Die Intensivbetten werden knapp: Um das Gesundheitssystem zu entlasten, werden Intensivpatient*innen strategisch innerhalb der Bundesländer und deutschlandweit nach dem Kleeblatt-Prinzip verlegt.

Die Lage auf den Intensivstationen ist vielerorts sehr bedenklich. Das hängt damit zusammen, dass die Zahl der Covid-Patient*innen steigt. Aber vor allem auch daran, dass die Pflege eines schwer an Covid erkrankten Menschen besonders aufwendig ist und zurzeit nicht genügend Pflegekräfte vorhanden sind. Zudem sind viele von ihnen durch die lang anhaltende Pandemie erschöpft.

Besonders im Süden und im Osten Deutschlands steigen die Inzidenzen und die Zahl der Covid-Patient*innen auf Intensivstationen stark. Vergleichsweise entspannter ist die Situation am Universitäts-Klinikum Schleswig-Holstein in Kiel. Das Klinikum hat seinen Regelbetrieb um 25 Prozent heruntergefahren, um mehr Kapazitäten für die Intensivpflege freizustellen. Es übernimmt Intensivpatienten aus anderen Bundesländern, um die Situation anderenorts zu entlasten.

"Der Impfbonus ist bald aufgebraucht, sodass wir das Kleeblatt-Prinzip jetzt heranziehen – Strukturen, die wir vorbereitet haben, jetzt aktiv sind."
Jan-Thorsten Gräsner, Direktor des Instituts für Rettungs- und Notfallmedizin am Universitäts-Klinikum Schleswig-Holstein in Kiel

Das sogenannte Kleeblatt-Prinzip wird angewendet, wenn Krankenhäuser Intensivpatient*innen von anderen Kliniken übernehmen. Seit sich die Corona-Situation in Deutschland verschärft hat, wird dieser strategische Verlegungsplan genutzt. Im vergangenen Jahr hat der Notfallmediziner Jan-Thorsten Gräsner daran mitgearbeitet, dieses Konzept zu entwickeln.

Kleeblatt-Prinzip: Deutschland in fünf Kleeblätter unterteilen

Die Bundesländer Nordrhein-Westfalen und Bayern sind jeweils so groß, dass sie in diesem Modell ein eigenes Kleeblatt erhalten. Der Norden, der Süden und der Osten Deutschlands haben sich jeweils zu einem Kleeblatt organisiert. Insgesamt wird Deutschland so in fünf Kleeblätter unterteilt.

Erst innerhalb einer Region helfen, später deutschlandweit

Die Idee, die dahinter steckt: Zunächst sollen sich die Krankenhäuser innerhalb eines Kleeblatts mit der Verlegung von Intensivpatient*innen gegenseitig unterstützen. Seit rund einer Woche ist das Kleeblatt-Prinzip vollends aktiviert und die "Kleeblätter" helfen sich gegenseitig, das heißt, Patient*innen können deutschlandweit strategisch verlegt werden.

"Es wäre viel einfacher und es würde uns die Situation auch in die Zukunft noch entlasten, wenn nicht mehr Patienten mit Covid-Symptomen nachströmen."
Jan-Thorsten Gräsner, Direktor des Instituts für Rettungs- und Notfallmedizin am Universitäts-Klinikum Schleswig-Holstein in Kiel

Strategie Kleeblatt-Prinzip: Keine Notfall-Verlegung

Wenn der Patient oder die Patientin bereits vor der Tür steht und es kein Intensivbett mehr gibt, dann ist die Situation schon dramatisch, sagt der Notfallmediziner Jan-Thorsten Gräsner. Soweit wolle man es nicht kommen lassen, deswegen habe man jetzt schon damit begonnen, Covid-Erkrankte strategisch zu verlegen.