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Bundesamt für den Verfassungsschutz
© dpa
Verfassungsschutz

Shitstorm gegen Sinan Selen

Eine Welle des Hasses zieht mal wieder durchs Netz. Es geht um eine Personalentscheidung im Bundesamt für Verfassungsschutz. Am Mittwoch (12. Dezember 2018) will das Bundeskabinett entscheiden, wer Vizepräsident des Verfassungsschutzes werden soll. In der engeren Auswahl steht: Sinan Selen. Ronen Steinke von der Süddeutschen Zeitung erklärt, wer Sinan Selen ist und warum um diese Personalie ein Shitstorm tobt.

Er hat eine rasante Karriere hingelegt, zunächst im Bundeskriminalamt, dann im Bundesinnenministerium: Selen hat schon in jungen Jahren großen Fahndungen gegen Terroristen geleitet – mit Erfolg. Deswegen ist er auch immer weiter befördert worden. Heute ist er 46 Jahre alt und soll kommenden Mittwoch Vize-Präsident des Bundesamtes für Verfassungsschutz werden.

"Sinan Selen ist einer der begabtesten Terrorfahnder, die das Land hat. "
Ronen Steinke, Süddeutsche Zeitung

Thomas Haldenwang, der neue Chef des Amtes, wird für die politische Seite zuständig sein, erklärt Ronen Steinke von der Süddeutschen Zeitung, also zur Bundesregierung und zum Parlament. Sinan Selen hingegen kümmert sich um das operative Geschäft. Das sind zum Beispiel Spionageaktionen, um islamistische Netzwerke zu infiltrieren oder um iranische Agenten in Deutschland ausfindig zu machen.

Sinan Selen ist das Kind türkischer Einwanderer und in Istanbul geboren. Mit vier Jahren kam er nach Deutschland. Im Netz richtet sich nun ein Shitstorm gegen Selen. Grund dafür ist seine türkische Abstammung. Unter den Kommentatoren: Rassisten, AfD-Politiker, aber auch Verschwörungstheoretiker, die in die Richtung argumentieren, dass Bundeskanzlerin Merkel auf diese Weise die Islamisierung Deutschland vorantreiben würde.

Die Personalie Selen wird von rechts und von links kritisiert

Aber auch von der linken Seite, zum Beispiel von der Tageszeitung "Junge Welt" kommt der Vorwurf, dass er mit der türkischen Arbeiterpartei PKK besonders hart ins Gericht gehen werde. "Nicht minder rassistisch", kommentiert Sinan Selen.

Ronen Steinke findet es sehr schwierig für den designierten Vize-Verfassungsschutz-Chef, sich gegenüber diesen Vorwürfen von verschiedenen Seiten zu positionieren: "Was ist denn die vernünftige Reaktion? Soll Sinan Selen sich dann damit verteidigen, dass er mit der Türkei gar nichts zu tun habe – familiär? Oder dass er gar nicht Moslem ist? Warum sollte er das tun?"

"Jetzt, mit 46 Jahren soll er die Nummer Zwei des deutschen Inlandsgeheimdienstes werden – das Bundesamt für Verfassungsschutz."
Ronen Steinke, Süddeutsche Zeitung

Ronen Steinke findet, dass man mit unterschiedlichen Meinungen über die Karriere von Sinan Selen diskutieren könne. Aber: Selen habe die Verhandlungen gegen die Türkei geführt und türkische Avancen, Journalisten oder Oppositionelle auszuliefern, strikt abgewiesen. Darum findet der Journalist Ronen Steinke es einfach nur rassistisch, wenn jemand Selen, der für den deutschen Staat, für das Innenministerium mit der Türkei verhandelt hat, Treue zum türkischen Präsidenten Erdogan vorwirft.

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