In einem Museum bei Venedig hat eine Forscherin unter Objekten aus dem Mittelalter ein uraltes Schwert entdeckt. Die spezielle Zusammensetzung des Metalls legt nahe: Das Schwert kommt aus der Kupferzeit und hat einen weiten Weg zurückgelegt.

Das Schwert sieht nicht besonders imposant aus. Trotzdem fällt es einer Forscherin der Universität Venedig sofort ins Auge, als sie das Klostermuseum auf einer Insel unweit der Stadt besucht. Die nur etwa 40 cm lange Waffe liegt in einer Vitrine mit Funden aus dem Mittelalter.

Innovatives Anatolien: So wurden Kupferwaffen härter

Weil sich die Forscherin schon länger mit Schwertern aus Kleinasien und dem Nahen Osten beschäftigt, kommt ihr schnell die Vermutung: Mit dem Mittelalter hat dieses Relikt nichts zu tun. Ebenso wenig mit Zentraleuropa.

Das Schwert, so glaubt sie, müsse rund 5000 Jahre alt sein und aus Anatolien stammen.

Eine Metallanalyse ergibt: Die Forscherin hat recht. Das Kupfer, aus dem das Schwert gefertigt ist, ist mit dem Element Arsen gemischt. "Diese Kombination hat man vor 5000 Jahren in Arslantepe genutzt, einer Stadt in Ostanatolien“, so Nele Rößler von den Deutschlandfunk-Nova-Wissensnachrichten. Dadurch werde das Metall härter.

"In der Kupferzeit, vor ungefähr 5000 Jahren, waren die Menschen in Anatolien weiter, als in vielen anderen Regionen. Sie hatten zum Beispiel eine Technik, um Metall stabiler zu machen.“
Nele Rößler, Nova-Wissensnachrichten

Diese Technik zeigt, wie fortschrittlich die Region Anatolien in der Kupferzeit vor rund 5000 Jahren war. Mit Waffen aus dem gehärteten Kupfer konnte man problemlos kämpfen.

Allerdings, sagt Nele Rößler, hielt der Trend des Arsenkupfers nicht besonders lange an. Relativ schnell wurde es durch Eisen ersetzt.

Das wiederum erlaubt den Forschenden, die Entstehungszeit auf das Ende der Kupferzeit einzugrenzen. Für noch genauere Datierungen helfen die Verzierungen auf dem Schwert. Nele Rößler erklärt: "Die Forscher denken, dass das Schwert Ende des 4. bis Anfang des 3. Jahrtausends vor Christus entstanden ist. Also, dass es ungefähr 5000 Jahre alt sein muss.“

"Wahrscheinlich ist das Schwert dann Jahrtausende in dem Grab unter der Erde geblieben, bis es durch Erosion oder Bauarbeiten freigelegt wurde."
Nele Rößler, Nova-Wissensnachrichten

Offen bleibt, wie das Schwert von Anatolien nach Venedig gekommen ist. Die Forscherin von der Universität Venedig hat zumindest eine Theorie. Sie vermutet, dass die Waffe eine Totenbeigabe war.

"Vor 5000 Jahren, als das Schwert wahrscheinlich hergestellt wurde, haben die Menschen in Anatolien angefangen, Kriegern Waffen mit ins Grab zu legen“, erklärt Nele Rößler. "Wahrscheinlich ist das Schwert dann Jahrtausende lang in dem Grab unter der Erde geblieben, bis es durch Erosion oder Bauarbeiten freigelegt wurde.“ Möglicherweise sei das Grab dann geplündert und die Schätze verkauft worden.

Sicher ist: Das Schwert kam im 19. Jahrhundert nach Venedig. Ein Dokument belegt, dass es zusammen mit anderen Objekten an die Mönche des Klosters gespendet wurde.