat: Dinosaurier. Forschern gelingt es schließlich – Millionen Jahre später – aus diesen Blutspuren neue Dinosaurier zu züchten.

Wir sprechen hier von einem Spielfilm, aber die Idee, irgendwann aus DNA- und Geweberesten ausgestorbene Lebewesen in der Petrischale nachzuzüchten, gibt es tatsächlich. Bloß, dass die Wissenschaft noch nicht so weit ist.

Dennoch gibt es inzwischen weltweit Projekte, die darauf hoffen, dass das Klonen ausgestorbener Arten in Zukunft möglich sein wird. Und dafür sammeln sie heute schon fleißig Proben von Tieren, die vom Aussterben bedroht sind.

Gewebeproben von Nashorn oder Berggorilla

Eine Hautschuppe oder ein Stückchen Gewebe von einer vom Aussterben bedrohten Tierart, also zum Beispiel vom nördlichen Breitmaulnashorn oder vom Berggorilla, reichen bereits aus. Am liebsten sammeln die Wissenschaftler verschiedene Gewebearten, damit ihre Kollegen in der Zukunft die Auswahl haben – wir wissen heute ja noch nicht, welches Gewebe sich besonders gut zum Klonen eignet.

Das Muskelgewebe enthält beispielsweise Mitochondrien, sogenannte Zellkraftwerke, die sich selbst vermehren können. Diese Eigenschaft ist auch gut für andere Experimente, denn den Forschern geht es beim Konservieren nicht nur darum, Arten zu retten, sondern sie wollen – im hier und heute – noch mehr über die Tiere herausfinden. Über deren Stammbäume oder wie sich Krankheiten innerhalb einer Population ausbreiten. Auch Plazenta-Gewebe bietet sich besonders gut an, um Proben davon zu konservieren. Dieses Gewebe enthält Stammzellen, eine Art Superzellen, die sich sowohl erneuern, als auch spezialisieren, also in andere Zellarten weiterentwickeln können. 

"Je mehr Individuen pro Art man hat, umso mehr Möglichkeiten hat man natürlich auch, wenn man Aussagen über die Population machen möchte. "

Jonas Astrin ist Kurator am Zoologischen Forschungsmuseum Alexander König in Bonn und baut dort so eine DNA-Sammlung auf. Inzwischen besteht die Sammlung aus rund 200.000 Proben. Das Museum König arbeitet vor allem am Projekt "German Barcode of Life" – an einem Katalog, in dem alle in Deutschland vorkommenden Tierarten registriert sind. 

Der Kurator sagt, es sei gut, möglichst viele Proben von einer Art zu konservieren. Für den Fall, dass daraus tatsächlich irgendwann einmal neue Tiere gezüchtet werden könnten, bedeutet viel Genmaterial auch, dass man unterschiedliche Tiere mit unterschiedlichen positiven Eigenschaften hat. Das könnte, wenn sie sich vermehren, eine Population überlebensfähiger machen.

Strenge Richtlinien für Genbanken

Inzwischen bauen viele Länder solche Bio- oder DNA-Datenbanken auf. Den Überblick über die verschiedenen Projekte hat das Global Genome Biodiversity Network (GGBN), eine Art Dachverband, der auch die Standards festlegt, wie Proben möglichst gut gelagert und katalogisiert werden. 

Aber es gibt auch strenge Richtlinien für die Biobanken, um Staaten vor Biopiraterie zu schützen. Also nicht jeder darf anfangen Proben von Tieren oder Pflanzen zu sammeln. Sonst könnte am Ende jeder, der Lust hat - also auch großen Unternehmen - zum Beispiel Pflanzen mit Wirkstoffen plündern. Das Land, in dem diese Pflanzen wachsen, hat am Ende aber nichts davon.

Die Idee für die Zukunft

Wenn die Gentechnik sich in der Zukunft noch weiterentwickelt, könnte irgendwann vielleicht ein Breitmaulnashorn in der Petrischale gezüchtet werden. Noch liegt das in weiter Ferne, aber genügend Material, um damit die Jurassic-Park-Nummer irgendwann nachzumachen, wäre inzwischen schon da.

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